FeedAccommodationsvermögen
TechnikBrockhaus 1882

Accommodationsvermögen ist die Fähigkeit des Auges, sich für in verschiedener Entfernung vor demselben liegende Objekte anzupassen oder einzustellen. Daß das Auge Gegenstände, die in verschiedenem Abstande vor ihm stehen, nicht gleichzeitig scharf sehen kann, lehrt ein einfacher Versuch. Blickt man mit einem Auge nach einem wenige Schritte entfernten Fensterkreuze und hält einen Finger 15—20 em vor das Auge, so erscheint beim Fixieren des Fensterkreuzes der Finger undeutlich und ver318 Kreua „umgekehrt beim Fixieren des Fingers 8 Kreuz in einem Laaeglektin Bilde. Das normale emmetropische Auge gleicht in seinem Baue einer Camera obscura, die für sehr weite (unendlich weite) Gegenstände eingestellt, ein scharfes Bild derselben auf dem Schirme entwirft. Werden die Gegenstände der Camera näher gebracht, so fällt ihr ild nicht mehr auf den Schirm, sondern hinter denselben, weil die von ihnen ausgehenden Lichtstrahlen nicht mehr parallel, sondern divergent auf die Vorderfläche der Linse auftreffen. Soll auch bei der neuen Lage der Dinge ein deutliches Bild auf dem Schirme entworfen werden, so muß man den Schirm von der Linse nach hinten abrücken, um so weiter, je — sich die vor der Camera liegenden Objekte genähert haben. Im Auge ist nun der Abstand zwischen Krystalllinse und Netzhaut, die hier die Stelle des Schirms vertritt, unveränderlich, das Auge wird jedoch dadurch boinhigtz esch nähere Punkte deutlich zu sehen, daß beim Nahesehen die Wölbung der Linse und damit auch ihre Brechkraft zunimmt, um aiedel je näher der zu sehende Punkt liegt, sodaß in jedem Falle sein Bild auf die Netzhaut fällt. Der Apparat, der diese stärkere Wölbung hervorbringt, der Accommodationsapparat, besteht aus dem sog. Accommodationsmuskel (Ciliarmuskel anstel, der zwische einem glatten ringförmigen Muske „der zwischen dem vordersten Teile der Der Ion. und der Aderhaut eingelagert ist, und dem der Innenfläche des Muskels eng anliegenden Aufhängeband der Linse (Zonula Zinnii, s. Figur 1 auf Tafel Auge). An letzterm ist die Linse mit ihrem Rande so befestigt, daß sie durch einen allseitig auf diesen Rand wirkenden Zug abgeflacht er-Lets wird, ardeen sie vermöge ihrer Clastizität ets das Bestreben hat, sich stärker zu wölben. Will nun das Auge einen nähern Punkt sehen, so 3gt sich der Muskel zusammen, dadurch erschlafft 8 Au Zun dieem die Linse wölbt sich stärker und verharrt in diesem Zustande, bis mit Nachlaß der Muskelwirkung das Aufhängeband sich wieder anspannt und die Linse von neuem 325 t. Wir nennen den nächsten Punkt, den das Auge unter Anspannung seiner ganzen Accomodationskraft noch deutlich zu sehen vermag, den Nahpunkt des Auges, wie wir den fernsten noch erkennbaren Punkt seinen Fernpunkt nennen. Die Accommodationstraft ist nun am stärksten entwickelt in der Kindheit. Im 10. liegt der Nahpunkt etwa 5 em von dem Auge. Von da ab vermindert sich das A. kontinuierlich, indem allmählich durch einen innern Verhornungsprozeß die Krystalllinse härter und weniger elastisch wird und immer weniger fähig, ihre Form zu ändern, bis endlich zwischen dem 60. und 70. Lebensjahre diese Fähigkeit völlig erlischt. Von der Zeit an, in welcher der uder über 30—40 em hinausrückt, nennen wir das Auge weit-Ldietein oder altersf athalte Diejenigen Augen, ie keine Krystalllinse enthalten (Aphakie), namentlich alle am Grauen Star operierten Augen, haben kein A. Ein vorübergehender oder danernder Verlust desselben tritt auch bei Lähmungen des Accommodationsmuskels ein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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