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GeschichteBrockhaus 1882

Italienischer Krieg von 1866. Als die gegensätzliche Politik Preußens und Österreichs auch nach dem Abschluß der Gasteiner Konvention den baldigen Ausbruch eines Kriegs zwischen den beiden deutschen Großmächten erwarten ließ, verbündete sich Italien mit Preußen, um Venetien zu erobern, und begann 11. März zu rüsten. Mitte Juni waren die Armee (20 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision, zusammen 210000 Streitbare) und ein Freiwilligenkorps unter Garibaldi 36000 Mann mit 40 Geschützen) völlig kriegsbereit, die Flotte in Dienst gestellt und 70000 Mann Besatzungstruppen in den Festungen versammelt. Osterreich hatte 21. April die Südarmee auf Kriegsfuß gesetzt und Mitte Juni in Italien 75000 Mann Feldtruppen, 13000 Mann in Tirol, 16000 Mann in Istrien und Friaul, sowie 39000 Mann Besatzungstruppen in den venet. Festungen bereit, die Zlottille auf dem Gardasee war verstärkt und die Flotte ausgerüstet und bei Fasana versammelt worden. Um Mitte Mai begann bereits die Vorschiebung ital. Truppen an die österr. Grenze. Man stellte zwei Heere auf, eins unter König Victor Emanuel am Mincio (126 000 Mann), das zweite unter General Cialdini am untern Po (84000 Mann); das Freiwilligenkorps Garibaldis sammelte sich Tirt en Brescia und Rocca d'Anfo und war gegen irol bestimmt. Cialdini sollte den Po überschreiten und, das Festungsviereck umgehend, gegen die Verbindungen der österr. Südarmee wirken, um den Vormarsch der vom König geführten Hauptarmee zu erleichtern. Am 9. Mai übernahm Feldmarschall Erzherzog Albrecht in Verona den Befehl über die Südarmee und versammelte dieselbe auf dem linken Etschufer zwischen Lonigo und Montagnana mit der Absicht, eins der beiden, ihm nach Stärke und Aufstellung wohlbekannten feindlichen Heere mit seiner ganzen 4430 während des Vormarsches anzugreifen. Am 14. Juni waren alle Feldtruppen der Südarmee versammelt und am 20. erklärte Sardinien den Krieg und ging 23. über den Mincio. Die Italiener gelangten bis nahe Villafranca, Roverbella und Prentina, eine gegen Peschiera entsendete Abteilung wurde durch das Feuer dreier Forts zurückgetrieben, und zwei Divisionen marschierten gegen Mantua und Borgoforte. Der Rest des Heeres sollte am 24. auf das linke Mincio-Ufer folgen und Cialdini am 26. den Po überschreiten; man nahm an, die Österreicher würden an der Etsch den Angriff erwarten. Erzherzog Albrecht hatte alle Vortruppen an sich gezogen und das Heer am 23. auf das rechte Etschufer geführt, er wollte am 24. auf den Höhen von Somma-Campagna und Custozza aufmarschieren, und diese Stellung sollte an demselben Tage auch das ital. Heer besetzen. Beide Heere stießen im Vormarsch aufeinander, woraus sich die Schlacht bei Custozza (s. d.) entwickelte. Die geschlagenen Italiener eilten nach Cremona zurück, und Cialdini, welcher schon 23. einige Abteilungen auf das linke Poufer hatte übergehen lassen, zog diese auf die Nachricht von der Niederlage der Hauptarmee zurück und führte sein Heer nach Modena und Bologna. Erzherzog Albrecht hatte nach dem Siege auf den Höhen zwischen Verona und Valeggio Stellung genommen, um Cialdini anzugreifen, sobald dieser an die Etsch vorzurücken versuche, ging 30. Juni auf das rechte Mincio⸗-Ufer über und lieferte 1. und 2. Juli einige kleine Gefechte gegen die ital. Vortruppen. ö Erzherzog Albrecht mußte indes 4. Juli infolge der Nachrichten von den Niederlagen des österr. Heeres in Böhmen den Rückzug antreten, verstärkte 8. Juli die Festungsbesatzungen, sendete ein Korps durch Tirol nach der Donau und führte den Rest seiner Feldtruppen hinter die Piave. Am 11. wurde der Erzherzog zum Oberkommandanten der gesamten Armee ernannt und befahl den Rückzug hinter den Isonzo, von wo aus fünf Brigaden mittels der Bahn nach Wien gesendet wurden. Die am Isonzo und in Istrien belassenen 42000 Mann Feldtruppen traten unter Befehl des Feldmarschalllieutenants Freiherrn von Maroicic. Die Italiener versuchten 5. Juli vergeblich den Brückenkopf Borgoforte durch Bombardement zu gewinnen, worauf Cialdini denselben belagern ließ; am 18. räumte die Besatzung die ganz unhaltbar gewordenen Werke. Am 8. Juli e hatte Cialdinis Hauptmacht den Po bei Sermide uberschritten und marschierte auf Rovigo, dessen Werke von der nach Padua abrückenden österr. Besatzung gesprengt wurden. König Victor Emanuel war am 10. nach Ferrara aufgebrochen und hatte einen Teil seines Heeres Cialdini als Verstärkung zugewiesen; der König wollte mit drei Korps die Festungen belagern und Cialdini sollte mit fünf Korps (150000 Mann) an den Isonzo und über die Alpen vordringen, die Flotte Lissa angreifen. Am 20. wurde jedoch die ital. Flotte bei Lissa (s. d.) entscheidend geschlagen und mußte unter den Kanonen von Ancona Schutz suchen. Cialdini erreichte 25. den Torre, am 26. kam es bei Versa zu einem lebhaften Gefecht zwischen den beiderseitigen Vortruppen, und die von Kaiser Napoleon vermittelte Waffenruhe machte weiterm Kampfe ein Ende. Das Freiwilligenkorps Garibaldis war 23. Juni zwischen dem Gardasee und Stilfser Joch gegen Tirol vorgegangen, welches von 17000 Mann Landesschützen und kaiserl. Truppen unter Generalmajor Freiherrn von Kuhn verteidigt wurde. Auf die Nachricht von der Niederlage des ital. Heeres bei Custozza ging Garibaldi nach Lonato und Desenzano And. und ging erst 3. Juli wieder vorwärts. An diesem Tage wiesen 600 Mann Kaiserjäger bei Monte-Suello den viermal wiederholten Angriff der 2800 Mann starken ital. Brigade Corte blutig zurück, am 4. wurden die Alpenjäger bei Vezza im Valcamonica abermals geschlagen, erreichten aber am 11. bei Spondalunga einen kleinen Erfolg gegen die österr. Nachhut. Als die österr. Südarmee nach dem Isonzo abgezogen war, drang Garibaldi mit größerer Macht vom Idrosee her vor, doch ließ Kuhn vom Stilfser Joch und am Tonale Vorstöße ausführen, welche am 16. und 18. Gefechte veranlaßten und dem Vormarsch der Freikorps Einhalt thaten. Am 16. schloß Garibaldi Fort Ampola, ein mit 200 Mann und 2 Geschützen besetztes Blockhaus, ein und zwang dasselbe am 19. durch Beschießung vom Monte-Croce her zur Ergebung; aber 21. wurden bei Bececa 9 Bataillone Alpenjäger von 5000 Mann Landesschützen und österr. Truppen mit großem Verlust geschlagen. Die ital. Division Medici war 20. nach Südtirol eingerückt, hatte 22. bei Cismon und Primolano österr. Vortruppen zurückgedrängt, wurde aber 23. bei Borgo durch den hartnäckigen Widerstand von 5000 Mann Hsterreichern aufgehalten. Am 25. trat Waffenruhe ein. Nördlich vom Gardasee hatten die Alpenjäger überhaupt sich nicht festsetzen können, da die österr. Flottille am 20., 24. und 25. Juli den hierauf abzielenden Unternehmungen erfolgreich entgegentrat. Italien schloß sich dem 27. Juli zwischen Preußen und Ssterreich vereinbarten Präliminarfrieden nicht an, und die Südarmee am Isonzo sollte deshalb auf 130000, die Truppen in Tirol auf 22000 Mann verstärkt werden. Darauf hin ging Cialdini hinter den Tagliamento zurück, auch räumten die Italiener ihre Stellungen in Tirol, worauf 12. Aug. zu Cormons auf vier Wochen Waffenstillstand geschlossen wurde. Am 24. Aug. wurde durch Vertrag Venetien an Frankreich und von diesem an Italien abgetreten, und im Wiener Frieden vom 3. Okt. übernahm Italien den auf Venetien entfallenden Teil der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 729Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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