FeedHunyad
ErdkundeBrockhaus 1882

Hunyad, siebenbürg. Komitat, im frühern Lande der Ungarn gelegen, im N. an Zaränd, im O. an Unterweißenburg, im S. an die Walachei und im W. an Ungarn grenzend, ist das größte Komitat Siebenbürgens und zählt auf einem Flächenraum von 6932,04 qkm (1880) 248464 E., die der Nationalität nach überwiegend (87,5 Proz.) Rumänen, dann Magyaren (4, Proz.) und Deutsche (2,3 Proz.) sind; dem Bekenntnis nach sind es Anhänger der zroz.), der röm.⸗kath. (4,7 Proz.) und der evang.⸗ helvet. Kirche (2,8 Proz.) und etwa 2000 Juden. Das Land ist größtenteils gebirgig. Namentlich bestehen die südl. und südwestl. Teile aus hohen, mit ungeheuern Waldungen bedeckten und fast ganz unbewohnten Gebirgen, welche man in die Hunyader Alpen und die Pareng⸗, Vulkan⸗ und Retyesätgruppen einteilt. Die höchsten Punkte derselben sind der Sklävoi (2421 m), Kürsia (2412 m), Retyesät (2496 m), an dessen Fuß die Ruinen des alten Sarmizegetusa im Dorfe Gredistyc liegen. Die westl. Gebirge des Komitats gehören zur Godian-Sarko oder Cserna-Gruppe, die nördlichen aber zu dem siebenbürg. Erzgebirge. Der Vulkanpaß, dessen höchster Uübergang 944 mist, führt aus dem Komitat in die Walachei, während der in den Kämpfen gegen die Türken berühmt gewordene Eiserne Thorpaß (Marmura) nach Ungarn führt. Die Maros durchströmt den nördl. Teil des Komitats in ostwestl. Richtung. Das zweite Hauptthal mit dem wegen seiner röm. Denkmäler berühmten Hätßeger Becken wird vom Strehl und seinen Nebenflüssen bewässert. Parallel damit streicht das Csernathal, in dessen Gebirgen uner-Suden be Eisensteinmassen abgelagert sind. Im Süden befindet sich das Schilbecken mit ungeheuern Braunkohlenflözen in Petrozsen. Die Trachytgebirge nördlich von der Maros enthalten die berühmten Gold- und Silbererzstätten mit ihren merkwürdigen Tellurerzen, besonders bei Nagyag. Das Klima ist im allgemeinen mild, doch im einzelnen sehr verschieden; während in den tiefer gelegenen Thälern der Wein gedeiht, herrscht auf den Höhen rauhes Klima. Im Marosthal ist der Boden ergiebig und auch gut bebaut; an den höher gelegenen Stellen trifft man nur Alpenweiden und Waldungen. Die Viehzucht bildet den Hauptzweig der Erwerbsthätigkeit; außerdem noch Agrikultur, Bergbau und Kleingewerbe. Hauptort ist Deva (s. d.); historisch interessant ist der am Zusammenfluß der Cserna und der Zaläsd gelegene Marktflecken Vajda-Hunyad, mit einem schönen, vom Gubernator Joh. Hunyad erbauten Schlosse, welches 1854 abbrannte, aber teilweise restauriert wurde. Vgl. Schmidt, „Die Stammburg der Hunyade in Siebenbürgend (Hermannst. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 476Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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