FeedImmermann (Karl Lebr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Immermann (Karl Lebr.), hervorragender dramatischer Dichter und Romanschriftsteller, geb. 24. April 1796 zu Magdeburg, wo sein Vater Kriegs⸗ und Domänenrat war, besuchte das Gymnasium zu Magdeburg. Seine auf der Universität zu Halle 1813 begonnenen jurist. Studien unterbrach er, indem er in die Reihen der Vaterlandsverteidiger trat; am Nervenfieber erkrankt, konnte er jedoch nur am Feldzuge von 1815 teilnehmen. Nach Halle zurückgekehrt, wurde er in einen unter den dortigen Studenten ausgebrochenen Zwist verwickelt; sein Letztes Wort über die Streitigkeiten der Studierenden in Halles (Lpz. 1817) wurde bei dem Wartburgfest mitverbrannt. Bald darauf trat er als Referendar in Magdeburg in den Staatsdienst, wurde 1819 Auditeur in Münster, 1823 Kriminalrichter in Magdeburg und 1827 Landesgerichtsrat in Düsseldorf, wohin ihm auch die von ihrem Gatten, dem Freikorpsführer von Lützow, geschiedene Gräfin Elisa von Ahlefeldt (s. d.) folgte. Hier übernahm er die Verwaltung des Theaters, welches er zu einer deutschen Musteranstalt zu erheben gedachte. In der That gelang es ihm, aus In Teil schwachen Kräften ein vorzüglich geschultes Ensemble zu bilden. Dennoch scheiterte das Unternehmen und J. trat in seine amtliche Stellung zurück. Beschäftigt mit der Ab—⸗ fassung seiner Memorabilieno (Bd. 1, Hamb. 1840), starb er 25. Aug. 1840. In seinen Trauerspielen tritt das eingehende Studium, das er Shakspeare gewidmet, hervor. Groß in der Anlage, bedeutsam in der Charakteristik, tief in der Gedankenentwickelung, haben sie etwas Herbes und Schroffes. Im allgemeinen sind jedoch seine Trauerspiele, ebenso wie seine Lustspiele, mehr für die Lektüre als für die theatralische Wirkung berechnet. Es erschienen: Die Prinzen von Syrakusv, ein Lustspiel (1821); die drei Trauerspiele: Das Thal von Roncevalo, «Edwino und «Petrarcas (1822); Ein ganz frisch schön Trauerspiel von Pater Brey, dem falschen Propheteno (1822), veranlaßt durch Pustkuchens Wanderjahrev; «König Periandero, ein Trauerspiel (1823); das Lustspiel «Das Auge der Lieber (1824); die Tragödie Cardenio und Celindes (1826); das dramatische Gedicht Trauerspiel in Tirolo; das Trauerspiel Kaiser Friedrich II.5; die Lustspiele „Die Verkleidungen (1828) und «Die Schule der Frommeno (1829); die Trilogie «Alexiso (1832), die tiefsinnig-phantastische Mythe »Merlino (1832) und das Trauerspiel «Ghismonda, oder die Opfer des Schweigens » (1839). Ferner schrieb er den Halbroman «Die Papierfenster eines Eremiten » (1822), (Miscelleno (Stuttg. 1830) und das Reisejournalo (Düsseld. 1833). Auch im Lyrischen, das ihm ferner lag, versuchte er sich in seinen „Gedichtenv (Hamm 1822) und der Neuen Folge» seiner „Gedichter (Stuttg. 1830). Ein drolliges Märchen ist Tulifäntchen (Hamb. 1830; illustriert von Hosemann, Berl. 1861). In eine unerquickliche Fehde mit dem Grafen Platen verwickelt, schrieb er «Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Kavalierv (Hamb. 1829). Seine mannhafte, ernste Gesinnung läßt sich am besten aus dem von E. Schenk herausgegebenen Briefwechsel Mich. Beerso (Lpz. 1837) erkennen. Eine eigentümliche Stellung nimmt J. als Romanschriftsteller ein durch seine «Epigoneno (3 Bde., Düsseld. 1836; 2. Aufl., Berl. 1854), die in der Nachwirkung des Goetheschen Wilhelm Meistery befangen und trotz einzelner Vorzüge keine einheitliche Komposition sind, namentlich aber durch seinen komischen, jedoch auch an ernsten Partien und meisterhaften Schilderungen aus dem westfäl. Dorfleben reichen Münchhauseno (4Bde., Düsseld. 1838—39; 2. Aufl. 1841), einen der besten deutschen Romane. Die Episode daraus: „Der Oberhof v, wurde öfter besonders herausgegeben, illustriert von Vautier (4. Aufl., Berl. 1883). Noch ist hervorzuheben J.s Nachdichtung des Epos (Tristan und Isolder (Düsseld. 1841 und die MMemorabilieno (3 Tle., Hamb. 1840—43). In sorgfältiger Auswahl erschienen seine KGesammelten mit Biographie und Einleitungen von R. Boxberger, 20 Bde., Berl. 1883). Putlitz gab J.s «Theaterbriefer r (Berl. 1851) heraus und veröffentlichte «Karl J. t Sein Leben und seine Werker (2 Bde., Berl. 1870). Vgl. Freiligrath, «Karl J. Blätter der Erinnerung an ihn» (Stuttg. 1842); W. Müller von Königswinter, «Erzählungen eines rhein. Chronisten o (Bd. 1, Lpz. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 549Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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