FeedInfarkt
HeilkundeBrockhaus 1882

Infarkt (infarctus, emphraxis) bezeichnet in der ärztlichen Sprache eine Vollstopfung der Kanäle des menschlichen Körpers, sodaß deren (mehr oder weniger fester) Inhalt, anstatt der Regel gemäß weiter zu rücken, stockt, sich anhäuft und anderweit verändert. So versteht man unter J. Anhäufungen von Salzen (Harnsäure,‚ Kalk u. dgl.) innerhalb der Harnkanälchen, weiterhin Anhäufungen von Kotmassen, namentlich groben, unverdaulichen Speiseresten (Salatblättern, Sehnen u. s. w.), im Darmkanal. In der Geschichte der Medizin spielt die von dem hess. Leibarzt Johann Kämpf (1750) begründete Lehre von den J. des Darms, wonach alle Krankheiten auf der Zurückhaltung eingedickter, innerhalb des Darmkanals zersetzter Rolle. Die neuere Medizin bedient sich jedoch des Ausdrucks J. (frz. engorgement) hauptsächlich von den Anschoppungen (Stauungen) des Blutes innerhalb der Gewebe. Der hämorrhagische oder hämoptoische Infarkt oder Blutknoten entsteht durch plötzlichen Verschluß der blutzuführenden Arterien eines Organteils (s. Embolie), wobei das Blut infolge der eingetretenen Stauung allmählich aus den feinsten Gefäßen aussickert, sich zwischen die Gewebselemente ergießt und so bohnen⸗ bis walnußgroße, dunkelrote, derbe Knoten von keilförmiger Gestalt bildet, welche entweder allmählich durch Aufsaugung wieder verschwinden oder in brandige Erweichung übergehen und dadurch den Tod herbeiführen können. Am häufigsten finden sich die hämorrhagischen J. in den Lungen, der Milz und den Nieren, wo sie sehr verschiedenartige, oft schwer zu deutende Symptome bilden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 591Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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