FeedHysteron Proteron
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hysteron Proteron (grch., d. h. das Spätere l vorn) heißt eine grammatisch-rhetorische Figur, die z darin besteht, daß Satzteile und die durch sie ausgedrückten Begriffe nicht in ihrer natürlichen oder l᷑ J. der neunte Buchstabe unsers Alphabets, bezeichnet einen Vokal, der mit den e-artigen Lauten à) zu den sog. «weicheno oder cpalataleno Voalen gehört (im Gegensatz zu den nichtpalatalen a‚. o, u). Früher nahm man in der Sprachwissenschaft meistens an, daß die Sprache ursprünglich nur die drei sog. reinen Vokale a, i, u besessen habe, dann wurde also i zu diesen Grundvokalen gerechnet. Die histor. Sprachforschung hat aber gezeigt, daß, wo die Dreiheit a, i, u sich findet (3. B.= im Gotischen), sie erst das Resultat der Vereinfachung einer ursprünglich größern Reihe von Vokalen ist; so haben wir z. B. im Deutschen ein seinem Ursprung nach zwiefaches i, eines gleich ursprünglichen i, das andere gleich ursprünglichem e Hamen. wo im Deutschen einem i in andern ormen oder Ableitungen des Wortes ein a gegenübersteht, ist i aus e entstanden, z. B. in abindeno neben „Bando). Von allen Vokalen übt das i die stärkste Wirkung auf umgebende Laute aus, durch die sog. Epenthese erzeugt es in der vorangehenden Silbe Diphthong oder Umlaut, auf diese Weise entstehen im Deutschen à (e) aus a, 5 aus o, u aus u u. s. w., z. B. aich schlager, odu schlägsto, got. slaha —slahis. In vielen Sprachen wirkt das i stark ein auf die Aussprache der ihm Euhurale Konsonanten, namentlich auch die Gutturale (k, g); so sprachen die Römer kibus (eibus), die Italiener tschibo (cibo). Der Buchstabe i unsers Alphabets ist wie alle unsere Buchstaben aus der lat. Schrift entnommen; da diese aus der ichtigen zeitlichen Anordnung aufgeführt werden, ondern was der natürlichen Anordnung oder Zeit iach an zweiter Stelle stehen sollte, vorangestellt vird; es geschieht dies häufig dann, wenn der in infach logischer Folge zuletzt kommende Begriff für den Sprechenden der wichtigere und deswegen mehr hervorzuhebende ist. Ein Beispiel gibt der Homeische Vers: Beide, nachdem sie erzog und gebar die göttliche Mutter.v

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 517Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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