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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Italische Völker und Sprachen. Italische Völker nennt man im weitern Sinne alle diejenien sprachlich untereinander mehr oder minder verschiedenen Völker, welche im Altertum die ital. Halbinsel bewohnten. Dahin gehören zunächst in Oberitalien die Ligurer in dem nach ihnen benannten Ligurien (s. d.), die wenigstens in größern Massen wohl erst im 5. Jahrh. v. Chr. eingewanderten Gallier und im heutigen Venetien die Veneter, jedenfalls eine Völkerschaft illyr. Stammes. Auf der eigentlichen Halbinsel lassen sich drei italische Urstämme unterscheiden: die Etrusker, die japygischen Völkerschaften und die eigentlichen italischen Völker. Die Etrusker, deren Verwandtschaft und Sprache noch immer ein Rätsel sind, bewohnten Etrurien (s. d.). Die Japyger saßen im äußersten Südosten Italiens, in Apulien (wo sie jedoch schon um 100 v. Chr. gräcisiert waren) und der messapischen oder calabrischen Halb— insel und waren, wie eine kleine Anzahl in ihrer Sprache abgefaßter Inschriften bekundet, ein Volt indogerman. Stammes. Die eigentlichen Japyger nebst den Messapiern, Calabriern und Sallentinern erhielten ihre Sprache noch bis in die röm. Kaiserzeit. Die übrigen Völkerschaften, die von den ältern griech. Schriftstellern unter dem Namen der Opiker, von den spätern unter dem der Italiker zusammengefaßt wurden, bilden eine der Familien des indogerman. Völker⸗ und Sprachenstammes. Ihre Sprache steht nach einer neuern Ansicht dem kelt. Sprachzweig am nächsten, doch nicht so nahe, daß man mit Sicherheit eine italischkelt. Ursprache annehmen könnte. Die italische Sprachgruppe zerfällt in zwei Abteilungen, die latinische und die umbrisch-sabellische. Dialekte des latinischen Zweigs wurden vor der Begrün-Il dung griech. Kolonien und der Einwanderung der e Samniten nicht bloß in Latium, von den eigentlichen Latinern, sondern auch von den Ausonern in [2 Campanien, den eigentlichen Italern in den später e von den Luoanern und Bruttiern bewohnten Gebieten, sowie vielleicht auf der östl. Hälfte Siciliens von den Siculern gesprochen. Aus der Sptache der Latiner in Latium ging die lat. Sprache hervor, welche mit der Unterwerfung ! Italiens durch die Römer die herrschende und deshalb die römische (lingua Romana) genannt wurde. (S. Römische Sprache.) Nach dem Untergange des Weströmischen Reichs bildeten sich aus letzterer die Romanischen Sprachen (s. d.). Der umbrisch⸗-sabellische Zweig zeigt sich in viele Dialekte zersplittert, von denen das Umbrische im engern Sinne (im eigentlichen Umbrien) und das Oskische, welches sich mit den Eroberungen der Samniter auch über Campanien und weiter nach Süden ausbreitete, aus einer ziemlichen Anzahl von Inschriften (wie die Iguvinischen Tafeln in umbrischer, das Stadtrecht von Bantia in oskischer Sprache) näher bekannt sind, während für die Dialekte der Volsker, Marser u. a. nur wenige Inschriften Zeugnis abiegen. Um die Erklärung jener epigraphischen Denkmäler wie die wissenschaftliche Durchforschung der italischen Sprachen überhaupt haben sich in der neuesten Zeit vorzugsweise deutsche Gelehrte, wie, nach Vorgang von Grotefend, Lassen und Lepsius, Kirchhoff und Aufrecht (EUmbrische Sprachdenkmälero, 2 Bde., Berl. 1849—51), Mommsen (Die unterital. Dialekter, Lpz. 1850), Corssen, Huschke, Bücheler (Umbricao, Bonn 1883) u. a., und außerdem einige Italiener und Franzosen, wie Fabretti und Bréal (Les tables Eugubinese, Par. 1875), Verdienste erworben und bereits Erfolge für Ethnographie, Sprach-, Rechts⸗ und Religionsgeschichte erzielt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 752Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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