FeedHörmaschinen
MusikBrockhaus 1882

Hörmaschinen und Hörrohre sind Instrumente, deren sich hochgradig Schwerhörige zur Ver—⸗ besserung ihres geschwächten Hörvermögens bedie— nen. Die Hörmaschinen erreichen ihren Zweck dadurch, daß sie die Aufnahmefläche für die andringenden Schallwellen zu vergrößern, oder außerdem auch noch die Zuleitung derselben zu erleichtern oder zu ermöglichen suchen. Hierzu dienen die die Ohrmuschel von der Seitenwand des Schä— dels nach vorn abdrängenden Apparate (die Ohrklemmer, Ohrkissen, Schallfänger, Hörschalen und Websters Otaphon) und die kleinen goldenen oder silbernen Ohrröhrchen (die sog. Abrahams), welche fast unsichtbar im äußern Gehörgange getragen werden. Die Fälle jedoch, in welchen letztere einigen Vorteil zu gewähren vermögen, sind äußerst wenige gegenüber der großen Zahl derjenigen, in welchen sie nichts nützen oder sogar nachteilig sind. Die mit einem kleinen Röhrchen für den äußern Gehörgang verbundenen Schallfänger bilden den Übergang zu den eigentlichen Hörrohren, welche durch ihre Form und durch das Material, aus welchem sie bestehen, die Schallwellen nicht nur in größerer Quantität aufzunehmen, sondern sie auch konzentriert dem eigentlichen schallempfindenden Teile des Gehörorgans zuzuleiten dienen. Sie zeigen die verschiedensten Formen (trichter⸗, posthorn⸗, trompeten⸗, röhrenförmige) und Größen und werden aus den verschiedensten Stoffen (Holz, Horn, Elfenbein, Papiermaché, Guttapercha, Eisenblech, Silber) hatervet Das eine Ende derselben, für die Aufnahme der Schallwellen bestimmt, ist verhältnismäßig weit, das andere dagegen, zur Einfügung in den Gehörgang bestimmt, entsprechend eng. Am häufigsten sind zwei Arten von H. in Gebrauch. Die eine Art besteht aus den beiden eben genannten Endstücken aus Horn, welche durch eine 60 — 90 em lange mit Leder überzogene spiralig gewundene elastische Drahtröhre verbunden sind (s. nachstehende Fig. 1); die andere Art, das Göppertsche Hörrohr, ist aus einer Guttaerchamasse gefertigt und hat annähernd die Gesalt einer kurzen zusammengedrückten Trompete (s. Fig. 2). Keins der bisjetzt konstruierten H. entspricht jedoch allen den an diese zu stellenden Anforderungen (Verstärkung der Schalleindrücke ohne leichzeitige Beeinträchtigung der Deutlichkeit derselben. Den Vorzug verdient dasjenige H., welches gar keine oder möglichst wenige Nebengeräusche erzeugt. Bei der Wahl eines H. muß der Versuch entscheiden und das Hilfsmittel gleichsam dem betreffenden Gehörorgane angepaßt werden. Ein anderes, zu mediz. Zwecken (zur Auskultation, s. d.) dienendes H. ist das Steth osko p (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 396Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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