FeedJökai (spr. Johkoi, Maurus)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Jökai (spr. Johkoi, Maurus), bedeutender ungar. Dichter und Publizist, geb. 19. Febr. 1825 in Komorn, studierte in Preßburg, Päpa (mit Petöfi) und Kecskemét, erlangte 1846 das Advokatendiplom, widmete sich jedoch, ohne jemals die Advokatur auszuüben, frühzeitig der litterarischen Wirksamkeit und schrieb schon 1842 sein erstes Werk, das Drama zsidof (Der Judenknabes). Im J. 1846 erschien sein erster Roman „Hétköznapolo (Werktager), mit dem er sogleich die Gunst des Publikums gewann. Im nächsten Jahre übernahm er die Redaction des damals tonangebenden belletristischen Wochenblatts HEletképek (4Lebensbilder v). Gleichzeitig erschien die erste Sammlung seiner Novellen Vadon virägaiy (Blumen der Wildniso, 2 Bde.). An der polit. Bewegung von 1848 nahm J. hervorragenden Anteil; er war mit Petöfi der Führer der Jugend, welche am 15. März die „Zwölf Punkter (Preßfreiheit u. s. w.) erkämpfte. Nach dem Freiheitskriege mußte er längere Zeit als Flüchtling im Lande herumirren, da er geächtet war; doch entkam er der Verhaftung. Sein erstes Werk nach der Revolution waren die «Forradalmi esataképeko, 1849 (4«Revolutionsschlachtenbilder v). J.s selbständige Werke füllen gegen 300 Bände; aur allen Gebieten der schönen Litteratur, namentlich aber auf dem des Romans, schuf er Werke von bleibendem Wert. Seine bedeutendsten Romane sind: Erdély aranykoras (Siebenbürgens goldene Zeitvo, 1851), A Két szarvü embero (Der Mann mit zwei Hörnerno, 1852), Török viläg Magyarorszägono (Die Türkenherrschaft in Ungarno, 1852), Egy magyar näbobo (Ein ungar. Nabobo, 1854), «Kärpäthy Zoltän (Zoltän Kärpäthy v, 1855)„, KPolitikai divatok (4Polit. Modenv, 1861), Uj földesürs (Der neue Gutsherro, 1862), Mégis mozůog a föld (Und sie bewegt sich dochv, 1866), & köszivü ember fiais (Die Söhne des Mannes mit dem steinernen Herzens, 1867), 1873), A jövõ szäzad regényer (Der Roman des künftigen Jahrhundertsv, 1874), Az arany embero (Der Goldmenscho, 1875), Enyém, tied, övér (Mein, dein, seins, 1876), A½ élet komédiäsai (Komödianten des Lebenso, 1877), & mas (Das Heutes, 1881), Szeretve mind a vérpadigo (4Geliebt bis zum Schafotto, 1882), 4A löcsei fehér asszony (Die weiße Frau von Leutschau», 1884) u. s. w. Von seinen Dramen sind König Kolomano (1855), «Manlius Sinistero (1856), Georg Doszav (1858), Die Märtyrer von Szigetväro (1859) und Miltono (1878) die bedeutendsten. Seine polit. Gedichte erschienen 1880 in zwei Bänden. Fast alle seine Romane erschienen in deutscher übersetzung. Seit 1858 war J. ununterbrochen als Redacteur thätig; früher redigierte er das große polit. Tagesblatt Hono (4Vaterlando), jetzt ist er Chefredacteur des Regierungsblatts Nomzety (Nationo). Das humoristische Wochenblatt Ustököso («Komety) war unter seiner Leitung und Mitarbeit (1858—81) ausgezeichnet. Seit der Wiederherstellung der ungar. Verfassung war J. stets Abgeordneter. Er gehört der liberalen Regierungspartei an, zu deren schlagfertigsten Rednern er zählt. Seit 1848 ist J. mit Rosa Laborfalvi, der ersten Tragödin Ungarns, verheiratet. In der neuesten Zeit redigierte er den ungar. Teil des vom Kronprinzen Rudolf herausgegebenen Prachtwerks «Ssterreich-Ungarn in Wort und Bildo. Vielseitigkeit, Originalität, Fruchtbarkeit, überaus reiche und lebendige Phantasie, fesselndes Erzählertalent und gesunder Humor sind die glänzenden Vorzüge J.s.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 878Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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