Heer heißt die gesamte Landkriegsmacht eines Staats. Um seinem Zwecke zu entsprechen, muß das H. eine gute Organisation haben, tüchtig in jeder Beziehung und streng discipliniert sein. In den ältesten Zeiten bestanden die H. aus den waffenfähigen Männern der Volksstämme und nur aus Fußvolk. Bald kamen aber Reiter dazu, Streitwagen wurden erfunden, Kamele und Clefanten im Orient zum Kriegsdienst abgerichtet. Bei den .% und Agyptern gab es besondere Kriegerasten. Das Persische Reich hatte schon stehende Truppen und brachte durch Volksaufgebote ungedchan Streitmassen auf. In den griech. Staaten standen die H. aus Bürgern, denen der Kriegsdienst ein Recht war, in Athen nach dem Vermögen geregelt. Doch gab es später auch Söldner, welche röm. Staate wurden die H. anfangs mi aus Bürgern nach den Vermögensklassen ausge oben, jährlich zwei konsularische H. zu zwei röm. Legionen mit zwei Legionen Bundesgenossen. Als aber die Besitzlosen (Proletarii) auch zum Kriegsdienste berufen wurden (seit Marius), die röm. Bürger sich demselben immer mehr entzogen und auch die Provinzialen nicht für den Bedarf ausreichten, wurden viele fremde Söldner in das H. aufgenommen, das unter den Kaisern eine stehende Kriegsmacht blieb. Bei den german. Stämmen galt das allgemeine Aufgebot aller wehrhaften Freien, der Heerbann (. d.). Daneben brachte die Völkerwanderung durch das Lehnwesen (Grundbesitz für Kriegsdienst) eine neue Heeresbildung hervor, die Lehnsheere mit ihren Vasallenscharen. Je mehr das Lehnwesen den freien Grundbesitz verdrängte, desto mehr erlosch der Heerbann. Die Lehnsreiterei bildete den Kern der H., neben ihnen gab es zahlreiche Söldnerscharen. Karl VII. von Frankreich bildete sich 1445 zuerst stehende Truppen in 15 Ordonnanzkompagnien, jede zu 100 Lanzen, welche aus einem schwerbewaffneten Homme d'armes und fünf leichten Reitern bestanden; 1448 kam dazu ein Fußvolk, Frauc-archers genannt. Im Orient sind die Janitscharen, in Rußland die Strelitzen die ersten stehenden Truppen gewesen. Die Masse der H. blieb aber geworbenes Volk, das nach dem Kriege entlassen wurde und dem Lande zur Last fiel. Erst nach dem Dreißigjährigen Kriege sind die stehenden H. eine bleibende Staatseinrichtung geworden. Sie wurden bis zum Ende des 18. Jahrh. teils durch Aushebung, teils durch Werbung aufgebracht, bis in Frankreich während der Revolution die allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienst ausgesprochen und 1798 durch das Konskriptionsgesetz geregelt wurde. Diese Einrichtung ging unter verschiedenen Modisikationen bald zu den andern Staaten über, sodaß seitdem die H. durch regelmäßige Aushebung im Lande aufgebracht werden, wovon nur England, das noch geworbene Truppen hat, eine Ausnahme macht. Doch war in den meisten Staaten die Stellvertretung durch Loskauf gestattet, wofür die militärische Behürde gediente Soldaten als Kapitulanten annahm. Seit den Kriegen von 1866 und 1870—71 haben aber die meisten Staaten nach dem Vorgange Preußens die allgemeine und persönliche Dienstpflicht (mit Ausschluß der Stellvertretung) angenommen, namentlich osterreich-Ungarn, Frankreich, Italien, Rußland, während in andern, mit Ausnahme Englands, für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kräftig agitiert wird (Niederlande, Belgien). Einer Erwähnung verdient noch das nach dem Tilsiter Frieden in Preußen durch Scharnhorst eingeführte System, wonach jährlich ohne Vermehrung der Stärke, welche die eingegangenen Verpflichtungen auf 42000 Mann beschränkt hatten, eine bedeutende Zahl von Rekruten, für die gediente Leute entlassen wurden, auszubilden war. Dadurch gab es im Lande eine Wehrkraft, die beim Ausbruch der Feindseligkeiten 1813 bald ein Uunh H. auszustellen erlaubte. (S. Krümper.) Nach dem Pariser Frieden wurde in Preußen das System der Landwehr (s. d.) eingeführt, das bei Annahme der allgemeinen Wehrpflicht auch in den betreffenden Staaten unter verschiedenen Namen (in Frankreich Territorialarmee) und mit einzelnen Modifikationen adoptiert wurde. Milizheere, von denen nur [Stämme unter den Waffen bleiben, gibt es in der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika. (Vgl. auch Heerwesen Europas.)