Indische Religion. Indien ist das wichtigste Land der Erde für die Geschichte der Religion, die hier in den verschiedensten Formen zur Erscheinung elangt ist. Die wichtigste ist die religiöse Entwickeung der ind. Arier, in welcher sich auf Grund der zugänglich Geinaetrere Quellen vornehmlich folgende allmählich eingetretene Stufen unterscheiden lassen: 1) Die alte Lehre der Vedas. Nach den Hymnen, welche in den Vedas enthalten sind, werden die persönlich gedachten, aber bei weitem weniger als bei den Griechen vermenschlichten Naturerscheinungen als Götter verehrt; dieselben haben den Gesamtnamen Devas (die Himmlischen) oder Asuras (die Lebendigen) oder Adityas (die Söhne der Aditi, der als die Göttermutter gedachten Unendlichkeit). Einer der ältesten, bereits der indogerman. Vorzeit angehörenden Götter ist Dyaus, der Himmel, als dessen Gemahlin die Erde (Prithivi) gilt; er tritt aber schon im Veda etwas zurück gegen einen andern, spezifisch ind. Himmelsgott Indra (s. d.), der am häufigsten an der Spitze der Götter erscheint. Sodann genießen eine hohe Verehrung Agni, der Gott des Feuers, Surya oder Savitar, auch Puschan genannt, der Sonnengott, Uschas, die Göttin der Morgenröte, die beiden Asvins oder Reiter, Varuna, ein Himmelsgott, aber auch zugleich der Vorsteher der physischen und sittlichen Weltordnung, äufig in Verbindung mit dem freundlichen Gotte itra angerufen, Soma, ursprünglich die Personifikation des berauschenden Trankes aus der Pflanze gleichen Namens, Brihaspati, die personifizierte Kraft des Gebets u. s. w. Über die Verehrung dieser Naturkräfte, welche vielleicht bei dem größern Teile des Volks den Hauptbestandteil der Religion ausmachte, erhebt sich aber schon in den spätern vedischen Schriften, namentlich den Upanischads, der höhere Gedanke eines einzigen unend— lichen Urhebers der Welt, durch welchen die als Gottheiten gedachten Naturkräfte walten, und gegen welchen sie nur als untergeordnete, vergängliche Wesen erscheinen. Dieser unendliche Urheber der Welt ist der Brahma (s. d.). Durch sein Wort traten die Wesen der sichtbaren Welt in das Dasein, und eine seiner vorzüglichsten Manifestationen ist die Sonne. Durch Tugend, Schuldlosigkeit und Andacht soll der Mensch seine Seele auf Erden läutern. Nach dem Tode wird die Seele nach Maßgabe ihres frühern Betragens in einen neuen Körper versetzt, sodaß der Mensch als höheres oder niedriger stehendes Wesen, ja als Tier oder Pflanze wiedergeboren wird, ein wesentlicher Unterschied von dem ältern Glauben an eine als Lohn für den frommen Wandel gewährte Unsterblichkeit. Zuletzt kehrt die völlig geläuterte Seele in den Schoß des Urwesens zurück, aus welchem sie hervorging. 2) Die spätere Naturverehrung der Epos und der Puränas, die sich allmählich aus der einfachern Lehre der Vedas entwickelte. Auch hier erscheinen einzelne Naturkräfte, Elemente und Naturwesen als Gottheiten oder als von göttlichen Vorstehern regiert. Die Sagen und Dichter trugen die Geschichte dieser zahlreichen Naturgötter in weit ausgedehnten Kreisen von Mythen vor. Die drei Hauptgottheiten, welche besonders hervortreten und die nachvedische Göttertrias (Trimurti, eigentlich Dreigestalt) bilden, sind Brahma, Siva und Vischnu. Siva, d.h. der Glückliche, wahrscheinlich die Feuerkraft, als Beleberin und Zerstörerin des Weltalls gedacht, ist der Hauptgegenstand der Verehrung der zahlreichen Religionspartei der Sivaiten, welche ursprünglich im nördl. Indien ihren Sitz gehabt zu haben scheint, aber nachher auch weiter sich verbreitete. Siva führt die Beinamen Jsvara, d. i. Herrscher, Mahädeva, d. i. großer Gott, Rudra, d. i. Fürchterlicher, Sthänu, d. i. der Beständige, u. s. w. Er wird dargestellt mit weißer Hautfarbe, drei Augen, vier Armen und einen Dreizack tragend, zur Bezeichnung seiner Herrschaft über die drei Welten. Symbole dieses Gottes sind der mit der Spitze nach oben gekehrte Triangel (), welcher die Flamme andeutet, und das Linga oder der Phallus (s. d.) zur Bezeichnung der belebenden, zeugenden Naturkraft Sivas. Seine Gattin erscheint in verschiedenen Gestalten und heißt bald Bhaväni, d. i. Natur, bald Pärvati, Tochter des Bergs, weil Siva im Gebirge wohnt; bald Durgä, d. i. Schwernahbare, bald Käli, als schreckliche Zerstörerin des Weltalls. Abteilungen der Sivaiten sind die Saktas, welche vorzüglich die Bhaväni oder weibliche Naturkraft, die Lingis, die das Linga oder die männliche Naturkraft, und diejenigen, welche den Siva als Ardhanäri, d. i. Mannweib, oder als männliche und weibliche Kraft in sich vereinigend verehren. Vischnu, d. i. der Durchdringer, wahrscheinlich der Ather, als belebendes Prinzip des Weltalls, ist der Hauptgegenstand der Verehrung der Religionspartei der Vischnuiten, welche gegenwärtig die weitverbreitetste in Indien zu sein scheint. Vischnu hat einen mildern Charakter als Siva. Auch er führt zahllose Beinamen; einer der häufigsten ist Hari, d. i. der Grüne; wie er denn auch grünfarbig oder dunkelblau dargestellt wird. Eins seiner Hauptattribute ist die Lotosblume. Oft scheint unter Vischnu auch das Wasser gedacht zu sein, und hierauf bezieht sich vielleicht sein Symbol, der Triangel mit der Spitze nach unten (C), als Zeichen des Wassers. Seine 37800 Sri, d. i. Glückseligkeit, oder Lakschmi, d. i. Schönheit. Die Verehrung Vischnus scheint besonders bei dem gebildetern Teile des Volks Eingang gefunden zu haben. Der den Vischnu betreffende Mythenkreis erzählt vorzüglich die zehn Verkörperungen desselben oder seine körperlichen Erscheinungen in der Welt, Avatäras, d. i. Hinabsteigungen genannt, welche er annahm, um das Böse zu überwältigen, und mit denen die Puränas sich viel beschäftigen. Diese Verkörperungen ent-Uümort teils physische und religiöse Ideen, teils histor. Sagen. Unter dem Namen Dschagan-nätha, d. i. Weltherrscher, wird Vischnu auf der Küste Koromandel und anderwärts verehrt. 3n Neben diesen drei Hauptgöttern erscheint im Volksglauben und in den Sagen der Dichter noch eine große Anzahl Untergötter, welche meist Personifikationen physischer Gegenstände sind. Dahin ehören zuvörderst die vier (oder acht) Welthüter: Wworg, d. i. das sichtbare Firmament, Agni, d. i. das Feuer, Nama, d. i. die Unterwelt, Varung, d. i. das Wasser, Sürya, d. i. die Sonne, sodann Vayu, d. i. der Wind, Prithivi, d. i. die Erde, und Soma, d. i. der Mond; ferner Skanda oder Kärttkeja, der Führer der Götterheere, Ganesa, der Gott der Klugheit und Gelehrsamkeit, Käma, der Gott der Liebe, Kubera, der Gott des Reichtums, und Gangä, die Nymphe des Ganges u. s. w. Diesen folgt eine lange Reihe Halbgötter, Dämonen, heilige Wesen und Helden, z. B. die Gandharvas oder himmlischen Sänger, die Apsarasas oder himmlischen Nymphen, die nsener oder Schatzhüter im Gebirge, die Räkschasas oder Kobolde und die Kinnaras oder Waldmenschen. Die äußere Verehrung dieser Götter bestand und besteht noch gegenwärtig bei den Indiern in Opfern, Gebeten, Waschungen, Wallfahrten zu heiligen Orten und Büßungen. Doch herrscht hierin in den verschiedenen Landschaften und Städten große Verschiedenheit, sowie denn auch an den einzelnen Orten bald dieser, bald jener Gott vorzugsweise verehrt wird, und zwar bald in dieser, bald in jener speziellen Darstellung und Form. Übrigens ist die polit. Einteilung der ind. Bevölkerung und das ganze System der Kasten (s. d.) mit den religiösen Mythen eng verknüpft und durch dieselben geheiligt. Nach den Priestern der Relind den Brahmanen (s. d.), wird die nationale ind. Religion gewöhnlich Brahmanismus genannt. 3) Der Bud dhismus oder die Lehre des Buddha (. d.), etwa um 500 v. Chr. entstanden, welcher die Götter und das Kastensystem verwirft, die Gleichberechtigung aller Menschen lehrt und das Panter Ziel in die durch Vernichtung der Leidenchaften und wahre Erkenntnis zu erreichende Erlöschung der Existenz (Nirväna) setzt. 4) Die Religion der Dschainas oder der Anhänger des Dschina (Mahävira), gleichzeitig mit dem Buddhismus entstanden und mit diesem in vielen Stücken verwandt, scheint vom 8. bis 11. Jahrh. n. Chr. im südl. Indien weit verbreitet gewesen zu sein, wo noch jetzt ihr Hauptsitz ist. Prachtvolle alte Marmortempel der Dschainas findet man besonders in der Provinz Guzerate und den Staaten der Radschputs. Sie nehmen die ind. Götterwelt an in Art und Weise der Vischnuiten; hauptsächlich verehren sie ihre 24 ältesten Lehrer, Arhats, d. i. Würdige, oder Tirthakaras, d. i. Erretter genannt, und Bildsäulen derselben sind in den Tempeln aufgestellt. Das Ansehen der Vedas verwerfen sie; doch lesen sie die Puränas. Ihre heiligen Bücher sind zum Teil in der Präkritsprache abgefaßt. Gleich den Buddhisten empfehlen sie ein schuldloses und ascetisches Leben; nicht das geringste lebende Wesen darf getötet werden, weshalb sie auch Tierhospitäler für alle Arten der Tiere unterhalten. Durch reines Leben wird nach ihrer Ansicht die Seele endlich so geläutert, daß sie zum Nirväna, d. h. zur vollständigen Per Hauptort: mit der Weltseele, gelangen kann. Der Hauptort ihres Kultus ist jetzt Balligota nicht weit von Seringapatam in Mysore, wo au ihr Oberpriester seinen Sitz hat. Etwa seit dem eginn unserer Zeitrechnung teilen sich die Dschainas in Svetämbaras und Digambaras (Weißge-Ueidete und Nackte), welche beiden Sekten sich aber weniger durch ihre Lehre als durch ihren bei der letztern einer strengern Regel unterworfenen Lebenswandel unterscheiden. Die Gemeinde zerfällt wiederum in Srävakas, d. i. Hörende oder Laien, und Jatninas, d. i. Strebende oder Priester. Außerdem gibt es in Indien eine unzählige Menge von Religionssekten, die seit einer Reihe von Jahrhunderten sich entwickelt haben. Ihrem Grundwesen nach sind dieselben gegenwärtig insgesamt monotheistisch und von dem Streben durchdrungen, die Anhänger der verschiedenen religiösen Systeme in Gtiite zu verschmelzen und zu vereinigen. Die wichtigste unter ihnen sind die Sekte der Sikhs (s. d.), die auch eine Zeit lang eine bedeutende polit. Rolle gespielt hat, und in neuester Zeit der Brahmasomadsch (s. d.), welcher möglichste Annäherung aller Religionen unter Aufhebung der verschiedenen Kultusformen anstrebt. Eine befriedigende Darstellung der ind. Religion, der leitenden Ideen derselben, des Kultus und der Mythologie in der histor. Entwickelung fehlt noch. Das beste Material dazu lieferten die Engländer Colebrooke (Essays on the religion and philosophy of the Hinduso, 2. Aufl., Lond. 1858) und Wilson in zerstreuten Abhandlungen. Vgl. ferner Moore, (Hindu Pantheon (Lond. 1810; neue Aufl. von Simpson, Madras 1864); Coleman, Mythology of the Hinduso (Lond. 1832); Muir, «Original Sanskrit Texts, etc.o (Bd. 4, Lond. 1863; 2. Aufl. 1873); Wurm, Geschichte der ind. Religion im Umriß dargestellto (Basel 1874); Trumpp, «Die Religion der Sikhso (Lpz. 1881), und die Arbeiten von Lassen, Benfey, Roth, Max Müller, Albr. ndische Sprachen nennt man gewöhnli die ganze beträchtliche Anzahl der im vordern Indien einheimischen Sprachen, in der Wissenschaft jedoch faßt man unter dieser Benennung nur diejenigen ind. Sprachen zusammen, welche dem indo— german. Sprachstamme zugehören und eine der acht Hauptgruppen desselben bilden. An ihrer Spitze steht das Sanskrit (s. d.), die wenn auch nicht lautlich, so doch flexivisch ursprünglichste der uns erhaltenen indogerman. Sprachen, zu welcher sich das Altiranische, Altarmenische, Altgriechische, Lateinische, Keltische, Germanische und Letkoslawische wie jüngere Schwestern, die auf ind. Boden entwickelten Idiome aber wie Töchter zu ihrer Mutter verhalten. Zunächst entwickelte sich aus derselben die von den Indern mit dem Namen Präkrit (s. d.) bezeichnete Vulgärsprache (bhasha), welche schon im 3. Jahrh. v. Chr., wie Inschriften aus der Zeit des Asoka beweisen, in wenigstens drei Hauptdialekten die Sprache des gewöhnlichen Lebens geworden war, gegenüber dem Sanskrit, das, durch die Grammatiker fixiert, von nun an als Hochsprache nur in den Schulen und in den Werken der Wissenschaft und Litteratur fortlebt. Daher sprechen in den ind. Dramen auch nur Personen von Rang, Fürsten und Brahmanen, in Sanskrit, während sich die Personen aus dem Volke und die Frauen verschiedener Präkritmundarten bedienen. Namentlich diese Anwendung des Präkrit in der dramatischen Litteratur mag Veranlassung zu der frühzeitigen grammatischen Bearbeitung desselben gegeben haben. Der gefeiertste Präkritgrammatiker ist Vararutschi (herausg. von Cowell, Lond. 1854; 2. Abdruck, Lond. 1868), nach ihm Hematschandra (herausg. zu Bombay 1873 und von Pischel, Halle 1877 und 1880; vgl. auch Lassen, UInstitutiones linguae Pracriticaes, Bonn 1837, und Pischel, De grammaticis Pracriticis v, Bresl. 1874). Die Eer Mr Bücher der Dschainas sind ebenfalls in einer Mundart des Präkrit abgefaßt; vgl. Ed. Müller, (Beiträge zur Grammatik des Jaina-Präkrito (Berl. 1876), und manche andere, namentlich poetische Sprachdenkmäler. Aus einer der zur Zeit des erblühenden Buddhismus gesprochenen Präkritmundarten entwickelte sich das Päli (s. d.), welches, von den Buddhisten mehrfach zur Abfassung ihrer heiligen Schriften verwendet, so zur heiligen Schriftsprache für diese wurde und sich dann mit dem Buddhis— mus nach Ceylon und Hinterindien verbreitete. Noch gegenwärtig entspricht die Anwendung des Päli daselbst ganz der des Lateins in Europa in den frühern Jahrhunderten; Schriften, welche auf eine weitere Verbreitung berechnet sind, besonders die, welche religiöse Gegenstände behandeln, werden in dieser Sprache geschrieben. Unter den einheimischen Grammatiken ragt die des Katschtscha— hana hervor (eIntroduction to Katschtschayana's grammaro von d'Alwis, Colombo 1863), auch mehrfach von Europäern bearbeitet; am populärsten ist die vielfach in Päli und singhales. Sprache kommentierte des Bälävatära, unter den Wörterbüchern die Abhidhaàna-ppadipikäs des Moggalana (erstere bearbeitet, letztere herausg. von Clough, Colombo 1824; neue Aufl. des Wörterbuchs von Waskaduwe Subhüti) am geschätztesten. Ein Päli-engl. Wörterbuch gibt es von Childers (Dictionary of the Pali language o, Lond. 1872 —75). Neben den heiligen Schriften der Buddhisten, zu welchen Buddhaghosa weitläufige Kommentare schrieb, umfaßt die Päli-Litteratur unter anderm noch Legendensammlungen und wichtige histor. Werke in Versen. Schon vor dem 10. Jahrh. hatte sich aus den Präkritmundarten das Hindüi, vergleichbar dem Romanischen als Tochter des Lateinischen, gebil— det. Das von den Hindu selbst modernisierte Hindui führt den Namen Hindi, das gegenwärtig die Litteratursprache vorzugsweise der nichtmohammed. Bewohner Indiens bildet, während sich die Moslems des meist mit dem arab.⸗pers. Alphabet geschriebenen Hindustani bedienen. Letzteres, ein stark mit pers. und arab. Worten gemischtes Hindi, entstand seit Ende des 12. Jahrh. nach Gründung der Patanischen Dynastie in Delhi, bildete sich aber erst vollständig aus, seit Timur in dieser Stadt sein Heereslager (Urdu) aufgeschlagen hatte; des— halb wird es häufig auch Urdu oder Urdusprache genannt. Gleichzeitig entstand im südl. Indien (Dekhan) durch Einfluß der moslem. Eroberer aus dem Hindi eine ähnliche ind.-moslem. Misch— sprache, das Dakhni. In neuerer Zeit hat das von den Briten sehr begünstigte Hindustani das Persische in der Administration und der Diploma— tie fast ganz verdrängt; doch ist gegenwärtig ein auch von der Regierung begünstigtes Streben wahrzunehmen, die Sprache ihrer fremden Elemente zu entkleiden und das Hindi wiederherzu— stellen. Im nördl. Indien war erst Delhi, dann seit Ende des 18. Jahrh. Lucknow der Mittelpunkt der neuen moslem.⸗ind. Litteratur. Ihre Glanz⸗— epoche bildet das 18. Jahrh. Dieselbe ist zwar sehr reich, besteht aber zum großen Teil nur aus mehr oder minder freien übertragungen aus dem Persischen, Arabischen und Sanskrit. über mehr als 700 Schriftsteller in Hindi und Hindustani berichtet Garcin de Tassy in der «Histoixe de la littérature hindoui et hindoustanio (Bd. 1 u. 2, Par. 1839 — 47; 2. Aufl., 3 Bde., Par. 1871); vgl. auch desselben La langue et la littérature hindoustanique de 1850 à 1869 5 (2. Aufl., Par. 1874) und seine «Revue annuellen über ind. Sprache und Litteratur (Par. 1872 fg.). Unter den Hilfsbüchern zur Erlernung dieser Sprachen sind hervorzuheben Garein de Tassys Rudiments de la langue hindoustanio (Par. 1829) und 4Rudiments de la langue hindouio (Par. 1847), die Grammatiken von Shakespear (5. Aufl., Lond. 1846), Forbes (Lond. 1846) und Duncan (für das Dekhan, Madras 1863), Kelloggs vergleichende (Grammar of the Hindi language (Allahabad u. Lond. 1876), die Wörterbücher von Shakespear 6. Aufl., Lond. 1846), Forbes (Lond. 1848 u. 1861), Hates (Kalkutta 1847) und Fallon (Benares 1879) über das Hindustani; über das Hindi das Wörterbuch von Thompson (Kalkutta 1846) und Bate (Benares 1875). Die lokale Grundlage des Hindi und Hindustani bildet die Braj-bhäkhaä, eine Tochter des gürasenischen Prakrit, noch jetzt die Sprache des Landes Braj (Bradsch) in Bundelkhund, aber zur Litteratursprache erhoben und namentlich von Dich— tern dem gewöhnlichen modernen Hindi vorgezogen. Dasselbe, wenn auch in geringerm Grade, gilt auch von der Pürbi-bhäkhä, dem im Osten (purb) von Delhi gesprochenen Dialekt. Unter den zahlreichen andern Provinzialsprachen Indiens, sämtlich Enkeln des Sanskrit, aber grammatisch zu diesem in demselben Verhältnisse stehend, wie die lebenden roman. Sprachen zum Latein, haben sich ebenfalls mehrere eine Literatur gebildet, deren Hauptwerke jedoch fast nur übersetzungen aus dem Sanskrit sind, wozu in den letzten Decennien auch übersetzungen aus dem Arabischen, namentlich aber dem Persischen, Hindustani und europ. Sprachen hinzukommen, sowie eine ziemliche Anzahl von Europäern und Eingeborenen verfaßter Schriften für den Zweck des Unterrichts und der Mission. Die wichtigsten dieser neuind. Sprachen sind: 1) Das Bengali im östl. Teile von Indien, von dem Haughton Grammatik (Lond. 1821) und ein Wörterbuch (Lond. 1834), Hates (Kalkutta 1847) und Forbes (Lond. 1862) Grammatiken lieferten, und in das Ram-Comal-Sen Johnsons engl. Wörterbuch (2 Bde., Serampore 1834) übersetzte. 2) Das Orissa, auch Uriya genannt, das Sutton grammatisch (Kalkutta 1831) und lexikalisch (3 Bde., Kuttack 1841—43) bearbeitete. Praktisches Handbuch von Maltby (Kalkutta 1874). 3) Das Maharatti, von dem Stevenson (Bomb. 1843) eine Grammatik, Molesworth (Bomb. 1831; engl. und maharattisch, Bomb. 1847) und Padmanji (Bomb. 1863) Wörterbücher lieferten. 4) Das Guzerati im nordwestl. Indien, welches grammatisch von Drummond (Bomb. 1808), lexikalisch von Mirza-Mohammed-Kazim (Bomb. 1846), Karsandas Mulji (Bomb. 1862) und Shapurji Edalji (Bomb. 1863; 2. Aufl. 1868) bearbeitet wurde. 5) Das Sindhi in den Gebieten des untern Indus, für welches Stack sowohl Grammatik (Bomb. 1849) als Wörterbuch (2 Bde., Bomb. 1849—55) lieferte (ogl. auch Ern. Trumpp, „Grammar of the Sindhi language v, 1872). 6) Das Penjabi, das von Leach (Bomb. 1838) grammatisch, von Starkey Kalkutta 1850) lexikalisch behandelt worden ist. Die Litteratur dieser Dialekte (vorzugsweise religiösen Inhalts oder in übersetzungen aus dem Sanskrit bestehend) ist bis jetzt in Europa erst wenig bearbeitet worden. Vgl. John Beames, «(Comparative grammar of the modern Aryan languages of India, Hindi, Penjabi, Sindhi, Gujarati, Marathi, Oriya and Bangali (3 Bde., Lond. 1872 —79); Hörnle, Comparative grammar of the Gaudian languages (Lond. 1880). Auch ft die Sprache der Zigeuner gehört hierher. Hauptwerke: Pott, «Die Zigeuner in Europa und Asien (Halle 1845); Miklosich, «Die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner in Europa und Asien (12 Bde., Wien 1872—80). Das Ka vi, d. i. Dichtersprache, dessen man sich in Gedichten auf Java und den Nachbarinseln bediente, ist seiner grammatischen Struktur nach eine malaiische Sprache, hat aber seinen Wörterschatz wie die Stoffe seiner Litteratur meist dem Sanskrit entlehnt. Vgl. W. von Humboldt, «über die Kawisprache (3 Bde., Berl. 1836—40). In neuerer Zeit ist es besonders von Heinrich Kern wissenschaftlich gepflegt worden. ̃ ö Die Sprachen des südl. Indien weichen in ihrem grammatischen Baue völlig von denen sanskritischen Ursprungs ab und bilden einen eigenen, vom indogermanischen verschiedenen sog. Dekhanischen oder Dravidischen Sprachstamm. Die wichtigsten Sprachen sind: 1) Das Tamil, auch das Ralabarische genannt, auf den Küsten Koromandel und Malabar. Es hat eine alte und reiche Litteratur. Vgl. John Murdoch, «A classified catalogue of Tamil printed bookso (Madras 1865). Berühmt ist vor allem der «Curalo des Tiruvalluver, eine ethische Dichtung (herausg. von Graul, Lpz. 1866). Von den vielen Hilfsmitteln sind zu nennen die Grammatiken von Beschi (Madras 1822; neu herausg. von A. Burnell, Trankebar 1876) und Rhenius (Madras 1836; 2. Aufl. 1846), die Wörterbücher von Rottler (4 Bde., Madras 1834 — 41) und Winslow (Madras 1862). 2) Das Telugu oder Telinga in der Mitte des Dekhan mit Grammatiken von Campbell (Madras 1816; 3. Aufl. 1849) und Brown (Madras 1840), einem Wörterbuche von Campbell (Madras 1821; 2. Aufl. 1848). Von der ebenfalls reichen Telugu-Litteratur gilt dasselbe wie von der tamulischen. Vgl. Brown, «On the language and literature of the Telugur (2 Tle., Madras 1839—40). 3) Das Kanaresische in der Provinz von Karnatik, in der Gegend von Mysore. Die ältere Sprache, das Halakanara, hat ebenfalls eine reiche Litteratur, doch ist die Zahl der in der gewöhnlichen Sprache abgefaßten Schriften ziemlich gering. Eine Sammlung der hervorragendsten Werke besorgte der Missionar Mögling (6 Bde., Mangalore 1850); Grammatiken sind vorhanden von Mackerrell (Madras 1821) und Hodson (Bangalore 1864), ein Wörterbuch von Reeve (4 Bde., Madras 1824 —32; neue Ausg. von Sanderson, Bangalore 1858). Vgl. Kittel, «Kesiraja's Jewel Mirror of grammar »(Mangalore 1872) und „Nägavarma's Canarese prosody, with an essay on Canarese literature 5 (Mangalore 1875). 4) Das Malaalam, auf Malabar vom Kap Comorin bis illi gesprochen, hat nur eine unbedeutende Litteratur. Grammatiken davon schrieben Peet (Cottayam 1841) und Spring (Madras 1839), ein Wörterbuch Bailey (Cottayam 1846) und Gundert (Mangalore). 5) Das Singhalesische auf der Insel Ceylon, von dem die Sprache der Malediven nur dialektisch verschieden ist. Die singhales. Litteratur, die sich in demselben Ideenkreise wie die des Päli bewegt, ist in einer eigenen Schrift-Eprache dem Elu, geschrieben, das sich von der prache des gewöhnlichen Lebens durch reichliche Einmischung von indischen, namentlich von Sans-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX. kritwörtern unterscheidet. Der berühmteste singhalesische Dichter war Gasco, ein Portugiese von Geburt. Eine Grammatik lieferte Chater (Colombo 1815), ein Lexikon Clough (2 Bde., Colombo 1821). Vgl. Alwis, AIntroduction to Singhalese grammars (Colombo 1859); derselbe, KAttanagaluwansa v (Colombo 1866); «Selalihinisandesen (Colombo 1865); The Sinhalese handbook in roman characters v (2. Aufl., Colombo 1880). Nach Childers und E. Kuhn gehört das Singhalesische vielmehr zu den sanskritischen Sprachen. Von geringerer Bedeutung sind die Sprachen der Tulu (Grammatik von Brigel, Mangalore 1872) oder Tuluva, der Tuda, der Kota, der Gond, welche ebenfalls dravidischen Charakter tragen. Ob die Sprachen einiger Völkerreste im Innern Vorderindiens, wie z. B. der Chonds, mit den dekhanischen Sprachen in Verbindung stehen, ist noch nicht ermittelt. Vgl. noch Caldwells KComparative grammax of the Dravidian languages (Lond. 1855; 2. Aufl. 1875); Burnell, «Elements of South Indian palaeographyy (Mangalore 1874), sowie dessen «Specimens of South Indian dialects o (Mangalore 1873); Beames, «Outlines of Indian philology (2. Aufl., Lond. 1868); Emil Schlagintweit, Geographische Verbreitung der Volkssprachen Ostindiens» (4Sitzungsberichte der philos.⸗philol. Klasse der Königl. Bayr. Akademie der Wissenschaften », 1875); Rob. Cust, «Sketch of the modern languages of the East-Indies „ (Lond. 1878). udische Vogelnester oder Eß bare Nester, ehedem als Zeichen des glich so 0 Indiens häusi angeführt, sind die fälschlich so genannten löffelartigen Konsolen oder Untersätze, womit mehrere an der Seeküste der ostind. Inseln sich aufhaltende Arten der Gattung Salangane (Collocalia) aus der Familie der Cypseliden oder Mauerschwalben ihre eigentlichen Nester an den Felsen befestigen. Die in den Handel kommenden Nester stammen vorzugsweise von zwei Arten, der Labet (C. nidifica) und der Lintjih (C. fuciphaga). Sie gleichen einem halben Ellipsoid aus einer der weißen Hausenblase ähnlichen Masse, sind 2—3 em hoch und 5—7em breit, etwa je 10 g schwer (man rechnet 100 Stück auf 1 kg), hart, spröde und lösen sich durch Kochen in eine zähe Gallerte von einem faden oder höchstens schwach salzigen Geschmack auf, welche bloß durch Gewürze einige Schmackhaftigkeit erhält. Die Nester bestehen nur aus dem klebrigen Speichel, der aus zahlreichen, in der Mund⸗ und Rachenhöhle des Vogels angebrachten Drüsen abgesondert wird. Sie hängen in dichten Reihen in Felsenhöhlen, zu denen man nicht selten nur durch Herablassen an einem Seil gelangen kann, weshalb auch das Geschäft des Einsammelns sehr gefährlich ist. Die Vögel brüten viermal im Jahre: um sie nicht zu vertreiben oder gar auszurotten, sammelt man ihre Nester jedoch nur dreimal und läßt ihnen eine Brut. Auf den ind. Inseln werden die Nester nirgends als Nahrung verwendet, sondern nur in China als Leckerbissen der Reichen. Sie werden, ohne jeden Grund, für stimulierend gehalten. Der Stapelplatz des Vogelnesthandels ist die Stadt Kanton. Die jährliche Gesamteinfuhr wird auf 1200 Pikuls oder ungefähr 85 000 kg veranschlagt. Der Pikul enthält ungefähr 7000 Stück und wird in bester Sorte mit 3—4000 Doll. bezahlt, geringere Qualitäten sind mit 1600 — 2800 Doll., die schechtesten mit 200 Doll. zu haben. Die feinsten Sorten werden nur für den kaiserl. Hof in Peking geliefert. udischrot, s. Türkischrot. udiskret (lat.), unvorsichtig, unverschwiegen, rücksichtslos, Gegensatz von Diskret (s. d.); Indiskretion, Unvorsichtigkeit, rücksichtslose Plauderhaftigkeit.