FeedJunot (Andoche, Herzog von Abrantes)
GeschichteBrockhaus 1882

Junot (Andoche, Herzog von Abrantes), franz. General, geb. 23. Okt. 1771 zu Bussy-le-Grand, war beim Ausbruch der Revolution Student der Rechte, trat aber 1792 in ein Freiwilligenbataillon. Seine Unerschrockenheit während der Belagerung von Toulon (1793) verschaffte ihm die Gunst Bonapartes, zu dessen Getreueno er fortan gehörte. Er begleitete 1796 Bonaparte als Adjutant nach Italien, sodann nach Agypten, wurde rasch Brigadegeneral, 1800 Kommandant von Paris und Divisionsgeneral und bei Errichtung des Kaiserreichs (1804) Generaloberst der Husaren und Großoffizier der Ehrenlegion. Napoleon schickte ihn 1805 als Gesandten nach Lissabon. Aber bald verließ er diesen Posten eigenmächtig, erschien bei der franz. Armee in Deutschland und schlug sich tapfer in der Schlacht von Austerlitz. Im Juli 1806 ernannte ihn der Kaiser zum Gouverneur von Paris und Kommandanten der 1. Militärdivision. In dieser Stellung kompromittierte er sich vielfach, sodaß ihm Napoleon 1807 das Kommando über ein bei Salamanca zur Besetzung Portugals gebildetes Armeekorps übertrug. J. führte dieses Korps im Nov. 1807 unter großen Beschwerlichkeiten von Spanien nach Portugal, langte am 23. mit einem Teil der Truppen zu Abrantes an und marschierte von hier mit 1500 Grenadieren auf Lissabon, das er 1. Dez. besetzte. Regierung und Volk unterließen in der Überraschung jeden Widerstand. Napoleon bestätigte J. als Generalgouverneur Portugals und erob ihn zum Herzog von Abrantes. Als aber der ufstand von Spanien nach Portugal übergriff und eine engl. Armee unter Wellington im Aug. 1808 landete, warf er sich ohne Vorbereitung den Engländern entgegen und schloß, nachdem er bei Vimeiro geschlagen worden, 30. Aug. 1808 die Konvention von Cintra ab. J. kämpfte dann 1809 gegen Österreich und wurde 12. Juni bei Berneck von General Kienmayer geschlagen. Er erhielt 1810 wieder ein Kommando in Spanien und drang unter Masseénas Oberbefehl in Portugal ein, wo er während des Feldzugs schwer im Gesicht verwundet wurde. Im J. 1811 war er Gouverneur von Illyrien. Im Feldzuge von 1812 gegen Rußland führte er ein Armeekorps, ging 1813 als Generalgouverneur der Illyrischen Provinzen nach Venedig und verfiel hier in Geisteszerrüttung. Man brachte ihn nach Montbard im franz. Depart. Cöte-d'Or, wo er sich 22. Juli 1813 aus dem Fenster stürzte und den Schenkel brach. Einige Tage darauf (29. Juli) starb er infolge der Amputation. Seine Gattin, Laure, Herzogin von Abrantes, geborene Permon (geb. zu Montpellier 6. Nov. 1784), wurde zur Hofdame der Mutter des Kaisers ernannt und zerrüttete durch verschwenderisches Leben die Vermögensverhältnisse der Familie. Als Witwe lebte sie in dürftigen Verhältnissen vom Ertrage ihrer Feder, schrieb Feuilletons, Memoiren, namentlich Souvenirs historiques sur Napoléon, la Révolution, le Directoire, le Consulat, I'Empire et la Restaurationo (18 Bde., Par. 1831—35), und Romane, «L'amirante de Castillep (1832), 4„Scènes de la vie espagnolen (1837), (Histoire des salons de Pariso (1837), und starb 7. Juni 1838 im Nonnenkloster Abbaye-aux-bois bei Paris. — Napoléon Andoche J., Herzog von Abrantes, der älteste Sohn des vorigen, geb. 1807, erhielt von Ludwig XVIII. den Herzogstitel zurück und widmete sich der diplomatischen Laufbahn, die er aber zerrütteter Vermögensverhältnisse wegen aufgeben mußte. Er wandte sich sodann der Schriftstellerei zu, verfaßte kleine Theaterstücke und novellistische Arbeiten, darunter Les boudoirs de Pariso (6 Bde., Par. 1844 - 45), und starb im März 1851 zu Paris. — Sein jüngerer Bruder, Adolphe Alfred Michel J., geb. 1810, erbte den Herzogstitel und starb als franz. Oberstlieutenant 23. Juli 1859 infolge seiner Verwundung in der Schlacht bei Solferino. — Die ältere Schwester der Brüder, Josephine J. d' Abrantes, verehel. Amet, geb. 6. Jan. 1802, hat moralische Erzählungen veröffentlicht, während die jüngere, Constance J. d'Abrant's, verehel. Aubert, geb. 12. Mai 1803, als Romanschriftstellerin und Journalistin bekannt geworden ist. unta, Buchdruckerfamilie, s. Giunti. unta, d. i. Vereinigung, heißt in Spanien jede zur Aeaneit irgend einer politischen oder Staats— angelegenheit zusammengetretene oder niedergesetzte Versammlung. Ehedem nannte man so vorzugsweise die ohne Berufung durch den Monarchen eigenmächtig zusammengetretenen Versammlungen der Volksrepräsentanten und mitunter auch die ordentlich einberufenen Cortes selbst. Karl II. ernannte aus Staatsmännern eine Große Junta zur Bestimmung der Kompetenz der Inquisition. Am berühmtesten ist die von Napoleon 1808 nach Bayonne zusammenberufene J., sowie die von den aufgestandenen Spaniern gebildete Centraljunta mit ihren Provinzialjunten. Als im Herbst 1868 die Revolution den bourbonischen Thron stürzte, bildete sich in Madrid eine Centraljunta als Gesamtvertretung aller revolutionären Junten des Landes, welche sodann der provisorischen Regierung (Serrano, Prim, Topete) die Exekutive übertrug. Durch die unter Alfons XII. erfolgte Aufhebung der baskischen Fueros ist die sog. Junta foral, welcher die Wahrung der Sonderrechte der Baskenländer oblag, ihrer Bedeutung entkleidet worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 930Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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