FeedAbhärtung
HeilkundeBrockhaus 1882

Abhärtung nennt man die Gewöhnung des Menschen an äußere Einwirkungen, an Anstrengun- oder Entbehrungen, welche außerdem leicht zu chädlichen Nachwirkungen führen. Es gibt eine geistige und eine nbe durch „und zwar ist die eine in gewissem Maße durch die andere bedingt, da einerseits die Energie und Widerstandsfähigkeit des fabigere Linn en ihn 220 körperlich widerstandsähiger gegen schädliche Einflüsse macht, andererseits aber ein abgehärteter Körper eine größere geistige Rüstigkeit mit sich bringt. Für die geistige wie die körperliche A. gilt das physiol. Gesetz, daß jedes Organ durch eine maßvolle Anspannung seiner Thätigkeit mit nachfolgender Ruhe immer kräftiger und ungen besahigt win Grenzen zu immer größern Leistungen befähigt wird, während alle Überspannung, sei es dem Maße oder der Dauer nach, zur Abspannung oder Krankheit führt. Die A. 0 nicht ein Heilmittel, sondern nur ein Schutzmittel gegen allerlei Krankheiten des Körpers und der Seele. Für jede A. gilt es, daß man in geringem Maße und behutsam die A. anfängt, allmählich dieselbe steigert, aber sofort nachläßt, wenn fatt der Gewöhnung eine erhöhte Empfinblichkeit eintritt. Die Hauptmittel der körperlichen A. sind: kalte, frische, reine Luft (Morgenluft, Gebirgsluft, Winterluft, kaltes Klima), kaltes Wasser (Waschunen, Fluß⸗ und Seebäder, Regen⸗ und Wellenbäder, ouchen), leichte Kleidung, kühles und hartes Nachtlager, Körperbewegung (Turnen, Fechten, Reiten, Gewöhnnn „einfache, aber nicht zu einförmige Kost, ewöhnung an Licht, Lärm, Schmerz, Hunger und Durst. Durch eine zweckmäßige A. werden Katarrhe und Rheumatismen, Hämorrhoiden, Verdauungsschwäche, Bleichsucht, Hypochondrie, Hysterie und die zu den mg in zabliole Leiden führende Neigung zur Erkältung in zahllosen Daar verhütet. Unter den verschiedenen Organen bedarf besonders die Haut der A., weil +½½ diese häufig Erkältungen ausgesetzt ist. an trage bei kühlem Wetter Flanell auf der bloßen Haut, meide aber zu warme, schweißerregende Kleidung. Man reibe sich täglich in einem warmen Zimmer den ganzen Körper mit kaltem Wasser ab 9 nac wasche man sich kalt und reibe sich an ängli nach der Waschung noch mit wollenen Tüchern. Sodann gehe man zu kurer kalten Douchen und im Sommer zu kurzen alten Flußbädern über. Ein Übermaß ist jedoch sehr zu vermeiden, denn das kalte Wasser ist ein ehr starker Reiz für die Hautnerven und kann, wenn über Bedürfniß angewandt, zur Nervenüberreizung und Nervenschwäche führen. % gehe man in 3latte Luft, und lasse sich auch durch unhenstige, etter nicht abhalten. Alte Leute haen Ul zu wenig Wärme, kleinere Kinder eine u zarte Haut, um sich so leicht kleiden und so kalte äder nehmen zu dürfen wie die andern, und dasselbe gilt von Menschen, deren Ernährung daniederliegt und die darum weniger Eigenwärme produzieren. Um die Atmungswege abzuhärten, meide man nicht ängstlich die kalte Luft, die, wenn man warm genug gekleidet ist, der Luftröhre und Lunge schlechte Dünste darf man sich jedoch nicht abhärten wollen, denn sie sind unter allen Umständen 2 des lich. Von I er Wichtigkeit ist ferner die A. des Magens. Diese wird Wtoerd erzielt, daß man sich nicht ängstlich auf leichtverdauliche Speisen beschränkt und den Magen nicht an eine allzu einförmige Nahrung gewöhnt. Ist der Magen nicht geradezu krank, so mute man ihm immerhin etwas zu. Reizende Speisen, Getränke und Gewürze aber, B. Eing Senf, Spirituosen, meide man möglichst Sie nähren nicht und u Terlos den Magen, sodaß dann einfache Speisen zu reizlos werden, um enügend verdaut werden zu können. Das Nerven-Iynem wird am besten dadurch abgehärtet, daß man nicht ängstlich die auf natürlichem Wege sich bietenden Aufregungen desselben meidet. Kaffee Thee, Tabak, Spirituosen dürfen nur mäßig, von Kindern ar nicht genossen werden. Das Muskelsystem endlich wird durch mäßige, zweckmäßig geleitete, d. h. möglichst alle Muskeln nach und nach in Anspruch nehmende, nicht bis zu übermäßiger Ermüdung fortgesetzte Bewegung abgehärtet. Die geistige A. besteht wesentlich in der Erwach der Kinder oder der Selbsterziehung des Erwachsenen zur Charakterstärke, zur Standhaftigkeit 9 ei-Mißgeschick, zur Beherrschung der Triebe und Lei denschaften, zum Maßhalten in Freud' und Leid.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 52Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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