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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Jrische Susten s. unter Spitzen. risches System (Haftsystem), s. unter Gefängniswesen, Bd. VII, S. 638. risch-römisches Bad, ein Schwitzbad in heißer, tvockener Luft. Derartige Badeanstalten waren schon in frühester Zeit bei mehrern orient. Völkern, bei Agyptern, Chaldäern und Phöniziern beliebt. Die Römer, welche sie hier kennen lernten, führten sie überall ein, wohin sie kamen, in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland u. s. w.; sie verwendeten in Rom selbst ungeheure Summen auf jene großartigen Thermenv, welche in riesenhaften Verhältnissen und mit glänzender Ausstattung namentlich Antoninus, Caracalla, Diocletian u. g. errichteten. (S. Bad.) Auch in Griechenland hatten die Römer dergleichen Badeinstitute hergestellt, welche später die Türken in Konstantinopel vorfanden und bald als atürkischer Bäder fast über den ganzen Orient verbreiteten. Auf Anregung des engl. Politikers Urquhart, der diese öffentlichen Bäder in der Türkei kennen gelernt hatte, wurden 1856 in Irland durch den Dr. Rich. Barter in St.⸗Ann's-Hill bei Cork derartige, mit wesentlichen Verbesserungen, insbesondere einem gut regulierten Ventilationssystem versehene heiße Luftbäder errichtet, und kamen bald in Engand sowie in Deutschland, wo 1860 Dr. Luther in Nudersdorf bei Wittenberg das erste airisch-röm. Bado gründete, als kräftiges und wertvolles Heilmittel ganz allgemein in olche AstG sodaß jetzt fast jede größere Stadt eine solche Anstalt besitzt. Das irisch-röm. Bad ist keineswegs ein einfaches Bad, sondern schließt in einer gewissen Reihenfolge alle gewöhnlichen Bäder in sich ein. Kalte und warme Luft, warmes und kaltes Wasser, regelrechtes Massiren (Kneten) u. s. w. gehören sämtlich als wesentliche Hilfsmittel zu diesem Bade. Wenigstens drei Zimmer mit besondern Einrichtungen sind erforderlich, um die sich aneinanderreihenden Manipulationen vorzunehmen. Auch schon die Römer hatten hierzu ihr Frigidarium (das Zimmer zum Entkleiden), das Tepidarium (das Zimmer zur Vorbereitung mit mäßigem Wärmegrad der Luft), das Sudatorium als eigentliches Schwitzzimmer mit höherm Hitzegrad, und schließlich das Lavacrum, wo Abwaschungen mit lauem Wasser, kalte Bäder und Gleinreibungen gebraucht wurden. Bei den Badeeinrichtungen kommt es vor allem darauf an, der Luft in den Räumen, in welchen gebadet werden soll, den gehörigen Wärmegrad zu geben. Zu diesem Zwecke tritt die vom Feuerherde emporsteigende erhitzte Luft in einen aus Mauersteinen bestehenden Kanal, welcher unter dem Fußboden der Badezimmer hinläuft, dann unmittelbar in eine weite Thonröhre übergeht, die gleichfalls in Windungen unter dem Fußboden, doch auch in den Seitenwänden des Zimmers hinläuft, bis sie endlich in den Schornstein ausmündet. Der über diesem Wärmekanal liegende Fußboden der beiden eigentlichen Badezimmer besteht aus 8 em dicken durchlöcherten Thonplatten. So teilt sich denn die Wärme der im Kanal hinstreichenden Luft durch Ausstrahlung auch dem Fußboden, den Wänden und dem Luftinhalte der Badezimmer mit. Das eine der letztern, das Tepidarium, liegt etwas ferner vom Feuerherde, zeigt stets eine Luftwärme von + 36 bis 37² R. und dient dazu, daß der Badende völlig entkleidet in ihm ganz ruhig so lange verweilt, bis der hervorbrechende Schweiß Tropfen zu bilden beginnt, d. h. nach Verschiedenheit der Konstitution des Badenden etwa 25—40 Minuten. Nunmehr begibt sich der Badende in das unmittelbar daneben, gerade über dem Feuerherd liegende Sudatorium, in welchem die Luftwärme beständig etwa + 45 R. beträgt. Hier bleibt er so lange, bis der Schweiß auf der Haut reichlich herabrieselt, d. h. etwa 12—18 Minuten. Die Güte und Reinheit der erhitzten Luft wird dadurch gleichmäßig erhalten, daß die Zimmerluft mit der äußern Atmosphäre in doppelter Weise in Verbindung steht: einmal durch ein an der obersten Stelle der Zimmerdecke befindliches, nach außen mündendes Abzugsrohr, welches die un Badezimmer sich anhäufenden Dünste gleichmäßig abführt, und dann durch ein in der einen Zimmerwand etwa Im über dem ußboden befindliches Zugangsrohr. Beide Rohre baben Vorrichtungen zum Offnen und Abschließen. Sobald der Badende im Sudatorium in genügenden Schweiß versetzt worden ist, reibt der Badediener den Schweiß am ganzen Körper mittels eines wollenen Fausthandschuhs ab und knetet dann etwa 4—6 Minuten lang alle Muskeln des Körpers tüchtig durch. Hierauf tritt der Badende in das benachbarte, nicht erwärmte Lavacrum, wo ihn der Badediener sofort vom Scheitel aus mit meehrern Liter lauwarmen Wassers übergießt, darauf am ganzen Körper tüchtig abseift und abermals zur Entfernung der Seife entweder mit lauem Wasser oder mit einer kalten Brause oder Douche uberschüttet. So abgekühlt und gereinigt, geht man zu dem Zimmer zurück, in dem man sich ausgekleidet hatte (Fri idarium), und lagert sich zu behaglicher Ruhe ——8 einer Matratze, die so eingerichtet ist, daß alle Glieder des Körpers in bequemster Stellung verharren. Hierdurch wird dem Ausbruche eines zweiten Schweißes vorgebeugt und der Haut die natürliche Spannkraft (Tonus) wiedergegeben, die durch das vorausgehende Schwitzen einigermaßen beeinträchtigt wurde. Die Wirkung des irisch⸗-röm. Bades sowohl auf den gesunden als auf den kranken Körper ist ohne Frage eine ganz außerordentliche, indem es aus rein physik. Ursachen den Schweiß leichter und kräftiger fördert, als selbst das russ. Dampfbad. Denn je trockener die Luft ist, um so begieriger und rascher löst sie alles Wasser, welches in ihre Nähe kommt, in Wasserdampf auf. Daher wird auch die wasserarme Luft des irisch-röm. Bades dem Körper des Badenden Wasserdampf in Form von Schweiß weit schneller und reichlicher entziehen, als die schon von Wasserdämpfen hinreichend gesättigte Luft des russ. Bades. In der That verliert der Körper im irisch-röm. Bad gewöhnlich 2—5Pfd. an Gewicht. Als kräftig schweißtreibendes Mittel gehört also das irisch-röm. Bad zu denjenigen Kurmethoden, welche den Stoffwechsel des Körpers energisch anregen. Der größte Vorzug des röm. Bades besteht aber darin, daß es mehr als irgend ein anderes diätetisches Hilfsmittel die Oberhaut des ganzen Körpers, soweit sie schon verbraucht ist, gründlich beseitigt, dazu aber auch kräftiger als irgend ein anderes Mittel die Hautthätigkeit anregt und wiederum die Haut setbst abhärtet und unempfindlich gegen äußere Erkältung macht. Emfohlen wird das irisch-röm. Bad zu Heilzwecken owohl gegen chronische Hautausschläge, insbesondere Flechten, als auch gegen gewisse Blutkrankheiten, chronische Metallvergiftungen, vor allem aber gegen Gicht und Rheumatismus, sowie bei den durch diese Krankheiten erzeugten Lähmungen, Kontrakturen, Anschwellungen u. s. w. Als rein diätetisches, Krankheiten vorbeugendes und gleichsam belebendes Mittel paßt es im allgemeinen für Personen, die eine sitzende Lebensweise führen. Unbedingt nachteilig wirkt es dagegen bei Neigung zu .„ ag, Blutspeien und Herzfehlern, bei Krebs, Tuberkulose und Rückenmarksleiden. Vgl. „Bemerkungen über das altröm. Bad in seiner verbesserten Formo (Dessau 1860); Wilson, The Eastern or Turkish batho (Lond. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 660Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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