Hermannstadt (magyar. Nagy-Szeben), Komitat in Ungarn (Siebenbürgen), wurde 1876 aus Bestandteilen des frühern sächs. «Königsbodeno laus den Sachsenstühlen H., Mühlbach, Reußmarkt und teilweise Teschkirch) und aus einigen Gemeinden der ehemaligen Komitate Unter⸗ und Ober-Weißenburg gebildet. Das Komitat hat ein Gebiet von 3313,52 akm. und (1880) 141627 E., Deutsche (28,8 Proz.), Rumänen (64,1 Proz.) und Ungarn (2,1 Proz.); der Konfession nach: Römisch-Katholiken (1,2 Proz.), Griechisch-Katholiken (7,7 Proz.), Griechisch-Orientalische (60,3 Proz.), Evangelische (23,9 Proz.) und Reformierte (3,8 Proz.). Das Terrain ist im allgemeinen gebirgig, im Süden die Transsylvanischen Alpen, im Norden die Hügelreihen am Zibin- und Oltflusse. Durch die südl. Bergkette führt der Roteturmpaß nach der Walachei; hier bricht der Olt (oder die Aluta) ihren Lauf durch und teilt die Kette in eine östliche und westliche; jene ist die bedeutendere (Spitzen über 2100 m, der Szurul 2294 m). Eine eigentliche Ebene findet sich nicht vor, doch zahlreiche breite Thalungen, unter denen die des Zibinbachs bei der Stadt H. und das Alt-Thal die bedeutendsten sind. Das Gebiet ist gut bewässert; der Boden ist in den Thälern und auf den Hügeln und Vorbergen hindospwe fruchtbar, das Klima im allgemeinen mild, doch wegen der Nähe des Hochgebirges im Süden äufig auch rauh und unfreundlich. Das Gebiet ist gut bewaldet. In den geschützten Thälern erzeugt man Mais, Wein, vortrefflichen Flachs und Hanf, außerdem treibt man viel Federvieh⸗ und Schafzucht, blühende Kleingewerbe und lebhaften Verkehr mit der Walachei.