FeedJähns (Mapy)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Jähns (Mapy), Militärschriftsteller, geb. 18. April 1837 zu Berlin, besuchte die von seinem Großvater K. F. von Klöden begründete Gewerbeschule daselbst, trat 1854 zu Aachen in das 28. Infanterieregiment und wurde 1857 Offizier. Bald darauf veröffentlichte er einige Dichtungen: das Märchenepos „Reinharte (Berl. 1859) und«Ein Jahr der Jugende, lyrische Gedichte (Dresd. 1861). Im J. 1859 bezog J. die berliner Kriegsakademie, wurde dann Regimentsadjutant und schrieb die „Geschichte des 2. rheinischen Infanterieregiments Nr. 289 Göln 1865). Anfang 1865 nahm er den Abschied, um sich germanistischen Studien zu widmen; die Creignisse des J. 1866 führten ihn jedoch in den Dienst zurück; er versah während des Kriegs ein Decernat im Kriegsministerium, und als dann Anfang des J. 1867 beim Großen Generalstab der Nebenetat für wissenschaftliche Zwecke eingerichtet wurde, war J. der erste in denselben aufgenommene Offizier; er ward der geogr.„statist. Abteilung überwiesen. Im J. 1870 fungierte J. als Kommissar des Generalstabs für die Eisenbahn Weißenburg-Paris; 1872 erfolgte seine Berufung auf den Lehrstuhl der Geschichte der Kriegskunst an der Kriegsakademie; 1878 ward er zum Major befördert. Von größern Werken erschienen: Roß und Reiter in Leben, Sprache, Glaube und Geschichte der Deutschen⸗ (Lpz. 1872), Das französische Heer von der großen Revolution bis zur Gegenwarte (Lpz. 1873), Die Schlacht bei Königgrätzv(Lpz. 1876) und das Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens von der Urzeit bis zur Renaissances, mit einem Atlas von 100 Tafeln (Lpz. 1880). Außerdem sind noch hervorzuheben die „Jugenderinnerungen K. F. von Klödenso (Lpz. 1874). ahr nennt man in der Regel den Zeitabschnitt, welcher den einmaligen Wechsel der in regelmäßiger Aufeinanderfolge stets wiederkehrenden vier Jahreszeiten umfaßt. Alle Verrichtungen des Ackerbaues sind so eng an denselben geknüpft, daß der Mensch, lange ehe er seine astron. Ursachen völlig erkannt hatte, ihn als einfachstes Maß der Zeit benutzt hat. Daher ist dieser Zeitabschnitt für die Geschichte das wichtigste aller Zeitmaße, indem die Kenntnis, wie bei den verschiedenen Kulturvölkern die Länge und der Anfang des Jahres bestimmt wurde, die Grundlage der gesamten Chronologie bildet. Die alten Kulturvölker mit Ausnahme der Agypter kannten vermutlich nur das Mondjahr. Man wählte als Einheit für das Zeitmaß die Summe von 12 aufeinanderfolgenden Mondumläufen, da man wahrnahm, daß diese Periode etwa mit der des einmaligen Wechsels der Jahreszeiten zusammenfiel. Da eaber ein Umlauf des Mondes um die Erde sehr nahe 29½ Tage erfordert, so Per man ein Jahr von Tagen Länge, also eine Periode, die um 11 Tage zu kurz war. Trotzdem war dieses Mondjahr bei den alten Griechen und Römern und ist 3e Ume bei den Mohammedanern in Gebrauch. Die Unregelmäßigkeit dies uuch Eiuschicbun welche die Römer von Zeit zu Zeit durch Einschiebung eines Schaltmonats auszugleichen suchten, führte bei den meisten civilisierten Völkern bald zu ihrer Abschaffung, nur die Mohammedaner behielten sie bei, da sich an die Zeit des Neumondes gewisse religiöse Gebräuche knüpften. Bei den alten Agyptern findet man die Zählung des J. zu 12 Monaten, jeden zu 30 Tagen, und 5 Zusatztage. Da dieses J. von 365 Tagen um etwa 6 Stunden zu — ist, so mußte im Laufe einer Periode von 1460 J. (der Sothisperiode) jede Jahreszeit nacheinander in die 12 Monate fallen und nach Ablauf derselben wieder zu demselben Datum zurückkehren. Die Mängel des Mondjahres führten endlich zur Annahme des Sonnenjahres, welches den Zeitraum eines einmaligen Umlaufs der Erde um die Sonne l(oder, nach dem irrigen Glauben der Alten, der Sonne um die Erde) umfaßte. Das Sonnenjahr ist entweder ein astrono1 5 oder ein bürgerliches. Das erstere umfaßt die Periode, innerhalb welcher die Sonne von einem bestimmt gewählten Anfangspunkte der ählung zu diesem wieder zurückkehrt. Je nach der gahl dieses Anfangspunktes ist dasselbe ein siderisches, tropisches oder anomalistisches J. 1) Das mmaude Jahr oder Sternjahr ist die wahre imlaufszeit der Erde, nach deren Ablauf die Sonne wieder bei demselben Fixstern der Ekliptik erscheint, m Dauer beträgt nach Hansen 365 Tage 6 Stunen 9 Minuten 9,35 Sekunden. 2) Das tropische Jahr ist die Zeit, welche die Sonne gebraucht, um vom Uarlanden. Dar ausgehend wieder zu demsel— ben zu gelangen. Da nun der Frühlingspunkt jährlich um 50,2 in der CEkliptik zurückweicht, so erreicht die Sonne denselben wieder, ehe sie einen eigentlichen Umlauf vollendet hat, und das tropische J. ist um 20 Min. 22,1 Sek. kürzer, als das siderische, nämlich um diejenige Zeit, welche die Sonne ge— braucht, um in ihrer Bahn den Bogen von 50,2“ zurückzulegen. Da aber das Zurückweichen der Aqui— noktialpunkte nicht immer genau gleichbleibt, son— dern allmählich im Wachsen begriffen ist, so nimmt auch das tropische d. in jedem Jahrhundert um 0,595 Sek. ab. Noch durch eine andere Ursache verändert das tropische J. seine Dauer, durch die Nutation oder die periodische Schwankung der Erd— achse. Durch dieselbe entstehen Schwankungen in der Bewegung der Äquinoktialpunkte, welche sich nach Ablauf einer Periode von 19 J. wiederholen. Sieht man von diesen Schwankungen ab, so erhält man das mittlere tropische Jahr, dessen Länge (1800) 365 Tage 5 Stunden 48 Min. 46,42 Sek. betrug. Der Name atropisches Jahro rührt daher, daß die alten Astronomen seine Länge nach dem Eintritt der Sonne in die Wendekreise (tropicus) bestimmten, in welchen die Mittagshöhe der Sonne ihren größten und kleinsten Wert erreicht. 3) Das anomalistische Jahr ist derZeitraum von einem Durch— gang der Erde durch ihre Sonnennähe bis zum nächsten. Da der Punkt der Sonnennähe infolge der Störungen der übrigen Himmelskörper im Mittel jährlich um 11,5“ in der Ckliptik vorrückt, so ist das anomalistische I. im Mittel um 4 Min. 39,15Sek. länger als das siderische, seine Dauer beträgt daher 365 Tage 6 Stunden 13 Min. 48,5 Sek. Unserm Kalender liegt das tropische J. zu Grunde, da dieses den Wechsel der Jahreszeiten begreift. Dasselbe wird zum bürgerlichen J. dadurch, daß man die gemeinen J. mit dem 365. Tage abschließt, und die Summe der überschießenden Stunden, Minuten, Sekunden jedem 4. J. als 366. Tag anhängt, indem man im Februar einen Tag (Schalttag) einfügt. Großes oder platonisches Jahr nennt man die Periode von etwa 26000 J., innerhalb welcher der Weltpol einen Umlauf um den Pol der Ekliptik vollendet. Kirchenjahr nennt man die Folge der kirchlichen Sonn⸗-und Feiertage. Dasselbe beginnt in der prot. und römisch-kathol. Kirche mit dem 1. Advent.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 779Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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