FeedInfinitiv
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Infinitiv (lat.) nennt man eine Form des Verbums, die nach den Resultaten der vergleichenden Grammatik ursprünglich nicht zum Formensystem des Verbums gehört, sondern der Casus eines Substantivs ist, ursprünglich also auch die Handlung abstrakt ohne Beziehung auf eine Person oder auf eine bestimmte Zeit ausdrückt. Die indogerman. Ursprache besaß erst die Anfänge dieser Bildung, in den jüngern Entwickelungsstufen der einzelnen Sprachen hat sie aber große Ausdehnung und sehr mannigfaltige Verwendung gefunden. über die Form des J. läßt sich nichts Allgemeines aussagen, da zu dieser Bildung verschiedenartig gebildete Substantive und verschiedene Casus verwendet wurden. Derartige Casus sind im Laufe der Zeit erstarrt, die eigentliche Bedeutung verloren gegangen, dadurch der J. von der Nominalflexion losgelöst und enger mit dem Verbum verbunden, sodaß derselbe als eine Verbalform erscheint und der Konjugation des Verbums zugerechnet wird. Die weitere Ausbildung dieser grammatischen Kategorie führt dazu, daß der J. an verbalen Eigentümlichkeiten, z. B. der Bezeichnung des Tempus, des Passivums (lat. inf. praes. legere, inf. perf. legisse, inf. pass. legi) partizipiert, was aber nicht in allen Sprachen der Fall ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 592Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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