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AllerleiBrockhaus 1882

Institut de France (Institut von Frankreich), die höchste offizielle Körperschaft für Wissenschaft und Kunst in Frankreich, ist, nach der heutigen Gestaltung, der Gesamtname für die fünf Akademien: Académie frangaise, Académie des inscriptions et belles-lettres, Académie des sciences, Académie des beaux-arts und Académie des sciences morales et politiques. Jedes Mitglied einer dieser fünf Akademien heißt Membre de PInstitut de France. Nachdem durch ein Dekret des Konvents vom 8. Aug. 1793 die drei zuerst genannten Akademien, sowie die Académie de peinture et de sculpture und die Académie d'architecture aufgehoben waren, beschloß das Direktorium durch ein Gesetz vom 25. Okt. 1795 die alten Gesellschaften durch eine neue zu ersetzen, die den Namen Institut national des sciences et des arts führen sollte. Dasselbe zerfiel in drei Klassen: Classe des sciences physiques et mathématiques (60 Mitglieder), Classe des sciences morales et politiques (60 Mitglieder), Classe des littérature et beaux- arts (48 Mitglieder), also im ganzen 144 Mitglieder in 24 Sektionen. Bonaparte, der selbst Mitglied des Instituts war und diese Ehre Kde hoch schätzte, bildete 1802 eine Kommission, auf deren Gutachten das Nationalinstitut 23. Jan. 1803 eine neue Einrichtung und vier Klassen erhielt: die erste für die mathematischen und Naturwissenschaften; die zweite für franz. Sprache und Litteratur, die dritte r Geschichte und alte Litteratur, die vierte endlich für die schöne Kunst. Bezeichnend für seinen Charakter ist, daß er die Classe des sciences morales et politiques, d. i. Philosophie, Geschichte, Jurisprudenz, Staatsökonomie und sogar Geographie, unterdrückte; er lehnte also sich der alten Organisation der Akademien an, indem er nun die beiden Kunstakademien in eine einzige Klasse verschmolz. Nach der Wiederherstellung des Königtums gab Ludwig XVIII. durch Ordonnanz vom 21. März 1816 diesen vier Klassen den Namen Akademie wieder, aber bestimmte in dieser Akte auch deren Zusammensetzung, indem er alle mißliebigen Mitglieder ausschloß und durch neue Akademiker ersetzte. Der Name Institut, ohne Zusatz, wurde beibehalten und es bestand aus folgenden Alademien: Académie française, Académie des inscriptions et belleslettres, Académie des sciences, Académie des beaux-arts. Durch Ordonnanz vom 26. Okt. 1832 wurde die 1803 eingegangene Klasse für die moralischen und polit. Wissenschaften, die Académie des sciences morales et politiques, als eine fünfte Akademie mit zuerst nur 30 Mitgliedern wiederhergestellt. Die Académie française, welche noch immer ihre ursprünglichen Statuten besitzt und aus 40 Mitgliedern besteht, hat die Bestimmung, die Sprache zu reinigen und festzustellen, die Schwierigkeiten derselben zu erläutern und den Charakter und die Grundsätze derselben aufrecht zu erhalten. Raat gewöhnlichen Arbeiten bestehen daher in Deatten über alles, was auf Grammatik, Rhetorik und Poetik Bezug hat; ferner in kritischen Bemerkungen über die Vorzüge und Mängel der franz. Schriftsteller und in Vorarbeiten für Musteraus-Afaß von franz. Klassikern und besonders für die bfassung eines Wörterbuchs, welches bei linguistischen Streitigkeiten die höchste Instanz vertritt. Die Académie des inscriptions et belles-lettres trägt den Namen der alten seit dem 16. Juli 1701 bestehenden Körperschaft, die 1663 gegründet wurde, nicht um Inschriften zu erklären, Dandenn um dieselbe für Ludwig XIV. zu machen. Sie entstand aus einer Kommission von vier Mitgliedern der Académie française, und hieß La petite Acadeèmie. Ihre Aufgabe wurde bald diejenige, die sie noch heute ist, sich vorzugsweise mit der Geschichte und Altertumswisenschast, mit dem tritischen und philol. Studium der Sprachen des klassischen Altertums, des Morgenlandes und Mittelalters, zu beschäftigen, sowie mit der Erläuterung der Urkunden und Quellen für die Geschichte, Insdeiondere Frankreichs. Unter den von ihr herausgegebenen Werken sind außer den Mémoiresv noch besonders hervorzuheben die Collection de: notices et extraits des manuscrits de la bibliothèque royale et d'autres bibliothèques publiqueso und die große, von den Benediktinern der Kongregation von St.⸗Maur begonnene «Histoire littéraire de la France v. Sie besteht aus 40 ordentlichen, 10 freien Mitgliedern (Membres libres) 8 Associés étrangers, die das Recht haben, sich Membres de IInstitut zu nennen, und 50 ½½ denten. Wie die Französische Akademie, hat sie keine Sektionen. Die Académie des sciences zerfällt in 11 Sektionen (Geometrie, Mechanik, Astronomie, Geo-Rundie und Schiffahrt, allgemeine Physik, Chemie, ineralogie, Botanik, Okonomie, Anatomie und Zoologie, Medizin und Chirurgie) mit zusammen 66 enden Selr 10 freien Mitgliedern, 2 immerwährenden Sekretären (78 Mitgliedern), 8 fremden Associés, 100 Korrespondenten. Sie ist die Fortsetzung der berühmten von Colbert 1666 gestifteten alten gleichnamigen Gesellschaft. Sie gibt heraus: die Protokolle ihrer Sitzungen, 2) die Sammlung er Mémoires, 3) eine Sammlung der von verschiedenen Gelehrten überreichten Memoires. Die Académie des beaux-arts ersetzt die vom Maler Lebrun 1648 gestiftete, 1655 patentierte, und 1664 von Colbert eingerichtete Académie de peinture et de sculpture, sowie die von demselben Staatsmann 1671 gestiftete Académie d'architecture. Sie besteht aus 5 Sektionen mit 40 ordentlichen, ferner 10 freien Mitgliedern, 1 Secrétaire perpétuel (51) und 10 Associés étrangers, sowie aus einer unbestimmten Zahl von Korrespondenten. Ihr liegt es besonders ob, die Aufgaben zu stellen, die Programme abzufassen und als Schiedsrichter aufzutreten für die jährlichen Prix de Rome in der Malerei, Bildhauerei, Baukunst, Kupferstecherei und musikalischen Komposition; die ersten Preisträger werden Zöglinge der franz. Académie de Rome. Sie gibt unter andern das Dictionnaire général des beaux-artso heraus. Die Académie des sciences moraleset politiques zählt laut Dekret vom 15. April 1855 40 ordentliche, 6 freie Mitglieder, 1 Seerétaire perpeétuel (47 Mitglieder), 6auswärtige und 45 Korrespondenten und zerfällt in 6 Sektionen: Philosophie; Moral; Gesetzgebung, Staatsrecht und Jurisprudenz; Nationalökonomie und Statistik; allgemeine Geschichte und Geschichtsphilosophie; Politik, Administration und Finanzen. Es gibt somit 266 franz. und 22 fremde Mitglieder des Institut de France. Jede dieser fünf Akademien bildet eine Körperschaft für sich; eine jede hat ihre wöchentliche und ihre Jahressitzung, jede einen oder auch zwei ständige Sekretäre. Doch bildet der Komplex wiederum eine besondere Korporation, deren Interessen durch bestimmte, aus den fünf Akademien gebildete Kommissionen überwacht werden. Das Institut de France hat vier trimestrielle und eine feierliche Jahressitzung am 25. Okt. Die ordentlichen Mitglieder erhalten 1200 Frs. Indemnität und Präsenzgelder, die freien Mitglieder nur die letztern; sie tragen bei feierlicher Gelegenheit eine Uniform (schwarz mit grüner Stickerei), zu deren Anlegung auch die auswärtigen Mitglieder befugt sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 626Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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