Addison (Joseph), engl. Dichter, Essayist und Staatsmann, geb. 1. Mai 1672 als der Sohn eines Geistlichen zu Milston in Wiltshire, bezog mit 15 ahren die Universität Orford, wo er durch seine at. Verse und seine Übersetzung eines Teils von Virgils (Georgicav so großes Aufsehen erregte, daß ihm eine Stelle in dem reichen Magdalenenkollegium ungesucht zuteil ward. Von Charles Montague (nachmaligem Lord Halifax) und dem Kanzler Somers patronisiert, ging er 1699 mit einem Jahrgehalt von 300 Pfd. St. nach Frankreich und von dort nach Italien. Gegen Ende 1703 kehrte er über die Schweiz und Deutschland nach England Degter wo ihn indes der mittlerweile eingetretene egierungswechsel um die ihm zugedachte Staatsanstellung wie um seine Pension gebracht hatte. Als Ra wieder ins Ministerium trat, wurde A. 1706 Unterstaatssekretär, begleitete seinen Gönner nach Hannover, wurde 1709 ins Parlament ewählt und in demselben Jahre zum Sekretär des izekönigs von Irland ernannt. Ebenfalls 1709 begann sein Freund Steele (s. d.) die Herausgabe der Wochenschrift The Tatlero, auf welche 1711 TIhe Spectatoro folgte. An beiden Zeitschriften nahm A. hervorragenden Anteil, und auf seine Beiträge für dieselben gründet sich wesentlich sein Ruhm. Diese im klassischen Stil 84 chriebenen Essays ewähren ein charakteristisches Gemälde der Sitten einer Zeit, in welchem er die herrschenden Lächerlichkeiten und Verkehrtheiten mit feinem Humor geißelte. Mit dem Sturze des Whigkabinetts verlor A. zwar 1710 seine Stellung, war indes auch bei den Tories so geachtet, daß man ihm eine Sinekure ließ. Im J. 1713 erschien sein Trauerspiel „(Cato, dessen polit. Anspielungen ihm einen momentanen Erfolg verschafften. Nach dem Tode der Königin Anna (1. Aug. 1714) begleitete A. den Lord-Lieutenant Grafen Sunderland als Sekretär nach Dublin, kam 1715 ins Handelsamt und ward endlich im April 1717 Staatssekretär. Krankheitsanfälle nötigten ihn aber schon im März 1718, dieses Amt niederzulegen; er starb 17. Juni 1719 zu Hollandhouse bei Kensington und ward in der Westminsterabtei beigesetzt. Die Reinheit seines Charakters wurde von allen Parteien anerkannt. Seine Schriften, darunter die bekannten Evidences of the Christian religiono, wurden fast sämtlich ins Deutsche übersetzt. Eine vollständige Sammlung besorgte Greene (6 Bde., Neuyork u. Lond. 1854); seine Essays v erschienen gesammelt (Lond. 1863). Eine deutsche Übersetzung der Beiträge zum „Tatlero und 4«Spectator lieferte Augustin (Berl. 1866). Vgl. Lucy Aikin, «The life of A. (2 Bde., Lond. 1843); Macaulay, «Critical and historical essayso (Bd. 2); Maschmeier, «A.s Beiträge zu den moralischen Wochenschriften» (Güstrow 1872).