Jansen (Cornelis), gewöhnlich in latinisierter Form Jansenius, berühmter niederländ. Theolog, von dem die Sekte der Jansenisten (s. d.). den „Namen führt, geb. 28. Okt. 1585 zu Acquoi bei tLeerdam, studierte zu Löwen, Paris und Bayonne, wo er 199 hauptsächlich mit dem Studium der Schriften Augustins beschäftigte. Sodann ging er nach Löwen zurück, wo er 1617 Doktor, 1630 Professor der Theologie wurde und den strengen Augustinismus, besonders über den freien Willen und die göttliche Gnade lehrte, dadurch aber mit den Jesuiten in Streit geriet. Im J. 1635 ward er Bischof zu Hpern. Kaum hatte er sein berühmt gewordenes Werk «Augustinus, seu doctrina St. Augustini de humanae naturae sanitate, aegritudiné, medieina etc.o, an dem er 22 Jahre lang gearbeitet, vollendet, als er 6. Mai 1638 zu Mpern starb. Dieses Werk erschien 1640 zu Löwen durch Libertus Fromond und Kalen. [Läsare. ansen (Erich), religiöser Schwärmer, s. unter ansenisten, eine kleine kath. Kirchenpartei in den Niederlanden, werden so genannt nach dem niederländ. Theologen Cornelis Jansen (s. d.). Der zuerst von Augustin und von Pelagius geführte Streit über das Verhältnis der göttlichen Gnade und der menschlichen Freiheit war von der kath. Kirche nie zum entschiedenen Austrag gebracht: dieselbe ehrte Augustin als größten Lehrer der Kirche und vertrat doch in der Praxis durchaus semipelagianische Grundsätze. Neu angefacht ward der Streit durch Jansens 4 Augustinus „ (1640), worin die Lehre enrenhr den Jesuiten gegenüber als die wahre Lehre hingestellt war. Jansens Werk ward 1642 von Urban VIII. in der Bulle In eminenti als ketzerisch verboten, fand dagegen auch außer den Niederlanden viel Beifall. In Frankreich wirkte Jansens Studiengenosse, Jean Duvergier de Hauranne, Abt zu St.⸗Cyran, in demselben Geiste, Anton Arnauld, Mitglied der Sorbonne, griff in seinen Schriften (EDe la fréquente communiono, „La théologie morale des Jésuitso) die Jesuiten offen an. Blaise Pascal stellte in seinen «Lettres provinciales o (1656) ihre Moral entschieden bloß. Aber die Jesuiten bewirkten, daß Arnauld aus der Sorbonne ausgestoßen ward, worauf ihn seine Schwester, Abtissin im Kloster Port-Royal, aufnahm, wodurch dieses Sitz und Mittelpunkt der Jansenistischen Bewegung ward. Innocenz X. verdammte 1653 fünf Sätze aus Jansens «Augustinv als calvinistische Ketzerei, und auch der Einwand seiner Anhänger, dem Papste stehe wohl die Entscheidung zu über das droit, über die Zulässigkeit von Glaubenssätzen, nicht aber über das fait, d. h. ob diese Sätze in dem behaupteten Sinne von Jansen gelehrt Bule⸗ was sie bestritten, ward (1656) durch eine Bulle abgewiesen, die behauptete, Jansen habe die Sätze in demselben Sinne gelehrt, in dem sie verdammt seien. Die Entschiedenheit, mit der Ludwig XIV. die Ausrottung der J. betrieb, zwang viele zur Auswanderung in die Niederlande. Im J. 1693 gab ein Priester des Oratoriums, Paschasius Quesnel, das Neue Testament mit Anmerkungen im Sinne Jansens heraus. Auf Betrieb der Jesuiten ward 1709 das Kloster Port-Royal aufgehoben, 1713 in der Bulle Unigenitus 101 Sätze Quesnels als ketzerisch verdammt und damit offener Semipelagianismus zur Kirchenlehre erklärt. Diese Bulle spaltete die franz. Geistlichkeit in die Partei der Konstitutionisten oder Acceptanten, welche die Bulle annahmen, und der Appellanten, welche vom Papste an ein Konzil appellierten, an ihrer Spitze der Erzbischof Noailles. Letztere wurden von Clemens XI. (1719) durch das Breve Pastoralis officii erxkommuniziert. Darauf hin unterwarfen sich viele, auch der Widerstand des Parlaments war von kurzer Dauer, ja 1720 ward die Bulle Unigenitus für Frankreich anerkannt und zum Reichsgesetz erhoben, worauf 1728 auch Noailles sich unterwarf, andere J. zahlreich nach den Niederlanden auswanderten. Unter dieser Bedrückung entartete der Jansenismus immer mehr zur Schwärmerei. In Frankreich verschwand er als gesonderte Gesellschaft bald. In den Niederlanden bilden die J. (seit 1723) unter dem Erzbischof von Utrecht und den Bischöfen von Harlem und Deventer ein eigenes, von Rom unabhängiges Kirchenwesen. Sie nennen sich selbst Schüler des heil. Augustin, erklären sich fur Glieder der kath. Kirche, erkennen den Papst als sichtbares Oberhaupt der Kirche an, verwerfen jedoch seine Unfehlbarkeit. Papst Clemens XIV. suchte eine Wiedervereinigung herbeizuführen, starb jedoch zu früh. Pius VI. und Leo XII. dagegen verfuhren unduldsam verfluchend gegen sie, wodurch die Spaltung nur vergrößert ward; seit Leo XII. (1825) wird jede Neuwahl eines Jansenistischen Bischofs mit dem Bannfluche beantwortet. Die J. zählen 25 Gemeinden mit 6000 Seelen. Mit den Altkatholiken traten sie so weit in“ Beziehung, als der Erzbischof von Utrecht den altkath. Bischof weihte. Vgl. Leydecker, Historia Jansenismio (Utr. 1695); Reuchlin, «Geschichte von Port-Royalo (2 Bde., Hamb. u. Gotha 1839 —44); Nippold, «Die altkath. Kirche des Erzbistums Utrecht »(Heidelb. 1872); Fuzet, «Les Jansénistes du 17² siècle (Par. 1877).