FeedJörg (Jos. Edmund)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Jörg (Jos. Edmund), einer der Führer der ultramontanen Partei in Bayern, geb. 23. Dez. 1819 zu Immenstadt im Algäu, machte seine theol. Studien in München. Als mehrjähriger Amanuensis Döllingers ward er zum histor. Fach angeleitet, trat 1847 in den Archivdienst und erhielt 1852 das Amt eines Kreisarchivars von Niederbayern auf Schloß Trausnitz bei Landshut. Als Frucht seiner fleißigen Quellenstudien erschien sein Hauptwerk: «Geschichte des großen Bauernkriegs (Freiburg i. Br. 1850). Später veröffentlichte er noch die Tendenzschriften: «Geschichte des Protestantismus in seiner neuesten Entwickelung (2 Bde., Freiburg i. Br. 1857) und „Geschichte der sozialpolit. Parteien in Deutschland⸗(Freiburg i. Br. 1867). J. übernahm 1852, nach Guido Görres' Tod, die Redaction der Histor.⸗ polit. Blätter v, für welche er zahlreiche Abhandlungen verfaßte und in deren „Zeitläufteno nachher seine ganze schriftstellerische Thätigkeit aufging. Seit 1865 Mitglied der bayr. Kammer sah er sich durch den Ausfall der Landtagswahl von 1869 neben Ludwig Weis u. a. an die Spitze einer oppositionellen Majorität, der Partei der 4Patrioteno, gestellt und veranlaßte durch die von ihm verfaßte, gegen den Ministerpräsidenten Fürsten von Hohenlohe gerichtete Adresse (Febr. 1870) den Sturz desselben, konnte aber im Juli 1870 die bewaffnete, von ihm als Referenten beantragte Neutralität Bayerns in dem ausbrechenden Kriege und im Jan. 1871 die Verwerfung der Versailler Verträge nicht durchsetzen. Im Okt. 1875 verfaßte und verteidigte er als Referent die Adresse der neugewählten Kammer, worin in schroffem Ton die Entlassung des Ministeriums gefordert wurde. Aber der König nahm die Adresse nicht nur nicht an, sondern versicherte auch die Minister seines vollen Vertrauens. Der von 0 eingebrachte Initiativgesetzentwurf we— gen Erlassung eines neuen Landtagswahlgesetzes, zu dessen Annahme eine Zweidrittel-Mehrheit gehörte, wurde 28. Juni 1876 verworfen. Im J. 1881 zog er 3 vom parlamentarischen Leben vollständig zurück. J. war auch 1868 Mitglied des Zollparlaments, in welchem er sich der Süddeutschen Fraktion anschloß, und 1871—78 Mitglied des Reichstags, in welchem er der Centrumspartei angehörte. orio Vasso di San, deutsch Jöriberg) heißt ein Saumpaß der ital. Schweiz, der in circa 9 Stunden von Bellinzona im schweiz. Kanton Tessin nach Gravedona am Comersee in der ital. Provinz Como führt. Der Weg zum J. zweigt bei Giubiasco (7 km südlich von Bellinzona) von der Gotthardbahn und Straße ab und steigt östlich durch Val Morobbia zur Paßhöhe (1956 m) hinauf, welche die Grenze zwischen der Schweiz und Italien und die Wasserscheide zwischen dem Ticino und der Adda bildet. Auf der ital. Seite gabelt sich der Weg, um einerseits über Brencio, andererseits uber Garzeno und Germaseno Gravedona zu erreichen. Rauh, schattenlos, schlecht unterhalten, wird der früher belebte Paß, trotz der prächtigen Aussicht, welche die Paßhöhe und der Abstieg zum Comersee bieten, wenig mehr begangen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 887Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6