FeedIranische
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Iranische Sprachen nennt man nach ihrer Heimat eine der acht Familien des indogerman. Sprachstammes, welche mit der ind. Gruppe zunächst verwandt ist und von mehrern Sprachforschern auch nach dem bekanntesten Idiom derselben die persische genannt wird. Die beiden ältesten bekannten iranischen Sprachen sind das Altpersische und Altbaktrische. Das Altpersische, die Sprache der alten Arier in Persien und Medien und das Idiom der achämenidischen Könige, war vor der Entzifferung der in dieser Sprache geschriebenen Keilschriften von Bisutun und Persepolis vollständig unbekannt. Diese Dokumente sind die einzigen überbleibsel der Sprache der alten Perser, die diese selbst die arische nannten. Das Altbaktrische, gewöhnlich Zend (s. d.) genannt, ist die Sprache, in welcher das sog. Zendavesta (s. d.), die heiligen Schriften der Parsen, abgefaßt ist. Unter mi tteliranischen Sprachen versteht man die namentlich in den Kommentaren zu den Zendschriften erhaltenen Sprachen des Huzväresch oder Pehlewi und des Parsi (fälschlich auch Päzend genannt), welches leßtere dem Neupersischen schon ziemlich nahe steht. Auch die Mundart der sog. Pehlewi-Münzen, wie der Inschriften aus der Zeit der Sasanidenherrschaft gehören Syrach Die wichtigste unter den neuiranischen Sprachen ist die Persische Sprache (s. d.), welche eine sehr reiche und gefeierte Litteratur entwickelt hat und als geläuterte Schriftsprache (Deri, d. h. Hofsprache) den nur erst teilweise näher bekannten Volksmundarten der einzelnen Provinzen (Talysch, Ghilek, Masenderani, Tat u. s. w.) gegenübersteht. Eigene Nebenstämme der iranischen Sprachen bilden einerseits das Afghanische oder Pashtu (Pakhtu, s. d.) und Balutschische, andererseits die Mundarten der Kurden (s. d.). Die ganz isolierten Osseten im Kaukasus sprechen auch eine iranische Mundart. Eine der alte Abzweigung vom iranischen Stocke bildet das Armenische, welches zwar entschieden der iranischen Sprachfamilie zugehört, aber manche eigentümliche Elemente enthält. Die philol. Erforschung der ältern iranischen Sprachen beginnt erst mit dem Ende des dritten Jahrzehnts des 19. Jahrh. Unter den Deutschen haben sich um dieselbe namentlich Olshausen, Lassen, Bopp, Herm. Brockhaus, Windischmann, Oppert, Haug, Spiegel, F. Müller, Jos. Müller, Justi, Roth, Bartholomae, Hübschmann u. a., unter den Franzosen Burnouf, Hovelacque, Darmesteter, unter den Dänen Westergaard, unter den Engländern Rawlinson, Thomas verdient gemacht. (Über die Litteratur der neuiranischen Sprachen vgl. die besondern Artikel.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 656Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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