FeedAbendmahl
ReligionBrockhaus 1882

Abendmahl, das Heilige A. oder Nachtmahl, auch Mahl des Herrn (1 Kor. 11, 20), wird, wenn auch in verschiedenem Sinne, von allen christl. Parteien, außer den Quäkern, gefeiert. Die einfuche Feier des letzten Mahles Jesu Christi mit seinen Jüngern in der Nacht, da er verraten ward Matth. 26, 11—29; Marc. 14, 12—25, vgl. mit 1 Kor. 11. 23—25; Luc. 22, 8—23), mußte durch die Umst inde, unter denen sie erfolgte, und durch die Worte und Handlungen, mit denen Jesus die Darreichung des Brotes und Weines an seine Jünger begleitete, einen unauslöschlich tiefen Eindruck bei den ältesten Christen zurü lassen. Nach den Berichten der drei ersten Evangelisten (denn der vierte erwähnt, dem eigentümlichen Plane seiner Schrift gemäß, diese Feier geflissentlich nicht) war das Mahl Jesu ein assahmahl, das er mit seinen Jüngern nach volkstümlicher Sitte am Abende des 14. Nisan nach jüd. Zeitrechnung feierte. (S. Passah.) Aber im Hinblick auf seinen nahen Tod fühlte er sich an demselben Abend zu einer Handlung gedrungen, welche der ganzen Feier für die Seinen eine wesentlich neue Beziehung gab. Nach Beendigung des jüd. Bundesmahles reichte er den Seinen Brot und Wein zum Genusse dar, mit symbolischen Handlungen und Worten, welche die Bedeutung seines Todes veranshenung sollten. Wie das Passahmahl die Verschonung der Israeliten von dem Würgengel und die Errettung aus Agypten symbolisch darstellte, so sollte auch sein Tod den Seinen Verschonung und Rettung bringen, nämlich von dem bevorstehenden göttlichen Strafgericht. sa dem Ende vergleicht er seinen Leib mit dem Passahlamm, sein Blut mit dem Blute des Lammes, das an die Thürpfosten der israel. Häuser gestrichen zu werden pflegte. Die Symbolik der Handlung hat ihre Vorgänge an zahlreichen Hν des Alten Testaments, aus denen auch die vielumstrittenen Ausdrücke Jesu: Dies ist mein Leib„, «Dies ist mein Blutv, Wen einfache sprachliche und sachliche Erklärung finden. (Vgl. z. B. 1 Kön. 11, 20 fg.; 22, 11; 2 Kön. 13, 15—17; Na 8, 1—4; 20, 1 fg.; Jerem. 13, 1fg.; 19, 1 fg.: ap. 27 und 28; Ezech. 5, 1—5 u. öfter.) Nicht die Worte als solche, aber die ganze Handlung hat symbolische Bedeutung: das Brotbrechen, das Erheben des Kelchs mit dem darin ausgegossenen Weine, die Darreichung von Brot und Wein zum Genusse. „Das Gebrochener, dies ist der Sinn seiner Worte, aund euch zum Genusse Dargereichte ist mein Leibo, das (Ein⸗ oder Ausgegossene), was ich euch allen zu trinken gebe, ist mein Blut, das für viele verossen wird ». Das heißt: «Wie ich euch euhen 5 das Brot breche und den mit Wein gefüllten Kelch erhebe und euch beides darreiche zum Genuß, so wird mein Leib im Tode gebrochen, mein Blut vergossen zu euerm Besten.v Natürlich, da er selbst noch leibhaftig unter ihnen saß, seinen Leib und sein Blut ihnen also nicht im materiellen Sinne des Wortes zu genießen geben konnte, geschieht die Dar9/1b un zum Genusse symbolisch: der Genuß von Leib und Blut ist ein Sinnbild für die geistige Aneignung des Segens, den der Tod seines Leibes und das Vergießen seines Blutes den Seinen bereiten soll. Von einer eigentlichen Einsetzungo des A. wissen die ältesten Berichte (bei Matthäus und Marcus) nichts; die Worte: «Dies thut zu meinem Gedächtnisv, hat zuerst Paulus und nach ihm Lukas, wohl erst auf Grund der schon damals eingetretenen öftern Wiederholung der Feier durch die Gemeinde hinzugefügt hlich entspricht diese Wiederholung auch ohne ausdrückliche Stiftung dem Geiste und der ursätzer eer Bedeutung der Feier. Auch die Zuätze: Der für euch gegeben (oder gebrochen) wirdy und «Zur Vergebung der Sündend, sind spätern Ursprungs, und dasselbe gilt von der Bezeichnung: „(Dies ist das Neue Testament in meinem Blutv, wofür die ältern Texte, doch vielleicht lehen. nicht ganz ursprünglich, Emein Bundesblut » lesen. Der ergreifende Eindruck dieses letzten Mahles führte nach dem Hingange Jesu zur täglichen Wiederholung der Feier, durch welche die Gemeinde, wie Paulus sich ausdrückt, oden Tod des Herrn verkündigte, bis daß er kommey. Indem die ältesten Christen täglich in den Häusern zusammenkamen, das Brot zu brechen (Apostelgesch. 2,46, vgl. V. 42), ward ihnen jede gemeinsame Mahlzeit ganz von selbst zu einer Gedächtnisfeier von Christi A., zu einer Erneuerung und Besiegelung der geistigen Gemeinschaft mit ihrem Herrn und untereinander. Auch in den neugestifteten dmahle (Agapen! erhielt sich die Sitte dieser Liebesmahle (Agapen), wenn auch nicht als regelmäßige tägliche Mahlzeiten der gesamten Gemeinde, doch als besondere, häufig wiederholte Zusammenkünfte, wo die Reichern von ihrem Überflusse den Armern mitteilten. Danach, als die förmlichen Mahlzeiten wegen Mißbrauchs beseitigt werden mußten, wurde doch das Mahl des Herrn als Höhe⸗ und Schlußpunkt jeder gottesdienstlichen Feier beibehalten und bald als das heiligste Geheimnis des Christenbundes betrachtet, von welchem man Ungetaufte und Unwürdige ausschloß, wie im Heidentume die Uneingeweihten von den Muysterien fernbleiben mußten. Die Beziehung Gritt. Hlan Handlung * en Mittelpunkt des christl. Glaubens gab den Anlaß, daß mon das A. bei jeder wichtigern Handlung des Lebens, bei Stiftung der Ehe, am Gedächtnistage der heimgegans Lieben und besonders der Märtyrer beging. Als eine unentbehrliche, auch in allerlei Nöten des Leibes heilskräftige Himmelsspeise nahm man es selbst in die Häuser und auf Reisen mit, und sorgte, daß es den am Besuche des Gottesdienstes Behinderten, den Gefangenen, Kranken und Kindern durch die Diakonen gebracht wurde. Im Zusammenhange mit 4 gesteigerten Bedeutung der deue Portehung teht die frühzeitig damit verbundene Vorstellung des Nahle Zeft und Wunderbaren. Die bei dem letzten Mahle Jesu anwesenden Jünger hatten seine Worte und Handlungen unmöglich anders als e Derwmn verstehen können; weder an eine wirkliche Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut, noch an eine geheimnisvolle Iendma des overklärtenv Leibes in und unter den Abendmahlsstoffen erlaubte ihnen die anze Situation der Feier zu denken. Eine ergreifende Darstellung des Todes Christi und seiner rettenden Bedeutung für die Seinen, war es ihnen zugleich eine Mahnung zu immer innigerer geistiger Gemeinschaft mit ihrem Herrn und untereinander. Auch der Apostel Paulus sed in der Abendmahlshandlung nach der richtigen Deutung seiner Worte nur eine geistige Gemeinschaft der Abendmahlsgenossen mit dem gekreuzigten Leibe und dem am Kreuze vergossenen Blute Christi, woran sich ganz von selbst der Gedanke anschließt, daß die heilige eier zugleich eine Gemeinschaft sei mit dem amystichen » Leibe des Herrn, oder daß der sen zn Glie Genuß des Einen Brotes die Tischgenossen zu Gliedern des Einen Leibes mache, dessen Haupt Christus sei (ogl. 1 Kor. 10, 16. 17). An einen leiblichen Genuß des verklärten, himmlischen Leibes Christi zu denken, berechtigt auch nicht seine Bezeichnung von Brot und Wein als geistige (pneumatische) Speise. Noch der Verfasser des ohannes-Evangeliums läßt Jesum in Worten, die nur auf das A. sich beziehen können, die Vorstellung eines leiblichen Essens und Trinkens seines Fleisches und Blutes ausdrücklich urückweisen und den dunkeln Ausdrücken geistige Dedentung unterlegen, da das Fleisch nichts nütze sei (Joh. 6, 53—63, vgl. mit V. 27 fg., 4s fg.). Dagegen begegnet uns schon bei Justinus Martyr (um 150) und Irenäus (gest. um 202) die Ansicht, daß zu dem Brote und Weine etwas Höheres, zu dem Irdischen etwas Himmlisches hinzutrete. Die bei diesen ihe zwischen nur erst angedeutete Ahnlichkeit, welche zwischen der Verbindung des Einsetzungswortes, als eines himmlischen Bestandteils, mit dem irdischen Brote und Weine, und der Verbindung des «wesentlichen Wortes » oder der göttlichen Person des Sohnes mit der irdischen Menschennatur bestehe, führte allmählich zu der weitern Vorstellung, daß durch einen der Menschwerdung entsprechenden, wunderbaren Vorgang Brot und Wein zu Leib und Blut des Gottmenschen werde, und schon im 4. Arie hat die förmliche Verwandlungslehre namhafte Vertreter. Daneben findet sich noch die figürliche Auffassung des A. im 3. Jahrh. bei Origenes, Tertullian und Cyprian, und . Vor5. Jahrh. bei Augustin. Aber die magische Vorstellung, im Volk und im Kultus egeer urch im Wachstum begriffen, ward noch gesteigert durch die seit der Mitte des 3. Jahrh. aufgekommene Vorstellung von der Darbringung des gesegneten Brotes und Weines auf dem Altar als einer unblutigen Hreuzel Mehn des blutigen Opfers Christi am Kreuze (Meßopfero). Der insbesondere durch Papst Gregor d. Gr. (590—604) sich entfaltende Glanz der „Messey (s. d.) ließ immer mehr in dem eschauerlichen Geheimnisser den Höhepunkt aller kirchlichen Wunder erblicken, und immer abergläubischere Vorstellungen über die Heilskraft des Meßopfers .1 sich an. Doch blieb die Lehre der Kirche noch ländare Zeit zwischen der entschiedenen Verwandlungsehre und der andern Ansicht geteilt, daß Brot und Wein, ohne ihre Eigentümlichkeit aufzugeben, auf geheimnisvolle Weise mit Leib und Blut Christi verbunden sei (wie unter andern auch ein röm. Bischof, Gelasius I., lehrte). Ein förmlicher Lehrstreit entbrannte erst gegen die Mitte des 9. Jahrh. zwischen dem Abt zu Korvei, Hiden N Radbertus, und einem 5. Rattamuns gebildeten Mönche desselben Klosters, Ratramnus. Paschasius behauptete, daß Brot und Wein vermittels jeder Konsekration durch die Allmacht Gottes an das Rrer werde in denselben Leib Christi, der an das Kreuz geheftet worden war. Nichts bleibt nach dieser Auffassung von Brot und Wein zurück als die äußere Hesal, der Geruch und der Geschmack, während Ratramnus nur eine Wandlung von Brot und Wein, aber eine wirkliche Umwandlung der Kraft zugestehen wollte. Dem Wunderglauben der Zeit und dem Interesse der Priesterschaft entsprach nur die konsequente Verwandlungslehre (transsubstantiatio seit dem 12. Jahrh.). Ihr offizieller Sieg erfolgte auf der Synode zu Rom (1079), als Berengar, Kanonilus 100 Tours, im Streite wider Lanfranc, Bischof von Canterbury, und wider Cardinal Humbert, die Ansicht des Ratramnus im wesentlichen erneuert hatte. Auf der vierten Lateransynode (zu Rom 1215) wurde unter Innocenz III. die Transsubstantiation sanktioniert. Die morgenländ.⸗orthodore Kirche hat sich derselben Ansicht 1672 auf der Synode zu Jerusalem angeschlossen. Durch die Reformation des 16. Jahrh. trat der Streit über den Sinn des A. wieder in den Mittelunkt des theol. Interesses. Luther schritt von der Berwerfung des Meßopfers allmählich zur Bestreitung der eigentlichen Verwandlungslehre Lebe lehrte aber dafür eine leibliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi in und unter dem in seiner Substanz unveränderten Brote und Weine und einen mündlichen Genuß von Leib und Blut, der den gläubig Genießenden zum Heile, den Dm 0 Genießenden ur Verdammnis gereiche. em stellte Zwingli die Behauptung entgegen, daß das A. ein einfaches Gedächtnismahl des Todes Christi und ein Bekenntnismahl fur die Kirche, Brot und Wein bloße Symbole seien, räumte jedoch später ein, daß Brot und Wein nicht als bloße Zeichen, sondern Blur als Unterpfänder des durch Christi Leib und Blut uns am Kreuze erworbenen Segens betrachtet werden müßten. Dennoch hat Luther nicht bloß die ur-Ehweer⸗ sondern auch die spätere Lehre der chweizer, letztere, trotz der Wittenberger Concordia 1536, noch kurz vor seinem Tode (1544) aufs leidenschaftlichste bekämpft. Eine Vermittelung Tacht die von den oberdeutschen Theologen WSha rachte Formel zu bieten, daß in der Abendmahlshandlung zugleich mit Brot und Wein Christi Leib und Blut wahrhaftig, aber auf Dicse de eise gegenwärtig sei for den Glauben. iese Lehre haben die meisten reform. Bekenntnissats die sich angeeignet, und Calvin gab ihr seinereits die nur in wenige reform. Bekenntnisschriften Ubergegangene Wendung, der gläubig Genießende werde im Augenblicke des Genusses durch eine von dem Leibe Christi ausströmende geistliche Nährkraft auf geheimnisvolle Weise gespeist. Dagegen blieben die strengen Lutheraner nur um so entschiedener bei der Behauptung uche das Abendmahlsbrot sei, ohne seine natürliche Beschaffenheit zu verlieren, doch Christi wesentlicher (verklärterv) Leib, der mit dem Munde, nicht bloß von gläubigen, sondern auch von ungläubigen r empfangen werde. Die Möglichkeit leiblicher Gegenwart Christi in Brot und Wein ward teils einfach auf Gottes allmächtiges Wort, teils auf die dem verklärten Leibe Christi durch die Verbindung mit der Gottheit beigelegten übernatürlichen Eigenschaften begründet (Ubiquität). Wie Luther, der einst im Wort sich lomeut erklärte, das Whm ar zu gewaltig dastand, o meinten auch seine Schüler, den Buchstaben der Einsetzungsworte, an dem man nicht deuteln dürfe, für sich zu haben, und bald that sich die luth. Kirche etwas zu gute darauf, im Gegensatze auch zu der reformierten, die Kirche des eschriftgemäßen Bekenntnissesy zu sein. Doch hat, wenn der Buchstabe gelten soll, ohne daß man weiter nach dem Zusammenhang fragt, die kath. Auslegung unstreitig den Vorzug, und auch die Lutheraner kommen, bei allem Eifer cher den Tropus », über eine Art von uneigenticher Fassung der icht das Buot arn nicht hinaus (Synekdoche), da nicht das Brot zum Leibe geworden, sondern dieser in und unter dem Brote vorhanden sein soll, eine Deutung, die gewiß unter allen die künstlichste ist. Melanchthon hatte, als er die rachmals uc Konfession schrieb (1530), und auch nachmals noch, aus Achtung vor den Zeugnissen der Väter die Verwandlungslehre geteilt; allein über die altkirchliche Lehre eines andern belehrt, neigte er sich seit 1535 immer entschiedener zu einer der calvinischen verwandten Anschauung hin, und lehrte seitdem, mit Verwerfung der leiblichen Gegenwart Christi und mit bittern shlecht, daß gegen das nachgeborene Lutheranergeschlecht, daß in der Abendmahlshandlung Christi unzertrennliche Person wahrhaftig, aber auf absa 06 Weise gegenwärtig sei und sich den gläubig Genießenden zur innigen und wesentlichen Gemeinschaft darbiete. Sein neugewonnener Standpunkt, ebenso wie sein Streben nach Union mit den reform. + des Auslandes, prägte sich auch in der neuen Ausgabe der Augsburgischen Konfession von 1540 aus, welche länger als zwei ar smbol es Auß in allen deutschen Landeskirchen symbolisches Ansehen genoß, bis sie endlich samt der Abendmahlslehre und den ubrigen «Ketzereien» Melanchthons von den Bannflüchen der strengen Lutheraner erreicht ward. Nach furchtbaren innern Kämpfen ward blen denkhen Schule und A aus den meisten deutschen Landeskirchen hinausgedrängt und die spezifisch Luthersche Ansicht mit ihren Schroffheiten in der Konkordienformel (1580) festgestellt. Die luth. und die reform. Kirche blieben geschieden. Mit dieser Verschiedenheit der dogmatischen Auffassung des A. hing die Verschiedenheit der Ceremonien bei der Feier desselben eng zusammen. Die kath. Ansicht von einer geheimnisvollen Wandlung steigerte die alte Besorgnis, von Brot oder Wein etwas auf die Erde fallen zu lassen, und beseitigte seit dem 11. Jahrh. das sinnbildliche Brotbrechen, indem die Oblaten (Hostien, eigentlich soviel wie „Opfer ») an dessen Stelle traten, und entzog allmählich, kirchlich offiziell erst auf der Synode zu Konstanz (1415), nach vielen andern uden Priß den „Laien »und den nicht administrierenden Priestern Gacerdotes non conficientes) auch den Kelch (communio sub una), indem man in der Lehre von der unio realis oder concomitantia behauptete, daß im Brot sowol als im Wein, in jedem einzelnen schon und für sich, der ganze Christus zugegen sei un banossen werde. Angebliche Erscheinungen von ablutigen» Hostien mußten dies bestätigen. Mit der Verwandlungslehre hängt auch die Sitte Hosten men, das konsekrierte Abendmahlsbrot (die Hostier) in einem eigenen Behälter (Monstranz) aufzubewahren, bei der Feier der Messe emporzuheben (elevatio) und beim Emporheben und Umhertragen kniefällig zu verehren (adoratio). Die Reformation hat den Kelch, den die griech. Kirche nie darangeeben, zurückgefordert, während das Konzil zu rient die Entziehung des Kelchs bestätigte. Aus ahnlichen Gründen wie die Ke chentziehung ist die Kommunion der Kinder allmählich und namentlich seit dem 12. Jahrh. aufgehoben worden. Nur die riech. Kirche findet sie jetzt noch zulässig. Der Gerauch des gesäuerten Brotes in der griech., des ungesäuerten Brotes in der röm. und luth., die Anwendung von mit Wasser gemischtem Weine in der röm. und griech., von ungemischtem Weine in der prot. Kirche sind kleine, aber zum Teil in heftigen Streitigkeiten festgestellte oder doch aufrecht erhal-Verhältnissen begründet, durch s möolisch Ausdbentene Verschiedenheiten, die, meist in zufälligen histor. tungen wichtiger gemacht wurden. Die reform. Kirche pflegt das Brot, der ursprünglichen Einsetzung gemäß, zu brechen und läßt es von den Kommunikanten mit der Hand (nicht mit dem Seit Ende des 18. Jahrh. waren die Lehrunterschiede der Lutheraner und Reformierten ziemlich allgemein in Vergessenheit geraten und die Einführung der evang. Union stieß bei Geistlichen und Laien daher auf kein dogmatisches Hindernis. Die kleine Schar der preuß. Altlutheraner vertrat in den ersten zre iun. des 19. Jorst fast allein noch die ältere luth. Vorstellung. Erst in neuerer und neuester Zeit ist unter der Gunst der polit. Reaktion der luth. Konfessionalismus in Bayern, Sachsen, Mecklenburg, Hannover, aber auch in Alt-Harie u inmitten der 1 6 Union von neuem ertarkt und hat auch die A endmahlslehre Luthers mit steigender Schroffheit aufs neue als eine allein aschriftgemäße verfochten. Freilich widerfuhr es einem ihrer eifrigsten Verteidiger (Kahnis), daß ihm luthersch. en wurde, er lehre vielmehr calvinisch als lutherisch. Die Hauptschriften über das A., in welchen die vers hem Richtungen ihren Standpunkt dargelegt haben, hus von Dav. Schulz (1824), Ebrard (1845), Kahnis (1851) und Rückert (1856). Bei der großen rituellen und histor. Bedeutung des A. wurde dasselbe frühzeitig schon zu einem hervorragenden Obiekte der christl. Kunst, insbesondere der Malerei. Ursprünglich reihte man seine Darstellung einfach in die Cyklen der Passionsgeschichte ein, begann es dann mit der Steigerung der kirchlichen Wete des Sakraments in großartiger Selbständigkeit auszuführen und ging zuletzt auf Grund der reichen psychol. Motive zur individualisierten Renung ung über. Während die Abendmahlsdarstellungen in der byzant. Kunst an einem starren Schematismus leiden, welcher die Handlung und den seelischen Ausdruck fast ubin beiseiteläßt und daher vorwiegend Ceremonienbilder schafft, zeigt schon die ältere deutsche Kunst (das Antependium in Aachen, das berliner Diptychon) die ersten Regungen jener genialen Auffassung, welche im 13. ahrh. in der ital., namentlich in der toscan. Kunst zum Durchbruch kam. Zunächst gehören hierher die berühmte Tafel des Duccio del uoninsegno im Dome zu Siena, auf welcher auch das A. seine Stelle erhalten hat, und die Fresken von Giotto in Sta.⸗ (Croce zu Florenz und in der Kirche der Madonna dell' Arena zu Padua (beide Maler zu Anfang des 14. Jahrh.), woran sich dann Fra Giovanni Angelico (Fiesole), Lorenzo Ghiberti, Cosimo Rosselli, Domenico Ghirlandajo, Luca Signorelli und Andrea del Sarto reihten, bis endlich die Darstellung des A. in der nd ihre hö Freske von Leonardo da BVinci in Mailand ihre höchste Vollendung erreichte. Unter den ältern deutschen Künstlern, welche das A. darstellten, sind Dürer und Holbein der Jüngere, unter den neuern Schnorr, Heinr. Heß, Overbeck und Cornelius, unter den Niederländern Rubens und Nicolas Poussin hervorzuheben. Vgl. Riegel, «Uber die Darstellung des A., besonders in der toscan. Kunsto (Hannov. 1869); Dobbert, Die Darstellung des A. durch die byzant. Kunsto (Lpz. 1872). probe, s. Ordalien.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 35Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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