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GeschichteBrockhaus 1882

Illy, Kirchdorf im franz. Depart. Ardennes, 5 Em nordöstlich von der Festung Sedan (s. d.), wurde geschichtlich denkwürdig durch die Schlacht bei Sedan am 1. Sept. 1870. Auf der Hochfläche sudwestlich von J. vereinigte sich der rechte Flügel des von Villers Cernay vordringenden preuß. Gardekorps nachmittags um 2 Uhr mit dem linten Flügel des von St. Monges anrückenden preuß. 11. Armeekorps. Damit war die Einschließung des franz. Heeres vollendet und der Ausgang der Schlacht entschieden. Osterreichisch-Ungarischen Monarchie gehöriges Königreich, grenzt im N. an Salzburg und Steiermark, im O. an Kroatien und das Adriatische Meer, im S. an dasselbe Meer, im W. an Italien und Tirol, und enthält auf 28327 qkm (1880) 1477907 flaw., deutsche und (einschließlich der friaulischen) ital., meist kath. E. Es zerfällt seit 1849 in drei, fünf Kronländer umfassende Verwaltungsgebiete: das Herzogtum Kärnten (s. d.), das Herzogtum Krain (s. d.) und das Küstenland, d. i. die gefürstete Grafschaft Görz und Gradiska (. d.), nebst der Markgrafschaft Istrien (s. d.) und der reichsunmittelbaren Stadt Triest (s. d.) samt Gebiet. Das Land ist nach den alten Illyriern (. d.) benannt. Der südl. Teil bis zum Flusse Drilon (jetzt Drina) wurde an der Küste von korinth.⸗ corcyräischen Kolonien besetzt, seit Philipp II. und Alexander zeitweise mit Macedonien verbunden und von den Römern IIlyris Graeca genannt. Nördlich davon lag IIlyris Barbara bis zum Flusse Arsia (ietzt Arsa) in Istrien, in Japydia, Liburnia und Dalmatia eingeteilt. Seeräuberei war ein Haupterwerbszweig der ⁷m deren Könige deshalb mit den Römern schon früh in Streitigkeiten verwickelt wurden, welche endlich die Besiegung der Königin Teuta 228 v. Chr. zur Folge hatten. Südillyrien blieb seither von Rom abhängig und wurde 168 v. Chr. der Provinz Macedonien einverleibt; Dalmater, Liburner und Japyder wurden zwischen 177 und 129 v. Chr. unterjocht, aber erst durch Octavianus 35—33 v. Chr. vollkommen gebändigt. In der Konstantinischen Reichsordnung unterstanden dem prätorischen Präfekten im Illyricum, wie jetzt das Land genannt wurde, die osteurop. Provinzen, mit Ausnahme Thraziens und des eigentlichen Illyricum, seither IIlxricum occidentale genannt, welches dem prätorischen Präfekten von Faalien zugewiesen wurde und dem Abendländischen Kaisertum verblieb, bei dessen Verfall (476) es an Odoaker und Theodorich, nach dem Falle des Ostgotischen Reichs aber an die morgenländ. Kaiser fiel. Im 7. Jahrh. wurde das Land 61 einwandernde slaw. Völker, Kroaten und von der schwachen byzant. Regierung unabhängig zu machen. Unter Karl d. Gr. fielen die Kroaten vorübergehend unter fränk. Herrschaft, machten sich aber bald wieder unabhängig und bildeten ein Königreich, welches auch das ganze dalmat. Binnenland umfaßte und endlich 1090 mit Ungarn vereinigt wurde, während die Seestädte in Abhängigkeit von Venedig gerieten. Aber nach langen Kriegen mit den Türken behielt 9——— nur die Küste von Dalmatien, und Ungarn nur Slawonien und einen Teil von Kroatien, Ragusa wurde bald osman., bald venet. Schutzstaat. Der Friede von Campo-Formio 1797 brachte das venet. Dalmatien nebst seinen Inseln bis Cattaro unter Osterreichs Herrschaft; 12 Jahre später trat J. aufs neue in die Geschichte ein, indem Napoleon I. nach dem Frieden zu Schönbrunn 14. Okt. 1809 die zu J. gehörenden und an Frankreich abgetretenen Länder zu einem besondern Staat unter dem Namen Illyrische Provinzen konstituierte. Nachdem noch ein Teil des von Bayern abgetretenen Deutschtirol (Pusterthal) hinzugekommen war, wurde durch ein kaiserl. Dekret vom 15. April 1811 die Organisation der illyr. Provinzen in militärischer und finanzieller Hinsicht definitiv reguliert. J. blieb nun unter franz. Herrschaft bis zum Sturz Napoleons, worauf es 1815 als Königreich an Ssterreich kam, aber von Dalmatien getrennt wurde. Seitdem wurde 1822 das ungar. Litorale mit dem Hafen Fiume und der mit J. vereint gewesene Teil von Kroatien zu Ungarn geschlagen, dagegen 1825 auch der Klagenfurter Kreis dem Königreich J. einverleibt und 1849 aus dem Lande die genannten fünf Kronländer gebildet. Uyrier hießen im Altertum mehrere Völker, welche den östl. Küstenteil des Adriatischen Meers von der Mündung des Po bis zum Jonischen Meer bewohnten. Die ältern Schriftsteller scheiden diese Stämme von ihren östl. Nachbarn, den Thrakern, während die spätern dieselben mit den letztern öfter vermengen. Wenn nicht dieser Vermengung eine Namensähnlichkeit einzelner Stämme zu Grunde liegt, könnte man auf eine Verwandtschaft der J. mit den Thrakern schließen, deren beider miegehör zu der großen indogerman. Sprachfamilie gehörten. Als illyr. Stämme werden von den alten aufgezählt: die Eneter, Heneter oder Veneter, die Bulinoi, die Manioi, die Autariatai, die Ardiaioi, die Dardanioi u. a. Man hält die J. für die Urbewohner Italiens, die von den vom Norden her vorrückenden oskisch-latinischen Stämmen unterjocht und amalgamiert wurden. Gegenwärtig ist der illyr. Volksstamm bis auf einen schwachen Überrest ausgestorben. Dieser überrest, der, durch das von ihm occupierte Terrain begünstigt, bis auf die Gegenwart seine Sprache zu erhalten wußte, sind die heutigen Albanesen (von den Türken Arnauten genannt) oder Schkipetaren (d. h. Bergbewohner), wie sie sich selbst nennen. — neuerer Zeit versteht man unter «Illyriero die erbo-Kroaten, da sie den Kern der unter Frankreich bestandenen illyr. Provinz bilden. Diese slawischen J. haben mit den alten J. nichts gemeinsam. und Litteratur. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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