Holzwaren ist im weitesten Sinne die Bezeichnung nicht nur für alle aus Holz gefertigten Gegenstände, sondern auch für das Holz als Arbeitsmaterial selbst, sofern es durch vorbereitende Zurichtung in eine der eigentlichen Verarbeitung bequeme Gestalt gebracht ist. Dies geschieht nun teils durch Zerspalten, teils durch Zerschneiden mittels Handsägen oder auch durch Dampf getriebene Sägemaschinen. Hiernach unterscheidet man Spaltholz und Schnittholz. Die vorzüglichsten Spalthölzer sind: Latten, Bühnen (halbrunde Dachlatten, durch einmaliges Aufspalten dünner Nadelholzstangen gewonnen), Rahm-⸗ oder Riegelholz (zu Fensterstöcken und Fensterrahmen), Zaunstöcke und Weinpfähle, Schachtel- und Siebränder, Faßstäbe, Faßreifen und Faßbodenholz, Wagenachsen, Felgen und Speichenzu Wagenrädern, Klaviaturholzoder Resonanzholz (zu Pianoforten, Violinen, Guitarren nen (dünne, schmale Streifen) zu hölzernen Sieb— böden. Schnitthölzer werden in breite und kantige unterschieden, je nachdem ihre Breite die Dicke bedeutend übertrifft oder nicht. Zu erstern gehören Bohlen, Dielen, Parketts und Fourniere; zu letztern die Latten, die Stollen oder Säulen und verschiedenes kleines, zum Teil krummes Schnittholz für Wagner, Böttcher u. s. w., als Radfelgen, Radspeichen, Faßstäbe u. dgl. m. Die durch eigentliche Verarbeitung des Holzes hervorgehenden, mehr oder weniger künstliche Arbeitsmethoden erfordernden H. lassen sich am bequemsten nach den Klassen der mit ihrer Darstellung beschäftigten Gewerbsleute abteilen. Es sind zu nennen die Arbeiten des Zimmermanns, Böttchers, Wagners, Tischlers (Bautischler und Möbeltischler), Drechsler, Instrumentenmachers, Bildhauers, Büchsenschäfters, Holz⸗ und Formschneiders, Holzknopfmachers, Parkettfabrikanten, Fässerfabrikanten, der Marqueterie (oder Holzmosaik), ferner die gröbern und feinern geschnitzten Waren, welche sich zum Teil den Erzeugnissen des Holzbildhauers anreihen, endlich die Korbmacherarbeiten, welche man als grobe Korbflechterei (im Fichtelgebirge besonders ausgebildet) und feine Korbflechterei (mit ihrem Hauptsitz in Berlin) unterscheidet. In dem engern und gebräuchlichsten Sinne umfaßt der Ausdruck H. nur zwei Kategorien von Erzeugnissen der Holzverarbeitung, nämlich einerseits die gröbern und einfachern Artikel, welche durch Spalten, Sägen, Behauen, Schnitzen, Drechseln und Raspeln hergestellt werden, als Schindeln, Löffel, Teller, Milch— gefäße, Schuhe, Schaufeln, Mulden, Wasch-⸗ und Backtröge, Hühnerbauer, Vogelbauer, Rechen und Heugabeln, Peitschenstiele, Spazierstöcke u. s. w.; andererseits jene zahllosen feinern und kleinern Gerätschaften, welche aus Holz geschnitzt oder gedrechselt und meistenteils zu Kinderspielzeug bestimmt sind, häufig mit Farben angestrichen, gebeizt, lackiert, vergoldet, überhaupt auf alion dttern Art verziert werden. Die Fabrikation hölzerner Spielwaren blüht in Thüringen (Sonneberg), Nürnberg-Fürth, Sachsen (Erzgebirge) und Württemberg. Eine moderne Art H. sind die Ho Ranen Sareid waren (Geldkassetten, Handschuhkästen, Schreibpulte, Photographierahmen, Lichtschirme), in deren Anfertigung Nürnberg mit Wien und Paris wetteifert. In der feinen Holzschnitzerei (sd.) macht sich in neuerer Zeit der Einfluß des kunstgewerblichen Moments geltend, so in der Schnitzwarenfabrikation von Reichenhall und Oberammergau in Bayern, so in der Uhrkastenfabrikation im Schwarzwalde. Einen hervorragenden Zweig der deutschen Holzverarbeitung bietet noch die Fabrikation der Goldleisten und Goldrahmen und der Holzdrähte (aus Fichten⸗,„ Kiefern⸗ und Tannenholz) für die Zündholzsabriten. Eine neue und zukunftsvolle Verwendung des Holzes ist die zu Holzstoff, aus dem man jetzt künstliches Holz (s. d.) zu Dekorationen, Imitationen von Holzschnitzereien u. s. w. darstellt. Vgl. die Berichte über die Industrieausstellungen in München (1854), London (1851 und 1862), Paris (1855 u. 1867), Wien (1873), Philadelphia (1876); sowie die Litteratur zu dem Artikel Holz, S. 348.