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AllerleiBrockhaus 1882

Abzeichen (politische). Bei den polit. Parteikämpfen haben stets die Losungsworte und äußern A. eine große Rolle gespielt. Oft sind dieselben von Zufälligkeiten entlehnt worden oder aus geringfügigen, jetzt bisweilen kaum noch zu enträtselnden Umständen entstanden; so der Bundschuh der schwäb. Bauern und der Geusenpfennig der Niederländer. Nationaleigentümlichkeiten gaben den Wallisern den Lauch, den Schotten die Distel zum A.; die Anhänger der Restauration der Stuarts trugen einen Eichenzweig, zur Erinnerung an die Eiche, auf der sich Karl II. nach der Schlacht bei Worcester verborgen. In Schweden erhielten zwei große polit. Parteien ihre Namen daher, daß die einen Mützen, die andern Hüte trugen. Neuerdings sind besonders Farben als politische A. gewöhnlich geworden. Nach einem Wortspiele mit dem Namen Oranien wurde die Orangenfarbe das A. der herrschenden Protestanten in Irland, der Anhänger des Hauses Oranien in den Niederlanden und England. In der Französischen Revolution kam die Trikolore (Blau-Weiß-Rot) als Zeichen der Bewegungspartei auf, während die Royalisten die hch Farbe der Bourbonen als A. festhielten. Nach der Restauration von 1815 war ein Veilchen das A. der Bonapartisten und wurde als solches auch nach dem Sturze des zweiten Kaiserreichs wieder angenommen. In Deutschland kamen die angeblichen alten Reichsfarben (Schwarz-Rot-Gold) bei den Burschenschaften und andern patriotischen Vereinigungen als das Symbol nationaler Gesinnung auf, während die Regierungen diese Farben als Zeichen der Demagogie verpönten und verfolgten und ein Bundesgesetz vom 5. Juli 1832 den Gebrauch aller A. außer den Landesfarben verbot. Auch dieses Ausnahmegesetz wurde durch Bundesbeschluß vom 2. April 1848 aufgehoben, nachdem vorher 9. März der Bundestag die deutschen Farben mit dem Reichsadler als die Symbole Deuhscher Einheit anerkannt und als solche bei den deutschen Truppenkörpern eingeführt hatte; mit Eintritt der Reaktion wurden indes die wühiten Farben wieder beseitigt. In Frankreich wählten in der Revolution von 1848 die Sozialdemokraten das Rot zum A. ihrer Partei, um damit anzudeuten, daß sie zur Verwirklichung ihrer Ideen selbst Blut und Tod nicht scheuten. Auch in andern Ländern wurde hiernach die rote Farbe das A. der extrem radikalen Parteien (der „Roten v). Außer den Farben haben die Tracht, der Schnitt des Haars, des Bartes u. s. w. vielfach als politische A. gedient. Die engl. Royalisten des 17. dnd d. trugen ihre Haare in langen Locken, während die republikanischen Puritaner sie kur schoren und daher den Namen «Rundköpfey erhielten. In Italien waren als A. der Bewegungspartei Karbonarimäntel, Calabreserhüte u. s. w. gebräuchlich, neuerlich die Tracht à la Garibaldi. Die allgemein gebräuchlichsten politischen A. sind Kokarden, Schleifen und Bänder. bziehbilder, s. Metachromatypie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 87Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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