Jassy oder Jasch, Hauptstadt der Moldau, am Abhange des vom linken ů010 des sumpfigen Bachlui sanft aufsteigenden, kahlen Kopo, in hügeliger Umgebung zwischen Weingärten malerisch gelegen, die Residenz eines orthodoxen Metropoliten und der Sitz eines Präfekten, eines Appellationsgerichtshofs, eines Gerichtshofs erster Instanz und anderer Behörden, ist Station der Zweiglinie Paschkani-J. der Lemberg-Czernowitz-J.⸗Bahn, sowie der Linie J.⸗Ungheni der Rumänischen Staatsbahnen und hat 80000 E., worunter sehr viele Juden, eine Anzahl Skopzen, Griechen, Armenier und Deutsche sich befinden. Die Bauart ist unregelmäßig, jedoch ist neuerdings viel für die Verbesserung und Verschönerung der Stadt geschehen. Von den mehr als 40 griech. Kirchen tritt die in neuester Zeit errichtete, jezt im Ausbau begriffene viertürmige Kathedrale, die alte Kirche der drei Puwetche und die Kirche des Klosters St.-Spiridion, welches ein großartiges Hospital für Kranke aller Nationen und Religionen hat, hervor. J. besitzt außerdem eine röm.⸗kath., eine evang. und eine armen. Kirche und von Unterrichtsanstalten eine Universität, ein theol. Seminar, drei Gymnasien, ein Lehrerseminar, eine Kunst⸗ und eine Musikschule u. s. w. Das Administrationspalais, ein weitläufiges Gebäude, welches 1880 abgebrannt, ist jetzt im neuen Stil restauriert und bedeutend erweitert worden; es enthält die Bureaus der Gerichts-und Verwaltungsbehörden. — J. soll nach einer Inschrift zur Zeit der Römerherrschaft unter dem Namen Jassiorum municipium bekannt gewesen sein; wahrscheinlich ist es aber viel spätern Ursprungs. Es ward erst im 14. Jahrh. Stadt genannt und hat seinen Namen von den im 11. Jahrh. mit den Kumanen eingewanderten Jassen oder Jazygen. Residenz der moldauischen Fürsten wurde die Stadt egn des ältern Suczawa) durch Alexander Lapuschnean seit 1564. Das der Stadt gegenüber auf einem Berge gelegene Kloster Cetatzuia oder die Citadelle war ehemals eine Festung. J. wurde durch Sultan Soliman 1538 und durch Johann Sobieski 1686 eingeäschert. Außerdem ward J. von den Russen mehrfach besetzt und geräumt, sowie im 18. Jahrh. und auch 1854 von den Osterreichern. Am 9. Jan. 1792 ward hier zwischen Rußland und der Pforte der Friede geschlossen. Außerordentlich litt J. in dem 1821 hier ausgebrochenen Aufstande der griech. Hetärie unter Mpsilantis, infolge dessen es 10. Aug. 1822 von den Janitscharen zerstört wurde. Seit der Vereinigung der beiden Donaufürstentümer und der Erhebung Bukarests zur Hauptstadt der gemeinsamen Regierung hat J. viel von seiner frühern Bedeutung als Sitz der moldauischen Hospodare verloren und ist zu einer stillen Provinzialstadt herabgesunken; auch der früher nicht ganz unansehnliche Handel nimmt ungeachtet der seit 1870 bestehenden Eisenbahnverbindung mit Osterreich und Rußland mehr und mehr ab.