Horväth (Michael), ungar. Geschichtschreiber und Politiker, geb. 20. Okt. 1809 zu Szentes im Komitat Csongrad, besuchte das Gymnasium zu Szegedin und widmete sich seit 1825 auf dem geistlichen Seminar zu Waitzen theol und philos. Studien. Nachdem er 1830 die Priesterweihe erlangt, war er 10 Jahre hindurch an verschiedenen Orten in der Seelsorge sowie als Erzieher thätig. Er erhielt w1844 die Professur der ungar. Sprache und Litteratur am Theresianum zu Wien und folgte 1847 einem Rufe als Propst und Pfarrer nach Hatvan, wurde 1848 zum Bischof von Csanäd ernannt und dadurch auch Mitglied des Oberhauses und erhielt nach der Unabhängigkeitserklärung vom 14. April 1849 das Portefeuille des Kultus und des öffentlichen Unterrichts. Nach Niederwerfung der Revolution gelang es ihm, nach dem Auslande zu entkommen. Er lebte seitdem teils in Paris und Brüssel, teils in der Schweiz und Italien. Im J. 1866 erhielt er die Erlaubnis, nach Ungarn zurückzukehren und wurde wiederholt von der Stadt Szegedin, und nach Deäks Tode auch von der Herdksta Budapest zum Abgeordneten in den eichstag gewählt, wo er sich zur gemäßigten Deäk-Partei hielt. H. starb 19. Aug. 1878 in Seine litterarischen Produktionen begann H. mit 12 von der Ungarischen Akademie gekrönten Preischriften, von denen die erstere eine Parallele * chen dem Kulturzustande der Magyaren bei ihrer Einwanderung und dem der übrigen europ. Völker der die zweite eine Geschichte des Handels und er Industrie in — 7 unter den Arpadischen Königen gibt. Die Aufgabe der letztern Schrift, führte er einige Zeit darauf in dem ebenfalls mit dem großen Preis ausgezeichneten Werke &A2 ipar Es kereskedés története Magyarorszägban az utols6 hörom szäzad alatto (Geschichte des Handels und der Industrie in Ungarn während der letzten drei Jahrhundertev, Ofen 1840) weiter aus. 5.8 bedeutendste Arbeiten sind jedoch „A' Magyarok történetev (4Geschichte der Ungarno, 4 Bde., Päpa 1842—46; deutsch, 2 Bde., Pest 1851—55; neue Aufl. 1861), die Monumenta Hungariae historicap (4 Bde., Pest 1857 fg.), sowie eine eingehende Geschichte von Ungarn (6 Bde., Pest 1859 —63; neue Aufl., 8 Bde., Pest 1871—73). Hierzu kamen noch Huszonöt éVv Magyarorszäg történelmeébölo (Fünfundzwanzig Jahre aus der Ges chichte Ungarnso, 2 Bde., Genf 1863; neue Aufl., 3 Bde., Pest 1868; deutsch, Lpz. 1866) und Magyarorszäg függetlenségi harczänak története 1848 és 1849benv (4Geschichte des Unabhängigkeitskriegs in Ungarn 1848 und 18495, 3 Bde., Genf 1865; neue Aufl., 3Bde., Pest 1817—72). Seine kleinern Werke erschienen gesammelt in vier Bänden (Pest 1868). 5.8 letzte Arbeit war A kereszténység elsö szäzada Magyarorszägonv ((Geschichte der Einführung des Christentums in Ungarno, . 1878). H. war Präsident der zweiten (philos.⸗staatswissenschaftlichen und historischen) Sektion der Akademie, der Historischen Gesellschaft und des Landesunterrichtsrats.