FeedJomard (Edme Frangois)
AllerleiBrockhaus 1882

Jomard (Edme Frangois), franz. Geograph und Archäolog, geb. zu Versailles 17. Nov. 1777, nahm 1798 an dem Feldzuge nach Agyyten teil, wo er die alten Denkmäler des Landes zeichnete und beschrieb; 1802 leitete er die topogr. Arbeiten längs der böhm. Grenze und in der Oberpfalz, wurde aber 1803 nach Paris zurückberufen, um an der Redaction der Description de I'Egypter teilzunehmen; 1818 wurde er Mitglied der Akademie der Inschriften, 1828 Custos der Karten und Pläne auf der königl. Bibliothek, 1839 Konservator dieses Departements. Er starb 22. Sept. 1862 zu Paris. J. hat kleinere Schriften über Gegenstände des Unterrichtswesens der Geographie, besonders Afri— kas, sowie über ägypt. Altertumskunde veröffentlicht. jomelli, s. Jommelli. omini (Henri, Baron), russ. Generallieutenant, vorher General des franz. Kaiserreichs, bekannt als Militärschriftsteller, geb. 6. März 1779 zu Peterlingen (Payerne) im Waadtlande, trat in die Schweizergarde in Paris ein und widmete sich nach deren Auflösung dem Kaufmannsstande. Die Revolution in der Schweiz führte ihn 1799 ins Waadtland zurück, wo er Oberstlieutenant der Miliz und Generalsekretär der Kriegsangelegenheiten wurde. Seines Amts bei dem Eintritt der Reaktion verlustig, trat er 1803 zu Paris in ein Handlungshaus, veröffentlichte 1804 seinen Traité des grandes opérations militaireso (3. Aufl., 3 Bde., Par. 1818) und wurde darauf zum Bataillonschef und Adjutanten Neys, 1805 aber vom Kaiser zum Obersten befördert. Als Chef im Generalstabe Neys wohnte er den Feldzügen von 1806 und 1807 in Preußen und in Polen bei, wurde sranz. Baron und folgte 1808 Ney nach Spanien. Bei seinem Chef verleumdet, wurde J. 1809 zur Disposition gestellt, aber 1811 von Napoleon zum Brigadegeneral befördert. Später zum kaiserl. Historiographen ernannt, erhielt er beim Beginn des Feldzugs von 1812 den Auftrag, die Geschichte der Großen Armee zu schreiben. Er war erst Gouverneur von Wilna und dann von Smolensk. Nach der Schlacht von Lützen wurde ö er wieder Generalstabschef des Marschalls Ney. ö J. jedoch, erbittert über die ihm gewordene Zurücksetzung, verließ während des Waffenstillstandes die franz. Fahnen und ging zu den Verbündeten über. Kaiser Alexander erhob ihn zum Generallieutenant und Adjutanten. Doch nahm J. an dem Kriege gegen Frankreich keinen thätigen Anteil. Im J. 1815 folgte er Alexander nach Paris und begleitete 1828 den Kaiser im Feldzuge gegen die Türken. Sehr verdient machte er sich um die Gründung der Militärakademie zu Petersburg. Zur Rechtfertigung seines Abfalls von Frankreich veröffentlichte er 1815 und 1821 zu Paris seinen Briefwechsel mit dem General Sarrazin, Baron Mounier und Capefigue. In der neuern Kriegslitteratur erwarb er sich einen ausgezeichneten Namen durch die Mistoire critique et militaire des campagnes de la révolutiond (5 Bde., Par. 1806; 3. Aufl. unter Mitwirkung des Obersten Koch, 15 Bde., Par. 1819—24). Außerdem veröffentlichte er: «Vie politigue et militaire de Napoléon, racontée par lui-méme au tribunal de Céêsar, d'Alexandre et de Frédérich (4 Bde., Par. 1827; deutsch von Batz, 4 Bde., Tüb. 1828 —29), dazu als Supplement „Précis politique et militaire de la campagne de 1815 (Par. 1839), Précis de Lart de la guerres (Petersb. 1830; 6. Aufl., Par. 1855; die frühere Aufl. deutsch von Wagner, Berl. 1831, und von Bilderling, 2 Bde., Lpz. 1837—39). J. gab auch eine Reihe von Kartenwerken heraus. Später lebte J. litterarisch beschäftigt zu Lausanne, seit 1855 zu Brüssel, siedelte aber bald nach Passy bei Paris über, wo er 24. März 1869 starb. Vgl. Sainte-Beuve,Le général J.„(Par.1869); Lecomte, (Le général J., sa vie et ses écritso (Par. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 880Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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