Hüftweh (Neuralgia ischiadica, Ischias, Malum Cotunnii, nach dem ital. Arzte Cotugno, der 1764 die Krankheit zuerst beschrieb), eine schmerzhafte und nicht selten sehr hartnäckige Neuralgie (s. d.) im Gebiete der Hüftnerven, welche in vielen Fällen den Gebrauch der erkrankten Extremität erheblich beeinträchtigt oder ganz unmöglich macht. Man unterscheidet zwei Formen des H., das sog. vordere WHSwel (Ischias antica, s. Neuralgia cruralis), bei welchem die neuralgischen Schmerzen auf der vordern und innern Oberfläche des Oberschenkels längs des Verlaufs der Schenkelnerven empfunden werden, und das ungleich häufigere hintere Hüftweh (Ischias postica, s. Neuralgia femoropoplitea), bei dem sich der Schmerz von der Gesäßgegend längs der hintern Schenkelfläche bis zur Kniekehle und in die Waden, selbst bis zum äußern Knöchel und zu den Zehenspitzen erstreckt. Der Schmerz, welcher meist anfallsweise auftritt und einen bohrenden oder blitzartig durchschießenden Charakter besitzt, ist gewöhnlich nur auf ein Bein beschränkt, selten doppelseitig; schon geringe Bewegungen und Erschütterungen der Extremität können eine heftige Steigerung des Schmerzes bewirken, weshalb die Kranken am liebsten im Bett mit leicht flektiertem Bein liegen und beim Gehen den leidenden Fuß nur sehr vorsichtig und ängstlich auf den Boden setzen. Das H. ist im allgemeinen ein sehr hartnäckiges Leiden, welches selbst in günstig verlaufenden Fällen in der Regel mehrere Wochen zu seiner Heilung bedarf, in weniger gutartigen Fällen aber oft viele Monate oder selbst Jahre dauert; auch sind Rückfälle durchaus nicht selten. Das Leiden ist vorwiegend eine Krankheit des mittlern Lebensalters und bei Männern ungleich häufiger als bei Frauen. Als veranlassende Ursachen sind namentlich Überanstrengungen der Beine, andauernder mechanischer Druck auf die Hüftnerven (durch vieles Sitzen auf harten Stühlen, habituelle Stuhlverstopfung, Vergrößerung der Gebärmutter), Fall und Stoß auf das Gesäß, sowie insbesondere starke Erkältungen (Schlafen auf feuchter Erde, Sitzen auf kalten steinernen Bänken, Zugluft bei erhitztem Körper) anzuführen; in vielen Fällen läßt sich freilich eine bestimmte Ursache nicht nachweisen. Die Behandlung ist im wesentlichen die gleiche wie bei andern Neuralgien (s. d.). In frischen Fällen erweisen sich Bettruhe mit zweckmäßiger Lagerung des Beins, Schröpfköpfe und kräftige Hautreize (Senfteige, Spanische Fliegen), bei vorausgegangener starker Erkältung eine energische Schwitztur ersprießlich; sind die Schmerzen sehr heftig, so lassen sich narkotische und beruhigende Einreibungen sowie das Morphium (innerlich oder in der Form der subkutanen Einspritzung) oft nicht entbehren. Von den innern Mitteln erfreuen sich das Terpentinöl, Jodkalium und das salicylsaure Natron eines günstigen Rufs. Bei chronischer schias sind warme Bäder, namentlich längere Badekuren in Teplitz, Warmbrunn, Wiesbaden, Gastein oder Wildbad, sowie die sachkundige Anwendung des galvanischen Stroms sehr zu empfehlen. In neuester Zeit sind besonders hartnäckige Fälle auch auf operativem Wege (durch gewaltpord Dehnung der kranken Hüftnerven) geheilt worden.