Johann XXII., Papst 1316—34, geb. zu Cahors 1244, hieß vorher Jakob von Ossa oder Euse. Gewandt, gelehrt und tüchtiger Kanonist, wurde er Roberts, des Sohnes Karls II. von Neapel, Kanzler, später Bischof zu Frejus, 1310 Erzbischof von Avignon, Kardinal und Bischof von Porto. Er wurde 7. Aug. 1316 zu Lyon zum Papst erwählt und behielt seinen Sitz in Avignon. Abhängig von Frankreich, suchte er den Streit zwischen Ludwig dem Bayer und Friedrich von OÖsterreich zu benutzen, um die päpstl. Herrschaft über Deutschland zu befestigen. Lange vermied er die Entscheidung, erst als 1323 der Sieg sich Ludwig zuneigte, erklärte er sich gegen ihn. Ludwig zog nach Rom und ließ sich durch Bischöfe krönen. Berühmte Rechtsgelehrte sprachen dem Papste das Recht ab, in bürgerlichen Angelegenheiten die Entscheidung zu treffen, die Franziskaner stellten sich auf die Seite des Kaisers und dieser ließ 1328 Nikolaus V. zum Gegenpapst wählen. Kaum hatte aber Ludwig Italien verlassen, so nahm J. 1330 Nikolaus V. gefangen, zwang ihn, seiner Würde zu entsagen, und trennte hierauf durch „ein Edikt Italien vom Deutschen Reiche. J. starb 1334 im Alter von 90 J. Er gab die Clementinen (s. d.) und die Ertravaganten (s. d.) heraus, mit 3denen das Corpus juris canonici schließt. taner, hieß vorher Balthasar Cossa, studierte zu „Bologna die Rechte, wurde unter Bonifacius IX. Kämmerer, dann Protonotar, 1402 Kardinal und 1410 auf dem Konzil zu Pisa zum Nachfolger Alexanders V. erwählt. Um das lirchliche Schisma zu beseitigen, faßte das Konzil zu Konstanz den st Beschluß, die drei damals in der Kirche vorhano denen Päpste (Gregor XII., Benedikt XIII. und heJ. XXIII.) sämtlich zur freiwilligen Abdankung zu id bewegen. Wirklich versprach J. 2. März 1415, der 858 Johann v. Luxemburg (König v. Böhn päpstl. Krone zu entsagen, entfloh jedoch gegen seinen Eid 21. März heimlich mit seinen Anhängern nach Schaffhausen. Der nun gegen ihn eingeleitete Kriminalprozeß überwies ihn einer Anzahl grober Schandthaten, wie Mord, Blutschande, Unzucht und Räubereien aller Art, sodaß er 29. Mai feierlich abgesetzt, dann zu Freiburg festgenommen, hierauf aber im Schlosse Gottlieben bei Konstanz, später zu Mannheim und endlich zu Heidelberg in Haft gehalten wurde. Im J. 1419 kaufte er sich los, ging nach Italien, ward vom Papst Martin V. begnadigt und starb im Nov. 1419 zu Florenz, nachdem er kurz zuvor zum Kardinalbischof von Tuscoli und zum Dekan des Kardinalkollegiums ernannt worden war. ö