FeedIndikation (lat.) oder Heilanzeige
HeilkundeBrockhaus 1882

Indikation (lat.) oder Heilanzeige, in der Medizin dasjenige Heilverfahren, welches im gegebenen Krankheitsfalle zur Beseitigung der Krankheit oder der Krankheitserscheinungen erforderlich ist. Man pflegt drei Klassen von Heilanzeigen zu unterscheiden: 1) Die ursächliche Indikation (indicatio causalis), deren Aufgabe ist, die Ursachen des Krankseins zu entfernen und damit das letztere selbst zu beseitigen. Durch . der ursächlichen 0 wird in den meisten Fällen auch die Krankheit behoben; so wird z. B. die Krätkrankheit sicher geheilt, wenn bei ihr die ursächliche J. erfüllt, d. h. die die Krankheit verursachenden Krätzmilben getötet werden. 2) Die wesentliche Indika— tion (indicatio essentialis s. morbi) nimmt den wesentlichsten Prozeß in dem Krankheitsfalle in Angriff, in der Voraussetzung, daß von jenem alle übrigen Störungen abhängen und mit ihm beseitigt werden, kann aber nur verhältnismäßig selten auf eine genügende Weise erfüllt werden. 3) Die symptomatische Indikation (indicatio symptomatica) richtet sich im wesentlichen nur nach den Krankheitserscheinungen und sucht, unbekümmert um das Wesen des Krankheitsprozesses, einzelne, besonders lästige Symptome (Schmerzen, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Durchfall u. dgl.) zu beseitigen oder zu mildern und drohenden Gefahren, die von Nebenumständen abhängen, rechtzeitig entgegenzutreten. Sehr häufig muß der Arzt die symptomatische J. bei plötzlich eintretender Lebensgefahr zu erfüllen suchen; man pflegt in solchen Fallen von einer indicatio vitalis, d. h. von einer Forderung, das Leben zu erhalten, zu sprechen. Bisweilen ist ein Heilmittel oder Heilverfahren aus allgemeinen Gründen wohl angezeigt, aber im gegebenen Fall durch gewisse zufällige oder individuelle Umstände verboten oder kontraindiziert; das nennt man eine Gegenanzeige oder Kontraindikation. So kann z. B. Opium bei heftigen Schmerzen wohl im allgemeinen angezeigt, in einem einzelnen Fall aber durch ein gleichzeitig vorhan— denes Herzleiden durchaus kontraindiziert sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 567Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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