Infanterie oder Fußvolk ist diejenige Truppengattung, welche sowohl ihrer Zahl als Verwendung nach die Hauptwaffe aller europ. Heere bildet. Sie ist am leichtesten zu beschaffen, am wohlfeilsten auszurüsten und zu erhalten, am schnellsten auszubilden, durch ihre Bewaffnung sowohl für das Feuergefecht als den Kampf mit blanker Waffe geschickt; sie kann jedes Terrain, das überhaupt noch militärisch brauchbar ist, benutzen, weil sie in zerstreuter wie in geschlossener Ordnung kämpft; sie hat in sich sowohl das offensive wie das defensive Element und ist aus all diesen Gründen die selbständigste Truppengattung. Die Unterscheidung in Linieninfanterie (schwere J.) und leichte J. hat, seitdem die gesamte J. mit gezogenen weittragenden Gewehren bewaffnet und mit den Jägern und Schützen gleich ausgerüstet worden ist, ihre Berechtigung verloren, sodaß die Benennungen Grenadiere, Füsiliere, Musketiere lediglich histor. Reminiszenzen dienen. Schon Napoleon I. verlangte nur eine R aber eine gute. Die heutige Taktik der J. verlangt eine zweckmä-Fc Verbindung der geschlossenen und zerstreuten chtart bei Beweglichkeit und steter Benutzung des Terrains. Wegen des verheerenden Feuers der neuern Wafsfen kann sich die J. nicht mehr wie früher in größern geschlossenen Kolonnen, sondern nur in Kompagniekolonnen, in Linie oder in zerstreuter Ordnung auf dem Kampfplatze bewegen, muß jegliche Deckung ausnutzen und freie Ebenen in sprungweisem Anlaufe zu überschreiten suchen. Die J., als die natürlichste Truppengattung, ist auch die älteste. Sie bildete schon die eigentliche Kriegsmacht in den Heeren der Griechen und Römer. Im Mittelalter, wo der Lehnsdienst zu Pferde die Reiterei mehr hervortreten ließ, wurde das Fußvolk eine Zeit lang vernachlässigt. Seit Einfuhrung der Feuerwaffen hat es jedoch wieder die Stelle eingenommen, die ihm gebührt. Der Name J., vom span. infante (lat. inkans, unmündig), d. i. Knabe, Knecht (wie auch die deutschen Fußtruppen Knechte hießen), kommt zuerst im 15. Jahrh. vor. Das neuerrichtete regelmäßige Fußvolk der Spanier wurde damals infanteria de la ordenanza genannt; der Name ging dann zu den andern Heeren uber. Vgl. Rüstow, „Geschichte der J.» (2. Ausg., 2 Bde., Nordhaus. 1864). Zusauteriekuepe,j s. Kartätschgeschütz. ufanteriekorps, s. unter Armeekorps.