FeedHugo von Trimberg
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hugo von Trimberg, von einem Dorfe im Würzburgischen so genannt, geb. um 1235 zu Wernfeld, seit 1260 Magister und Rektor der Schulen an dem Kollegiatstift Marias und Gangolfs in der Theuerstadt, einer Vorstadt von Bamberg, gest. nach 1313, ist bekannt als der Verfasser des «Renners, eines seinerzeit sehr beliebten, in vielen Handschriften erhaltenen Lehrgedichts, das er 1300 vollendete, später aber noch mit mancherlei Zusätzen versah. Auf die Besserung und Belehrung der Zeitgenossen gerichtet, enthält es eine Schilderung des Zustandes und der Lebens⸗ und Sinnesweise derselben, namentlich eine Rüge ihrer Gebrechen und Laster. Sehr wichtig für die Sittengeschichte, zeugt es wenigstens in den zahlreich eingewebten Beispielen und Erzählungen von poetischer Begabung. Renners hat er es genannt, nicht weil es, wie eine alte Aufschrift des Gedichts sagt, durch alle Lande rennen sollte, sondern mit Beziehung teils auf die Mannigfaltigkeit des Inhalts, durch den er würbaz rennetev, teils auf den Mangel an festem Plan in demselben. Auch auf ein Büchlein Der Samener⸗ (Sammler), das er schon 1266 abgefaßt, aber aus Verdruß über den Verlust eines Teils der Handschrift nicht beendet hatte, hat er dabei Rücksicht ge— nommen, wenn er sagt: Jenz loufet vor, diz rennet nach.» Vollständig wurde der Renner zuerst herausgegeben aus einer 1347 geschriebenen erlanger Pergamenthandschrift von dem bamberger Historischen Verein (3 Hefte, Bamb. 1833 —36); in der Sebast. Brant mit Unrecht beigelegten Bearbeitung (Frankf. 1549) ist das Gedicht mit großer Willkür umgestaltet. Vgl. Janicke in Pfeiffers Germania⸗ (Bd. 2 u. 5). ů

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 445Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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