FeedJenner (Edward)
HeilkundeBrockhaus 1882

Jenner (Edward), der erste Entdecker der Schutzkraft der Kuhpocken gegen Menschenblattern (s. unter Impfung, S. 554), geb. 17. Mai 1749 als Sohn eines Geistlichen zu Berkeley in der engl. Grafschaft Gloucester, lernte anfangs bei einem Wundarzt in Sudbury bei Bristol und setzte seit 1770 seine chirurgischen Studien namentlich unter seinem Landsmann John Hunter in London fort. Nachher ließ er sich in seinem Geburtsort als Wundarzt nieder, wo er neben seiner Praxis sich viel mit naturhistor. Studien beschäftigte. Auf die Schutzkraft der in seiner Gegend öfters herrschenden Kuhpocken (beim Rindvieh) gegen die Menschenblattern schon früher durch die Außerung einer Bäuerin aufmerksam gemacht, verfolgte er diesen Gegenstand seit 1775 und kam auch durch unermüdete Ausdauer 1788 so weit, daß er mit sich selbst über das Verhältnis der Kuhpocke zur Menschenpocke einig wurde. Eine abermals ausbrechende Kuhpockenepidemie gab ihm Gelegenheit, seine Entdeckung praktisch anzuwenden. Am 14. Mai 1796 impfte er zum ersten mal einem achtjährigen Knaben, James Phipps, die Kuhpocken von der Hand einer Melkerin, Sarah Nelmes, ein und erzielte das Resultat, daß die demselben später eingeimpften Menschenblattern ohne alle Wirkung blieben. Er machte seine Entdeckung in der Schrift An inquiry into the causes and effects of the Variolaevaceinaen (Lond. 1798, mit Abbild., deutsch von Ballhorn, Hannov. 1799) bekannt, wodurch sie bald Anerkennung in reichem Maße erhielt und sich schnell über ganz Europa und Amerika verbreitete. Seine Freunde bildeten zur Verbreitung der neuen Entdeckung die Royal-Jennerian-Society, deren Präsident er selbst wurde. Dem James Phipps baute J. aus Dankbarkeit ein Haus und lalten e eigenhändig Rosen in dessen Garten. Seine etzten Lebensjahre verlebte er teils in Cheltenham, teils in Berkeley, wo er 26. Jan. 1823 starb. Seine weitern Beobachtungen über den Gegenstand seiner hauptsächlichsten Forschungen teilte J. in einer Reihe von Schriften mit, die jedoch gegenwärtig selost in England zu den Seltenheiten gehören. Das engl. Volk ehrte J.s Verdienste im J. 1802 durch eine Nationalbelohnung von 10000 Fid. St., im J. 1807 durch eine zweite von 20000 Pfd. St. und im J. 1857 durch die Errichtung einer Statue im Trafalgar-Square zu London. Vgl. Baron, „Life and correspondence of J.v (Lond. 1827; 2 Bde., 1838; 2. Aufl., Lond. 1850); Choulant, „Edward J., Biographie und Charakteristiko (Lpz. 1829); Burggraeve, Monument à Edouard J. ou histoire générale de la vaccines (Brüss. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 833Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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