Hispania nannten die Alten die Pyrenäische Halbinsel (Spanien und Portugal), welche von den Griechen auch als V erien bezeichnet wurde, während die Phöniker, die bereits im 12. Jahrh. v. Chr. die südl. Küste dieses Landes besuchten, aus dem Namen des Volks der Turdetaner ihr Tarschisch (grch. Tartessos) gemacht haben. Ursprünglich war die gesamte Halbinsel von einer gleichartigen, erbmaue weit auch über die Pyrenäen nordwärts inaus verbreiteten, in viele Stämme geteilten Bevölkerung bewohnt, welche die Griechen Iberier nannten; die letzten sprachlich noch selbständig gebliebenen Reste derselben sind die Basken. Geraume Zeit vor der überflutung des nördl. Italien durch gallische Kelten hatte sich ein erheblicher Teil dieses Volks auch über die nordwestl. Hälfte der Pyrenäischen Halbinsel ausgebreitet. Die Römer fanden jedoch nach dem zweiten Punischen Kriege nur noch wenige Reste dieser kelt. Stämme vor. Dagegen hatte sich im Quellgebiet des Duero und Ebro, und auf der Hochebene um die Quellen des Tajo, des Sucro und die östlichsten Zuflüsse des Guadiana eine keltiberische Mischbevölkerung gebildet. Statt eines nationalen Gesamtnamens traten daher in H. die Namen vieler einzelnen Stämme auf; in dem breiten Gebiet zwischen dem Atlantischen Ocean im W., dem untern und mittlern Guadiana im S. dem untern und mittlern Duero im N. namentlich die lusitanischen Stämme. Die Geschichte H.s beginnt damit, daß die Phöniker, deren wichtigste Kolonie (um 1100 v. Chr.) Gadeira (Gades) wurde, die an Naturprodukten, in ihren innern Gebirgen zwischen dem Thale des Guadalquivir und dem Plateau des Guadiana auch an Kupfer und Silber überreiche südl. Küste kolonisierten und ausbeuteten. Im J. 237 v. Chr. erschien der Karthager Hamilkar Barkas in H., um durch große Eroberungen seine Vaterstadt hier für die Verluste zu entschädigen, die sie infolge des ersten Punischen Kriegs gegen Rom erlitten hatte. Hamilkar und nach seinem Tode (229 oder 228) sein Schwiegersohn Hasdrubal (bis 221), der auch die neue große Stadt Neukarthago (Cartagena) gründete, eroberte allmählich die Südhälfte und bis zum Ebro die Ostküste der Halbinsel und schuf damit eine große karthag. Provinz. Die Eifersucht aber der Römer auf die neue Machtentfaltung der Karthager nötigte letztere, im J. 228 den Vertrag anzunehmen, durch welchen der Ebro als die nördl. Grenze ihres Gebiets bestimmt und Sagunt (bei Valencia) auf der Ostküste für neutral erklärt wurde. Der Bruch dieses Vertrags durch Hannibal (219) ab den letzten Anstoß zum Ausbruch des zweiten Punischen Kriegs, dessen einer Hauptschauplatz seit 218 H. selbst geworden ist. Mit dem Jahre 206 war H. für die Karthager gänzlich verloren und nunmehr hier die Römer die Herren. — Die römischen Besitzungen auf der Ostküste und im südlichen H. wurden 197 v. Chr. als die zwei Provinzen HI. citerior und H. ulterior organisiert; Neukarthago die Hauptstadt der adiesseitigeno, Corduba die der ejenseitigend Provinz. Die Regierung führte in jeder Provinz je ein röm. Prätor, gewöhnlich mit otonsulariicher Gewalt. Diese P Bolleun der Römer in H. mißfiel aber den span. Völkern in hohem Grade; der deshalb ausbrechende allgemeine Aufstand leitete einen langjährigen Kampf ein, der erst unter dem Kaiser Augustus Haldld zu Ende gegangen ist. Die ersten großen Erfolge der Römer im Kampfe mit den Lusitaniern fallen in die Zeit 191 — 185 v. Chr., und Tiberius Sempronius Gracchus (179 und 178 v. Chr.) dehnte die röm. Oberhoheit über einen bedeutenden Teil der keltiber. Völker aus. Nach langen Kämpfen, namentlich gegen Viriathus, wurden die Lusitanier endlich 138 v. Chr. vollständig unterworfen. Der etwa seit derselben Zeit diesen Kämpfen zur Seite gehende langwierige Krieg mit keltiber. Völkern Num erst 134 v. Chr. mit dem Fall der Festung Numantia sein Ende. Nachmals war das römische H. wiederholt einer der Schauplätze der Episoden der großen röm. Bürgerkriege. Hier hielt Sertorius 79 — 72 v. Chr. Stand Whus über den senatorischen Heeren; hier focht Julius Cäsar 49 v. Chr. zwischen Ebro und Pyrenäen die ersten großen Kämpfe gegen die Pompejaner, und lieferte 45 v. Chr. diesen bei Munda in Bätica die letzte Schlacht. Die Unterwerfung endlich der kriegerischen Cantabrer, Asturier und Vaccäer (unter Augustus) 26 und 25 v. Chr., und die Besiegun ihrer letzten Erhebung im J. 19 v. Chr. dur Agrippa gab die Hhonser. Halbinsel der Pyrenäen in die Gewalt der Römer. Seit der Rengetallun des Römischen Reichs durch Augustus (27 v. chr) zerfiel das nunmehr römische H. in drei große Provinzen. Zuerst H. citerior, Hehhe die andern durch den Duero und die Sierra Morena abgegrenzt, kaiserl. Provinz unter einem konsularischen Legazus Augustus pro praetore und der Hauptstadt Tarraco. Ferner das südl. Spanien, H. ulterior oder Bätica, das sich zwischen dem Meere und dem Anas (Guadiana) ausdehnte; senatorische Provinz, von Corduba aus durch einen Proprätor mit dem Titel Prokonsul verwaltet. Endlich neu formiert die zwischen Guadiana und Duero sich ausbreitende kaiserl. Provinz Lusitania, die ein prätorischer Legatus Augustus von der neu angelegten röm. Militärkolonie Augusta Emerita (jetzt Merida) aus regierte. Seit dieser Zeit machte die Romanisierung H.s schnelle Fortschritte. Die Überziehung H.s mit trefflichen Heerstraßen, die Durchsetzung des ganzen Landes mit zahlreichen röm. Militärkolonien, der Dienst im röm. Heere und der (zuerst zu Tarraco schon seit Augustus eingebürgerte) Kultus der Dea Romaund des kaiserl. Hauses, wirkte höchst energisch in dieser Richtung; im J. 75 n. Chr. konnte Kaiser Vespasian bereits der ganzen Halbinsel die Lati— nitäto (das sog. Jus Latii) verleihen. Zu Tarraco, Emerita und Corduba sammelten sich alljährlich die Abgesandten aller selbständigen Städte zu den Provinziallandtagen (concilium). So entwickelte sich H. während der beiden ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit zu einem der blühendsten und wohlhabendsten Länder des Römischen Reichs, welches auch (besonders durch die Familien Seneca und Lucanus, durch Quintilian und Martial, Columella und Pomponius Mela) bei bedeutender Bildung eines großen Teils der span. Provinzial-Romanen für die röm. Litteratur der Kaiserzeit bedeutsam wurde. Aus der Reihe dieser Provinzial-Romanen gingen auch die Kaiser Trajan und Hadrian und später die Dynastie des Theodosius hervor. H., wo Kaiser Caracalla 216 oder 217 n. Chr. aus Asturia mit Galläcia die vierte span. Provinz H. nova citerioro formierte, ist zunächst bis auf das Zeitalter Konstantins d. Gr. von größern polit. Heimsuchungen unmittelbar verschont geblieben. Die Christen unterlagen auch in H. vorübergehend der durch Diocletian veranlaßten Verfol-Hichrn nachher wurde das Land schnell mit bischöfichen Sitzen bedeckt und ein wesentlich chomou-Der enen (orthodox katholisches) Gebiet. Seit er neuen Gliederung des Römischen Reichs in der Diocletianisch-Konstantinischen Epoche gehörte H. zu der gall. Präfektur, und der Vikar oder Oberpräsident der Dioecesis Hispaniarum o war der Chefeinerseits von Mauritania Tingitana, anderer-Rätt von fünf neuen span. Provinzen; denn (neben ätica, Lusitania, Galläcia oder Asturia) war zu Ende des 3. Jahrh. das diesseitige Spanien in die Provinzen Carthaginiensis und Tarraconensis zerlegt worden, zu denen noch (zwischen 369 und 386 n. Chr.) die Provinz der Balearen trat. H. wurde erst spät aber dann um so furchtbarer durch die Bewegungen der german. Völkerwanderung betroffen. Am 18. Sept. (oder am 13. Okt.) 409 überschritten von Gallien aus Alanen, Sueven und Vandalen die Grenzen H.s, welches Land nunmehr 70 Jahre lang schwer heimgesucht wurde. Als 411 der erste Sturm ausgetobt hatte, siedelten sich die Sueven und die asdingischen Vandalen in Galläcien, die Alanen in Lusitanien und Cartha-Mum abe die silingischen Vandalen in Bätica an. un aber begannen die Versuche der Römer, die wichtige Halbinsel zurückzugewinnen. Der westgot. König Wallia führte 416—418 für die Römer den Krieg gegen die andern Germanen, überwältigte die +— in Bätica, die Alanen im Südosten, trieb die Masse der Vandalen, Alanen und Sueven auf die nordwestl. Ecke von H. zurück, und erhielt 419 für sein Volk als Lohn für diese Dienste Sitze in Aquitanien. Nach dem Abzug der Goten aus H. gewannen aber die asdingischen Vandalen wieder das Übergewicht, bis sie dann 429 das Land verließen, um Afrika zu erobern. Nach dem Abzug der Vandalen aus H., wurden in dieser Halbinsel die Sueven das herrschende Volk; sie breiteten sich 441 v. Chr. siegreich bis nach Merida und Hispalis aus, eroberten ganz Bätica und Carthaginiensis. Endlich trugen es die Westgoten, die noch einmal im J. 456 im röm. Interesse die Sueven siegreich bekämpft hatten, für sich davon. Ihr König Eurich eroberte 475 —478 mit Ausnahme weniger Seestädte und der suevischen Bezirke des Nordwestens die Halbinsel der Pyrenäen, und erö sute damit für dieses Land die Geschichte des Mittelalters. (S. Spanien, Geschichte.)