FeedJon von Chios
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Jon von Chios, griech. Schriftsteller, aus einem reichen und angesehenen Geschlecht, brachte den größten Teil seines Lebens teils in Athen, teils auf Reisen zu. Im J. 478 v. Chr. kam er als junger Mann zuerst nach Athen, wo er, wohl kurz vor 422, auch gestorben ist. Er fand in dem Kreise des Kimon, sowie hernach in dem des Perikles Aufnahme und war mit Äschylus wie mit Sophokles persönlich bekannt. J. war selbst schriftstellerisch vielfach thätig, als Dichter wie in Prosa. In ion. Prosa verfaßte er namentlich Erinnerungeno, in welchen er vorzugsweise seine Erlebnisse von den fremden Orten, welche er aufsuchte, beschrieb, und die bei seiner ausgebreiteten Bekanntschaft mit bedeutenden Männern eine wichtige Quelle für die Historiker geworden sind. Als Dichter war J. in den verschiedensten Gattungen der lyrischen Poesie mit Auszeichnung thätig; insbesondere dichtete er Elegien und Dithyramben. Eine Sammlung der sämtlichen erhaltenen Bruchstücke gibt es nicht; die prosaischen stehen im?. Bande der Fragmenta historicorumo von Müller, die aus den Tragödien in den Poetae tragicio von Nauck, die lyrischen im 2. Bande der Poetae lyricio von Bergk (4. Aufl., Lpz. 1882). Jona (spr. Cionä), irisch IJcolmkill, im Mittelalter auch Eona, Hyona und Hy, kleine Hebrideninsel, zur schott. Grafschaft Argyle gehörig und nahe vor der Südwestecke der Insel Mull gelegen, ist nur 28 qkm groß und von 250 Menschen bewohnt, aber als Heimatsstätte alter Civilisation berühmt. Schon zur Zeit der Druiden war sie heilig und sollte bei der allgemeinen Überflutung der Welt allein nicht verschlungen werden. Dorthin kam 565 aus Irland der heil. Columba, gründete ein Kloster und wurde Apostel der Pikten. Er starb 595. Nach ihm erhielt das Eiland den Namen J Columbkill, d. h. Insel Columbas Zelle. Die Klosterschule von J. blieb bis zur Resormation eine berühmte, von den vornehmsten Schotten besuchte Lehranstalt mit reicher Bibliothek. Noch sieht man die Ruinen einer Kathedrale, eines Mönchs⸗ und eines Nonnenklosters und einer Kapelle des heil. Oran, eines Genossen Columbas, auf dem Kirchhof. Die Kapelle ist das älteste dieser Denkmale, nur 12 mlang und 6 mbreit und in kunstlosem Stile gebaut, wahrscheinlich norweg. Ursprungs. Die Kathedrale, gegen Ende des 11. Jahrh. erbaut, bildet ein Kreuz von 49 m Länge und 7m Breite; ihr viereckiger Turm hat noch die Höhe von 21½3 m. Nach der Tradition sind hier 48 schottische, 4 isländische, 8 norweg. Könige und ein König von Frankreich begraben. JI. wird nebst Staffa (s. d.) viel von Touristen von Oban aus besucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 650Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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