FeedHesiod (Hesiödos)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hesiod (Hesiödos), griech. Dichter des 9. oder 8. Jahrh. v. Chr., gebürtig aus Askra in Böotien, wohin sein Vater aus Kyme in Kleinasien eingewandert war, scheint, soviel sich aus den Sagen und mangelhaften Nachrichten über sein Leben ergibt, der Stifter oder das Haupt einer neuen Dichterschule gewesen zu sein, welche, im Unterschied von der Homerischen, einen didaktischen Charakter hatte. Eine Sage, die namentlich in einem eigenen Schriftchen aus späterer Zeit überliefert ist, ließ zu Chalkis einen poetischen Wettkampf zwischen Homer und H. stattfinden. H. soll im Heiligtum des Zeus Nemeios bei Naupaktos in Lokris einen gewaltsamen Tod gefunden haben, seine Gebeine aber nach dem böotischen Orchomenos, wo man noch in später Zeit sein Grab zeigte, gebracht worden sein. Unter den unter seinem Namen noch vorhandenen Dichtungen nimmt in Hinsicht der Bedeutsamkeit für die griech. Litteratur die Theogonie » die erste Stelle ein, eine Zusammenstellung der frühesten Mythen und Spekulationen über die Abstammung der Götter und die Entstehung der Welt (Kosmogonie). Doch ist das Werk gewiß nicht von Einem Dichter verfaßt, sondern entweder geradezu als ein Aggregat aus verschiedenen Gedichten oder Bruchstücken von Gedichten oder wenigstens als ein mit Benutzung älterer Dichtungen komponiertes und nachmals erweitertes und vermehrtes Werk anzusehen. Vgl. Schömann, «Die H.sche Theogonie v (Berl. 1868); Flach, System der H.schen Theogonie v (Lpz. 1874). An poetischem Gehalt wird dieses Gedicht durch ein zweites, mehr didaktisches, KWerke und Tage v betitelt, übertroffen, welches nicht nur Vorschriften über die Landwirtschaft, sondern auch Regeln der Lebensklugheit, über Erziehung, Hauswesen u. s. w. enthält. Dasselbe rührt in seinen Hauptteilen gewiß von H. selbst her, der darin mehrfach seinen Bruder Perses anredet, ist aber ebenfalls mit fremden Bestandteilen versetzt. Unter den übrigen, dem H. beigelegten, aber nur in Bruchstücken erhaltenen Dichtungen sind die bedeutendsten der «Katalog der Fraueno in drei Büchern und die Cöeno in einem oder in zwei Büchern, welche mit dem Katalog zu einem Werke verbunden worden sind. Von diesem Werk ist ein größeres Bruchstück auf uns gekommen, welches einem selbständigen Gedicht von zweifelhafter Autorschaft, «Der Schild des Herakleso, vorgesetzt ist. Gesamtausgaben der Gedichte und Fragmente lieferten Göttling (2. Aufl., Gotha 1844; 3. Aufl., herausg. von Flach, Lpz. 1878), Lehrs (zusammen mit den Fragmenten anderer Epiker, Par. 1840), Schömann (Lpz. 1869), Köchly (1870) und Flach (Berl. 1878). Von den zahlreichen Bearbeitungen der einzelnen Gedichte sind zu nennen die der Theogoniev von Gerhard (Berl. 1856), Welcker (Elberf. 1865), Schömann (Berl. 1868), Flach (1873), der Werke und Tagev von Vollbehr (Kiel 1844) und Lennep (Amsterd. 1844), des „Schildes des Herakleso von Fr. Ranke (Quedlinb. 1840). Eine Sammlung der Bruch— stücke des H. und einiger anderer Epiker (Eumelos, Kinäthon, Asios) hat Markscheffel (Lpz. 1840) veröffentlicht. Unter den deutschen Übersetzungen des H. sind die von J. H. Voß (nebst der Argonautika des sog. Orpheus, Heidelb. 1806), aus neuerer Zeit die von Eydt, Gebhardt und Uschner (Berl. 1865) hervorzuheben. Vgl. Schömanns in den 40puscusa academica v (2 Bde., Berl. 1857 gesammelte Arbeiten über H.; Steitz, «Die Werke und Tage des H.v (Lpz. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 177Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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