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ErdkundeBrockhaus 1882

Hyderabad, richtiger Haiderabad, die Haupt⸗ und Residenzstadt des Dernn änn brit. Vasallenstaats (Nizamgebiet) im Dekan in Vorderindien, liegt unter 17. 22 nördl. Br. und 78˙ 32 östl. L. (von Greenwich), am rechten Ufer des Mussi, eines Nebenflusses des Kistnah, über den seit 1831 eine schöne Granitbrücke führt, und ist von wilden, höchst malerischen Granithöhen umgeben. Die Stadt, von einer Festungsmauer umgeben, welche europ. Belagerungsgeschütz nicht zu widerstehen vermag, hat bedeutenden Umfang, aber meist enge Straßen. Außer den im ind. Stile erbauten Palästen des Nizam und anderer Großen ist noch das großartige Wohngebäude des engl. Residenten bemerkenswert. Von den zahlreichen Moscheen ist eine nach dem Muster der Kaaba zu Mekka gebaute die vornehmste. Auch bestehen zu H. mehrere Hindutempel. H. zählt (1881) 263 005 E., größtenteils Mohammedaner, hat bedeutende Baumwollmanufakturen und Papierfabriken und war früher der Hauptmarkt für Diamanten und Edelsteine, die in dem benachbarten Golkonda (s. d.) geschliffen wurden. In der Nähe der Stadt liegen schöne Gärten und verschiedene künstliche Teiche oder Tanks. An einem der größern Teiche, dem Hussain-Sagar, liegt 7 Km im Norden der Stadt und links am Mussi Sakanderabad oder Iskanderabad, eine brit. Militärstation mit 34357 E. Der Vaakm 9167789 E. Ein anderes H., die Hauptstadt von Sindh, liegt unter 25 22“ nördl. Br. und 68 28 östl. L. (von Greenwich), 29 km von dem östl. Ufer des Indus entfernt, auf einer von diesem und einem Arme desselben, dem Fulaili, gebildeten Insel, auf einer der felsigen Gandscha-⸗Höhen. Die Stadt umfaßt die an der Südseite gelegene Felsenfestung und mehrere Vorstädte mit (1872) zusammen 41 152 C. In der Festung befinden sich der Palast der ehemaligen Emire und ein als Schatzkammer dienender massiver Turm, große Vorratsgebäude, ein Zeughaus, eine Kaserne, eine prot. Kirche, ein Gefängnis u. s. w. Der Bazar, eine lange, durch die ganze Stadt gehende Straße, ist sehr belebt. H. ist seit alter Zeit berühmt durch seine Waffenfabriken und unterhält auch Seide- und Baumwollmanufakturen. Der Handel ist lebhaft nach Multan im Norden, besonders seitdem 1861 die Eisenbahn eröffnet worden, welche von dem westlich gegenüber gelegenen Kotri 185 km weit nach Karatschi (s. d.) im Südwesten zuführt. Etwa 8 km im Norden der Stadt liegt am Fulaili das Dorf Miani, berühmt durch den Sieg von Sir Charles Napier über die Sindh-Armee 17. Febr. 1843, sowie durch einen zweiten Sieg am Fulaili 24. März, welcher dem Staat von Sindh ein Ende machte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 492Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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