FeedJodkalium
NaturlehreBrockhaus 1882

Jodkalium und Kohlensäure. b) Überiodsäure, Hyperiodsäure. Die der Überchlorsäure entsprechende Überiodsäure (0,)0H läßt sich nur auf Umwegen Wuber ein Anhydrid derselben existiert nicht, wohl aber tritt sie mit verschiedenem Sättigungsvermögen und in verschiedenen Kondensationszu tänden auf; es sind mit Sicherheit sechs solcher Säuren nachgewiesen. Wasser ungemein leicht lösliches Gas, entsteht wie die Bromwasserstoffsäure durch Einwirkung von Wasser auf Jodphosphor. Für alle Verwendungen stellt man die wässerige Lösung nach Pettenkofers Verfahren dar: In einer Porzellanschale wird 1 Teil gewöhnlicher Phosphor mit 24 Teilen Wasser von 60—704 übergossen und unter Umrühren mit 2 Teilen J. vermischt; hat sich dies gelöst, so wird der größere Teil der Flüssigkeit von dem Phosphor abgegossen und in ein Gefäß gebracht, worin 14 Teile J. sich befinden. Von diesem löst sich ein Teil in der entstandenen Jodwasserstoffsäure zu einer braunen Flüssigkeit, die wieder zu dem Phosphor gegossen wird. Der Phosphor entfärbt die Weahtel sofort und es wird dann die Flüssigkeit abwechselnd mit dem J. und dem Phosphor zusammengebracht, bis alles J. gelöst ist. Endlich wird die Flüssigkeit destilliert, wobei eine wässerige Säure mit einem Gehalt von annähernd 40 Proz. Jodwasserstoff übergeht, während in der Retorte ein Rückstand verbleibt, der im wesentlichen aus Phosphorsäure besteht. Die wässerige Jodwasserstoffsäure ist eine farblose Flüssigkeit von scharfsaurer Beschaffenheit; verdampft man die verdünnte Säure, so konzentriert sie sich mehr und mehr, bis ihr Siedepunkt auf 127² C. gestiegen ist; bei letzterer Temperatur destilliert eine Säure von 1,1“spezifischem Gewicht mit einem Gehalt von 57 Proz. Jodwasserstoff. Alle Oxydationsmittel zersetzen die Jodwasserstofffäure sehr leicht unter Abscheidung von J.; in lufthaltigen Gefäßen aufbewahrt, besonders unter Einwirkung des Lichts, färbt sie sich durch Oxyda— tion des Wasserstoffs braun von freigewordenem J. Jodwasserstoffsäure findet vielfache Verwendung teils zur Darstellung von Jodverbindungen, teils bei der Darstellung organischer Verbindungen. 3) Chloriod. Beide Elemente geben zwei Verbindungen: a) Jodchlorür, einfach Chloriod 101, entsteht, wenn man Chlorgas so lange auf trockenes wirken läßt, bis dieses flüssig geworden ist; die braune Flüssigkeit erstarrt in der Kälte zu Krystallen, die nicht ohne Zersetzung in Wasser löslich sind. b) Jodchlorid, dreifach Chloriod 1013, entsteht durch anhaltende Einwirkung von trockenem Chlor 1 trockenes, erwärmtes J. als bei 257 schmelzende, unverändert flüchtige, in Wasser ohne Zersetzung zu erleidende lösliche Krystalle. 4) Jodphosphor, als Phosphoriodür PI und Phosphoriodid PIa bekannt, von denen nur letzteres weitere Bedeutung hat. Das Jodid erhält man, indem man 31 Teile Phosphor in trockenem Schwefelkohlenstoff löst und nach und nach 381 Teile J. zufügt. Durch Destillation wird der größere Teil des Schwefelkohlenstoffs entfernt, worauf das Jodid in großen roten Krystallblättern sich ausscheidet. 5) Jodstickstoff NIs, höchst gefährliche, leicht äußerst heftig explodierende Substanz, welche als schwarzer Niederschlag beim Vermischen von alkoholischer Jodlösung mit konzentriertem Ammoniak erhalten wird; darf niemals getrocknet werden, weil die geringste Erschütterung, das Herabfallen eines Luftstäubchens ihn zur Explosion bringt. Die weitern Verbindungen mit den Metallen s. bei den einzelnen Metallen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 647Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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