FeedIturbide (Don Augustin de)
GeschichteBrockhaus 1882

Iturbide (Don Augustin de), Kaiser von Mexiko, geb. 27. Sept. 1783 zu Valladolid (ietzt Morelia) in Mexiko, der Sohn eines eingewanderten biscayischen Edelmanns und einer reichen Creolin, führte 1810 zur Zeit des ersten Aufstandes in Mexiko das Kommando über die königl. Truppen seiner Provinz und kämpfte mit Glück gegen die Insurgenten. Im J. 1816 befehligte er die Nordarmee und wurde im Febr. 1821 vom Vizelönig Apodaca zum Oberbefehlshaber des ganzen königl. Heeres ernannt, schloß sich aber der Partei der Husunem ten an und stellte sich an ihre Spitze. In seinem Aufruf von Iguala forderte er für Mexiko die Einführung einer konstitutionellen Regierung, und da der Vizekönig nicht darauf einging, bestieg er selbst 18. Mai 1822 unter dem Namen Augustin I. als Kaifer den Thron von Mexiko und wurde als solcher, nachdem der neugewählte Kongreß 22. Juni einmütig die Kaiserwürde in J.s Familie für erblich erklärt hatte, 21. Juli getrönt. Als indes in kurzem der öffentliche Schatz erschöpft war, erhob sich eine starke Opposition gegen ihn. Mehrere der bedeutendsten Generale verschworen sich zu seinem Sturz; J. legte daher 20. März 1823 seine Vollmacht in die Hände des Kongresses nieder. Der Kongreß bewilligte ihm und seiner Familie einen sunen Au unter der Bedingung, daß er in Italier einen Aufenthalt wähle, worauf er mit seiner Familie nach Livorno Rerlon wurde. Doch behiel er viele Anhänger in Mexiko. Unterrichtet von der durch diese zu seinen Gunsten angestifteten Ver schwörung, ging er 1824 mit seiner Familie nach London, in der Absicht, nach Meriko zurückzukehren. Allein der mexik. Kongreß erklärte ihn 28. April 1824 in die Acht und befahl seine unverweilte Hinrichtung, sobald er landen würde. Dennoch betrat J. 16. Juli 1824 in Verkleidung den mexik. Boden, wurde aber vom General Garza erkannt, verhaftet und 19. Juli bei Padilla erschossen. Seiner Witwe und ihren fünf Kindern setzte der Kongreß ein JahrbE von 8000 Doll. unter der Bedingung aus, daß ie sich in Columbia oder Nordamerika aufhielte. Dieselbe lebte seitdem meist zu Philadelphia. Von seinen beiden Söhnen starb der ältere, Angelo, 1872 in der Stadt Meriko und hinterließ einen Sohn, welchen Kaiser Maximilian als zukünftigen Thronerben adoptiert hatte; der jüngere starb in ärmlichen Verhältnissen zu Neuilly bei Paris 9. Mai 1873. Vgl. «Statement of somèé of the principal events in the public life of Augustin de Iturbide, written by himselfo (von Quin) Lond. 1824; deutsch, Lpz. 1824). tys, der Sohn der Philomela (s. d.). ,Nebenfluß des Main, entspringt im W. vom Bleßberge im Thüringerwalde, 5 Km im ONO. von Eisfeld, fließt in südl. Richtung durch Sachsen-Meiningen und Sachsen-Coburg in den bayr. Regierungsbezirk Oberfranken und mündet hier nach einem Lauf von 70 km gegenüber von Breitengüßbach rechts in den Main. Der Itzgrund, das Thal der J. unterhalb Coburg, ist sehr fruchtbar. Itehve, Kreisstadt des Kreises Steinburg der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, an der chiffbaren Stör, 97 km nordwestlich von Altona und 24 km nördlich von Glückstadt und an der Linie Elmshorn⸗-Heide der Holsteinischen Marschbahn, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts nebst Strafkammer, hat ein Realprogymnasium, ein adeliges Fräuleinstift und ein Kreisgefängnis und zählt (1880) 9850 E. Von öffentlichen Gebäuden ist außer den beiden Kirchen das 1834 erbaute Ständehaus bemerkenswert. Die Fabrikthätigkeit erstreckt sich auf Tabak, Cement, Cichorien, Fischernetze u. s. w.; auch bestehen mehrere Brauereien, Brennereien und eine große Zuckerraffinerie (die zweitgrößte des europ. Kontinents). Von Bedeutung sind die Pferde⸗ und Viehmärkte, der Getreide⸗, Kohlen⸗ und Eisenhandel und der Schifffahrtsverkehr mit 26 eigenen Fahrzeugen, besonders mit Hamburg und Altona. J. hat acht Armenstiftungen, deren ansehnlichste, das Hospital zu St. Georg (Jürgenshof), 1240 von Graf Adolf IV. zu Holstein gestiftet wurde. und ein allgemeines Krankenhaus (das Julienstift). Der älteste Stadtteil J.5, die Burg, hat seinen Namen von der durch Karl d. Gr. 809 wider die Dänen und Wenden angelegten Burg, welche seitdem als Esseveldoburg, Eselsfleth oder Czeho vorkommt. Graf Adolf IV. 1zu Holstein verlieh der Stadt 1238 lübisches Recht und Stadtgerechtigkeit. Vom 12. Jahrh. an war rJ. Residenz der holstein. Grafen. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt mehrmals von den „Schweden erobert und 1657 zum großen Teil niederrgebrannt. Bis 1864 war J. der Versammlungsnort der holstein. Provinzialstände. nItzenplitz (Heinr. Aug. Friedr., Graf von), r ½ Staatsmann, geb. 23. Jan. 1799 zu Großehnitz bei Nauen, studierte in Berlin anfangs rNaturwissenschaften, dann ebenda und in Göttin⸗ *gen die Rechte. In den Staatsdienst eingetreten, wurde J. Assessor beim Kammergericht zu Berlin, dann Regierungsrat zu Stettin, Oberregierungsrat und Direktor der Generalkommission zu Berlin, Vizepräsident zu Posen und Chefpräsident zu Arnsberg. Er nahm indes 1848 seine Entlassung, um den nach dem Tode seiner Mutter ihm zugefallenen ausgedehnten Besitz in der Kurmark zu verwalten. J. saß in der Herrenkurie des ersten Allgemeinen Landtags als Vertreter des Fürsten Wittgenstein, dann in der Ersten Kammer, darauf im Herrenhause, in welches er 1854 auf Lebenszeit berufen wurde. Im März 1862 trat J. als Minister für Ackerbau wieder in den Staatsdienst, übernahm aber schon im Dezember das Handelsministerium. Infolge der heftigen Angriffe, die seitens Laskers gegen seine Eisenbahnpolitik erhoben wurden und ihm eine Begünstigung des Gründertums bei Eisenbahnunternehmungen schuld gaben, nahm er im März 1874 seine Entlassung und wirkte seitdem nur noch als Mitglied des Herrenhauses. J. gehörte 1867—70 als konservativer Abgeordneter des vierten Wahlkreises (Stallupönen-Goldapp-Darkehmen) des Regierungsbezirks Gumbinnen dem Norddeutschen Reichstage an. Er starb 15. Febr. 1883 auf seinem Gute Kunersdorf bei Wrietzen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 755Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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