Abd-ul-Asis Chan, der 32. Sultan der Osmanen, geb. 9. Febr. 1830 als der zweite 61 0 des Sultans Mahmud II., 191 25. Juni 1861 seinem Bruder Abd-ul-Medschid in der Regierung. Entgegen den Erwartungen der alttürk. Partei erklärte er sich für die Reform und umgab sich mit liberalen Räten; er erwarb sich sogar einige Popularität, indem er bessern Staats⸗ und Palasthaushalt verhieß. Jedoch fehlte es ihm zur Durchführung seiner uten Absichten an Festigkeit und Einsicht, —— — noch am, daß sich seit 1862 bei ihm eine nervöse Aufregung einstellte, die ihn bisweilen unzurechnungsfähig machte. Bis 1871 setzte sich unter ihm das von seinem Vorgänger inaugurierte Pforten⸗ oder Großvezierregiment fort; die wichtigen Begebenheiten seiner Regierung, der Aufstand in Candia (1866), die infolge dessen notwendig gewordene Abtretung der Citadelle von Belgrad an die Serben (1867), der diplomatische Sieg über Griechenland (1868), das den candiotischen Aufstand begünstigte, die Zurückführung des Vizekönigs von Agypten, welchem A. den Titel Chedive verliehen, zur Vasallenpflicht, beschäftigten mehr die beiden bedeutenden Staatsmänner jener Epoche, Diere Wurde und Aali Pascha, als den Sultan. Dieser wurde 1863 von Fuad nach Agypten und 1867, Mihrend betreffs der Pacifikation Candias (s. d.) Miß-Riün keiten zwischen der Pforte und den meisten ächten bestanden, wider alles Herkommen sogar nach dem Occident geleitet. Am 30. Juni in Paris lune va empfangen, besuchte A. die Weltausstelung, verweilte 12.—23. Juli in London, begrüßte 24. Juli das preuß. Königspaar in Koblenz, hielt sich A. Tage in Wien auf und traf 7. Aug. 1867 in Konstantinopel wieder ein. Die Reise, welche kolossale Summen verschlungen hatte, besserte zwar vorübergehend die politische Lage, blieb aber ohne den für A. daraus gehofften Nutzen. Nach Aali Paschas Tode, Sept. 1871, glaubte er zu persönlichem Regiment übergehen und ein doppeltes Ziel erreichen zu können: die Abänderung des osman. Erbfolgegesetzes zu Gunsten seines Sohnes Jussuf Izzeddin und die Fonen der 8 eines riesigen Privatvermögens auf Kosten der Monarchie. Unterstützt von einer selbstsüchtigen, gewissenlosen Kamarilla, auf welche der russ. Botschafter, General Ignatiew, einen unbedingten Einfluß erworben hatte, wählte A. in diesem Sinne seine Minister. Alle Staatseinkünfte suchte er sich anzueignen, und während er 1873 dem Chedive gegen ein Geschenk von 21Mill. Frs. fast alle Rechte eines unabhängigen Souveräns verlieh, blieben die Soldaten 40 Sold und die Beamten ohne Gehalt. Auch die dem Sultan von der esern lichen Meinung zeitweilig aufgedrungenen bessern Minister waren diesen Verhältnissen gegenüber machtlos. Nachdem dadurch die Zersetzung schon bedeutende Fortschritte gemacht und in der Herzegowina ein bedenklicher Aufstand ausgebrochen, ließ A. auf den Rat Ignatiews (Aug. 1875) die Zinsen der türk. Staatsschuld auf die Hälfte reduzieren und vernichtete dadurch den Kredit der Pforte. Am 11. Mai 1876 nötigte ihn ein Aufstand der Softas (s. d.), seinen russisch gesinnten Großvezier Mahmud Nedim zu entlassen und ein patriotisches Ministerium mit Mehemed Ruschdi und Hussein Awni einzusetzen. Diese Männer aber zwangen ihn, 30. Mai 1876 dem Throne zu Gunsten seines Neffen Mehemed Murad zu entsagen. Wenige Tage darauf (4. Juni) starb er als Staatsgefangener im Palast von Tschyragan, angeblich durch Selbstmord. Ein im Juni 1881 deshalb gegen mehrere der höchsten Staatsbeamten, darunter Midhat Pascha (s. d.), gefuhrter Prozeß ergab jedoch, daß der Sultan ermordet worden war. (S. 91. 3. Par Reich.) Vgl. Azam, L'avénement d'A.v (Par. 1861; Millingen (Osman-Seify-Bey), La Turquie sous WIlbd 225. aund I., der 27. Sultan der Osmanen, geb. 20. Mai 1725, bestieg 21. Jan. 1774 den Thron, zu einer Zeit, als das Reich in tiefster Zerrüttung war. Die Statthalter der entlegenen Provinzen, wie Syrien, Agypten, Georgien u. a., ließen von der Macht des Sultans kaum einen Schatten übrig, und Romanzow stand mit einem siegreichen russ. Heere an der Donau. Im Frieden u Kutschuk-Kainardschi 21. Juli 1774 erhielt Rußland die Große und Kleine Kabardei, die Festungen chloß Kinburn mit der Erdzunge zwischen dem Bug und Dnjepr, die freie Schiffahrt auf dem Schwarzen Meere, das Schutzrecht über die beiden Ich auch die der Moldau und Walachei, schließich auch die Garantie der Teilung Polens. Dem Tatarchan der Krim wurde die Leshrttele Rußt zugesichert. Diese Bestimmung gestattete Rußland die Einmischung in die innern Verhältnisse der Krim, von der es schließlich 1783 förmlich Besitz nahm. Esterreich erhielt für seine Neutralität die Bukowina. A. brachte nun mehrere rebellische Paschas zum Gehorsam zurück und rief, da er die Überlegenheit der europ. Kriegskunst erkannt hatte, franz. Offiziere nach Konstantinopel, um die Grenzfestungen in bessern Verteidigungszustand zu setzen. Ein neuer Krieg gegen das mit Ssterreich verbündete Rußland brach 1787 los, der mit dem Verlust der türk. Flotte auf der Höhe von Kinburn und der Eroberung von Oczakow durch Potemkin (17. Dez. 1788) sehr unglücklich für die türk. Waffen eröffnet wurde. Mitten unter den Zurüstungen zu einem neuen Feldenge tarb A. 7. April 1789, nachdem er schon längere Zeit an geistiger und 1Aeffe Schwäche Ver 2l hatte. Ihm folgte sein Neffe Selim III. Vgl. Asim Tarichi, History of Abd-ul-Hamed and Selim III.v (2 Bde., Konstantin. 1867).