FeedJannina
ErdkundeBrockhaus 1882

Jannina, Janina oder Joannina, Hauptstadt des südwestlichsten Vilajets der europ. Türkei, liegt in der Gegend des alten Orakelortes Dodona im Innern des Landes, in einem bergumtränzten Längenthale, dem bis 500 m hohen Plateau von J., an der Westseite des wegen seines Torfgrundes schwärzlichen Sees von Jannina, ist Sitz des türk. Generalgouverneurs und zählt 26000 C., darunter 15000 Griechen (mit Einschluß der Fremden), 8500 Türken und 2500 Juden. Von dem unter Ali Pascha vorhandenen Glanz und europ. Gepräge der Stadt ist nichts mehr vorhanden. Der frühere Kulia oder das Demir-Kule, d. h. Eisenschloß, ein fünf Stock hohes Fort nebst darübergelegenem Palast, ist jetzt eine Ruine. Der Pascha bewohnt die von Trümmern und einem Graben umgebene sog. Festung, ein auf einer felsigen Landzunge erbautes Fort, das sich in traurigem Zustande befindet. Der Festung gegenüber liegen auf einer Insel ein kleines Dorf, mehrere Kloster und die Reste des Sommerpalastes, in welchem Ali Pascha sein Ende fand. J. besitzt 7 Kirchen, 18 Moscheen, 2 Synagogen, griech. Kollegium, Bibliothek und Hospital. Die betriebsamen Griechen haben den Ort zu einer bedeutenden Gewerb- und Handelsstadt gemacht. Im Norden des Sees von J. liegt Sagori oder Zagore, der Hauptort der Sagorzen, eines kleinen Freistaats von 44 Dörfern und etwa 25000 E., mit einer durch einen Ferman vom 3. Juni 1850 von der türk. Regierung anerkannten Verfassung. Die Stadt J. kommt zuerst im 9. Jahrh. als dem Byzantinischen Reiche unterworfen vor. Seit dem 11. Jahrh. war sie abwechselnd in den Händen der Normannen, Byzantiner, Catalanen und Serbier. Dann wurde sie von eigenen Despoten regiert, die bald von Konstantinopel, bald von den Grafen von Cephalonia abhingen, bis es sich 1431 den Türken unterwarf. Im 18. und im Anfange des 19. Jahrh. war J. ein Hauptsitz neugriech. Geistesbildung. Bei dem Bombardement durch Ali Pascha 1820 litt die Stadt ungemein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 796Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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