Heiden heißen in der Lutherischen Bibelübersetzung und nach dem Sprachgebrauche der christl. Kirche alle Menschen, die weder Christen noch Juden sind. Die Juden nannten alle Nichtjuden, auch die Christen nicht ausgenommen, mit demselben Worte Gojim, welches Luther durch H. übersetzt 99 Dagegen wurden in der Zeit der ersten Ausreitung des Christentums alle Bekenner der polytheistischen Volksreligionen, Griechen, Römer und Orientalen, mit demselben Namen Ethné oder Ethnikoi (d. i. Völker) bezeichnet. Das lat. Wort pagani (eigentlich KLandleutev, „Bauerno), wovon H. (ursprünglich ein Adjektiv zu Heide in der Bedeutung Gefilde) die deutsche übersetzung ist, entstand zu einer Zeit, als die röm. und griech. Volksreligion vor dem immer mächtiger werdenden Christentum aus den Städten auf das flache Land geflüchtet und zur Bauernreligion herabgesunken war. In der Zeit der Kreuzzüge wurden auch die Türken zu den H. gerechnet, neuerdings aber hat man sich gewöhnt, nur die Anhänger polytheistischer Religionen H. 6 nennen. Indessen ist diese Bezeichnung jedenfalls mißverständlich, da auch unter den Bekennern der polytheistischen Religionen, B. im Brahmanismus, vielfach monotheistische Anschauungen verbreitet sind. Heidenchristen n man mit einem erst neuerdings aufgebrachten Ausdrucke diejenigen Christen zu nennen, welche aus der Zahl der heidnischen Griechen, Römer u. s. w. zum Glauben bekehrt wurden, im Unterschiede von den Judenchristen, d. h. die aus dem jüd. Volke dem Christentum Gewonnenen.