Kabylen, eigentlich K'bail, d. h. Verbündete (Plural des arab. Wortes k'bila, Bund, Vereinigung), heißen die Berbern (s. d.) in Algerien im allgemeinen, vorzugsweise aber die im Küstengebirge hausenden Stämme derselben, während ihre Stammgenossen im innern Gebirge Aures unter dem Namen Schauja (Chaduia), d. h. Hirten, in den südl. Oasen Wadi-R'ir, Temasin, Wargla u. s. w. unter dem Namen der Beni-Mezäb (s. d.) oder Mezabiten, in der Wüste Sahara als Tuareg oder Imoschagh, in Marolko als Amazirghen, Schilluh, Rifpiraten u. s. w. bekannt sind. Der Census von 1881 ergab für die gesamte einheimische, also auch die arab. Beduinen und Mauren umfassende Bevölkerung Algeriens 3310 412 Seelen, wovon auf die Berbern die größere Hälfte der 2463040 (inkl. Araber) zählenden Eingeborenen kamen. So ausgedehnt aber auch der Verbreitungsbezirk des merkwürdigen Volks ist, nennt man Kabylenland oder Kabylien doch nur den meist sehr hohen, mit Felsspitzen besetzten östl. Teil der Wunduug Bugia vom Wed-Sahel, an dessen Mündung Bugia liegt, bis zur Mündung des Wed-Sebaou, und unterscheidet hier wieder Gro ßkabylien (la Grande-Kabylie) oder den westlichen, fast anz zur Provinz Algier gehörigen Teil, welcher vom ed-Isser bis zur Mündung des Wed-Sahel reicht, und Kleinkabylien (la Petite-Kabylie), den östl. Teil in der Provinz Konstantine mit dem 1979 m hohen Großen Babor. Großkabylien, ein großartiges, fast alpines Bergrevier, ausgezeichnet durch Wasserreichtum, üppige Vegetation, dichte Bevölke. rung und guten Anbau, wird durch den Hauptgrat des Dscherdschera, des wichtigsten Teils des tellischer Atlas, im Lalla-Chedidscha 2317 m hoch, in zwe Hälften geteilt. Kabylien hatte lange mit Hilfe sei ner unzugänglichen Berge schon gegen die Karthager seine alte Unabhängigkeit fast gänzlich bewahrt Die planmäßigen Expeditionen der Fran osen begannen zwar schon 1842 unter Marschall Bugeaud, aber erst mit der im Mai und Juni 1857 unter Randon erfolgten Unterwerfung des nördl. Teils von Großkabylien sah man die sämtlichen Stämme der K. als völlig unterworfen an. Zur kaukas. Rasse gehörig, sind die K. im allgemeinen mittlerer Statur, mager, dabei von starkem Knochenbau. Ihre sonnverbrannte Haut spielt vom Dunkelbraun ins nenlger Biehr Sie haben feste Wohnsitze, treiben and o iehzucht als Spatenwirtschaft, Oliven-und Obstkultur und bebauen die Ire3 und Bergabhänge mit großer Sorgfalt. Ihre Industrie besteht in Fertigung von Ackergeräten, Messern, Waffen, Schießpulver, Haiks und Burnussen, Teppichen, Leder, geflochtenen Matten, Holz⸗ und groben Töpferwaren. Fast alle Stämme haben Wassermühlen und Olpressen zur Verwertung der Früchte der das ganze Gebirge bedeckenden Olivenwälder. Chara teristisch ist ihr Handelsgeist und ihre Liebe zum Gelderwerb. Die Blutrache gilt ihnen als Ehrengesetz und kann nicht durch Geld abgekauft werden. Gastfreundschaft wird gegen jedermann, ohne Unterschied der Nationalität und der Religion, geübt. Bis jetzt gehört diese Region noch zu den militärischen Territorien Algeriens. Die Bewohner zerfallen in Stämme, welche von Kaids regiert werden; diese dann in Ferkas oder Gemeinden, von Scheikhs verwaltet, und diese in Dürs oder Dörfer, unter einem Amin stehend, und Weiler. Mehrere vereinigte Stämme bilden eine von einem Aga überwachte Gruppe. Die K. haben nur Kopfsteuer zu zahlen. Die interessanteste Verbindung kabyl. Stämme war die der Su a w ah (Zouaoua) auf dem Nordabhange der Dscherdscherakette, welche bis 1857 eine mächtige und gefürchtete polit. Körperschaft bildete. Als die Franzosen in Algerien nach dem Muster der brit.⸗ostind. Seapoys eine inländische Truppe gründeten, aben sie derselben den Namen der kriegerischen uawah, woraus das Wort Zuave (s. d.) entstanden ist. Vgl. Hanoteau und Letourneur, La Kabylie et les coutumes kabyles (2 Bde., Par. 1873); Farine, Kabyles et Kroumirsv (Par. 1881½.