FeedApostelgeschichte
ReligionBrockhaus 1882

Apostelgeschichte heißt die fünfte Schrift des Madinhn aufolae Kanons, deren Verfasser der Tradition zufolge der Missionsgehilfe des Paulus, Lukas, ist. Der herkömmliche Name A. ist insofern kein ganz geeigneter, als sie keineswegs die Wirksamkeit donde icher Apostel zu schildern unternimmt, sondern vorzugsweise nur den Petrus und Paulus berücksichtigt und vom Kap. 16 an sich aus-Wuswuht der Thätigkeit des letztern zuwendet. Die uswahl und Behandlung des Stosss ist durch den paulinisch-apologetischen Zweck des Ganzen bedingt. Indem nämlich die Schrift die Berechtigung des Paulus, das Christentum ohne das mosaische Gesetz den Heiden zu predigen, nachweisen will, faßt sie schon bei der Geschichte der Gründung und ersten Entwickelung der christl. Gemeinde dieses Hauptziel vorzugsweise ins Auge. Schon in der ernr Nach der dus Wort Christi wird mit besonderm Nachdruck das Wort des scheidenden Meisters an seine Jünger hervorgehoben, daß sie seine Zeugen sein sollen nicht bloß in Jerusalem und Judäa, sondern auch in Samaria (dem Heidenlande) und bis an das Ende der Erde. Ebenso wird die Gründung der Kirche am Pfingsttage und das wunderbare eden der Ha in fremden Sprachen vor einer Zuhörerschaft aus den verschiedensten Ländern der Erde zur symbolischen Andeutung der universellen Beschast der des Christentums. Während die Feindchaft der Juden gegen die Christen fortwährend wächst und zuletzt in kterreich, blutigen Verfolgungen ihren Höhepunkt erreicht, trotz der begeisterten Reden und wunderbaren Thaten der Apostel, bereitet sich die Ain Mart Heidenmission durch das Auftreten und den Märtyrertod des Stephanus, durch die —— des Evangeliums in Samaria und die Küsten des Mittelmeers entlang, durch die Bekehrung des hednischen Kämmerers durch Philippus und des l en Hauptmanns Cornelius durch Petrus, vor allem aber durch die Bekehrung des Paulus auf dem Wege nach Damaskus und seinen Eintritt ins Missionsgebiet des Barnabas zu Antiochia, wo unter bekehrten Heiden zuerst der hristenname Auosteltor stufenweise vor, bis endlich auf dem sog. Apostelkonzile das Recht der Heidenbekehrung auch von den ältern Aposteln und der Gemeinde zu Jerusalem anerkannt wird. Von hier wendet die Darstellung ausschließlich den In Re en reisen des Paulus sich zu und begleitet ihn bis zu dem Schlusse seiner Wirksamkeit in Rom, d. h. bis zum Sommer 64, der Zeit der Neronischen Christenverfolgung. Bei der Darstellung der Paulinischen Wirksamkeit verfolgt die Schrift ebenfalls apologetische Zwecke. Die frühere r rn daß das Buch eine Art von Vergleichsvorschlag des Paulinismus an das Judenchristentum sei, ist durch die neuesten Herschungen nicht unerheblich modifiziert worden. Hiernach ist die A. von dem Standpunkte des spätern Heidenchristentums aus geschrieben, für welches die eigentümlich Paulinische Theologie, aber auch die wirkliche geschichtliche Stellung des Heidenapostels in Vergessenheit geraten war. Der Paulinismusv des Verfassers besteht nur in seinem heiden reundlichen Universalismus und seiner Anhänglichkeit an die Person des Paulus, mit welcher aber eine gesetzliche Auffassung des Christentums und damit zuleich eine Annäherung an die urapostolische Anschauungsweise Hand in Hand geht. Der eigentümliche Standpunkt des Verfassers der A. hat namentlich auf die Charakteristik des Paulus und seiner apostolischen Wirksamkeit, aber auch auf eine Reihe einzelner Erzählungen und kleinerer Züge einen unverkennbaren Einfluß geübt. Dennoch kann die Glaubwürdigkeit des Buchs, wenigstens was den äußern ucht veauter Rahmen der Erzählung betrifft, nicht beanstandet werden. Der Verfasser schöpfte zum Teil aus s ri Quellen, namentlich benutzte er einen ausführlichen Reisebericht eines Gefährten des Paulus, welcher von Kap. 16 an mit einigen Unterbrechungen und dann in den beiden letzten Kapiteln fortwährend als Augenzeuge spricht. Dieser Berichterstatter war höchst wahrscheinlich Lukas. Weit zweifelhafter — ist, ob Lukas, wie die Tradition will, selbst die A. verfaßt hat, und nur das Eine steht fest, daß sie von demelben Manne herrührt, welcher das Evangelium schrieb. Auch die Abfassungszeit läßt sich nicht zuverlässig bestimmen. Sicher ist das Buch längere Zeit nach der Zerstörung Jerusalems, vermutlich um 100 n. Chr. verfaßt. Der Abfassungsort ist under . nicht in Rom, auch nicht in Ephesus, sondern in Griechenland (Racedonien) zu suchen. Vgl. Schneckenburger, «über den Zweck der A. v busch 1841); Zeller, «Die A.y (Stuttg. 1854); Lekeusch, «Die Komposition und Entstehung der A. v Gotha 1854); Overbock in der 4. Aufl. von De Wettes Kurzer Erklärung der A. (Opz. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 771Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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