FeedAbdikation
GeschichteBrockhaus 1882

Abdikation und abdizieren (abdanken) gebraucht man vorzugsweise von dem Niederlegen der Herrscherwürde. Von freiwilligen A. sind aus der neuern Geschichte die bekanntesten; die des Kaisers Karl V. (1556), der Königin Christine von Schweden (1654), des Königs Philipp V. von Spanien (1724), des Königs von Holland, Ludwig Bonaparte (1810), der Könige Karl Emanuel, Victor Emanuel und Karl Albert von Sardinien (1802, 1821, 1849, die letzte der Se infolge zwingender äußerer Umtände nach der Schlacht von Novara), des Königs madeus von Spanien (1873); endlich in Deutschland: des Königs Ludwig I. von Bayern (1848), des Fürsten Heinrich LXXII. Reuß (1848), des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg (1848) zu Gunsten seines Bruders, der Fürsten von Hohen-Berah (1849) zu Gunsten Preußens, des Herzogs ernhard von Sachsen-Meiningen (1866) zu Gunsten seines Sohnes Georg. Nur halb freiwillig abdizierte Wilhelm I., König der Niederlande . weil seine Politik durch die Wendung der belg. Angelegenheiten unmöglich geworden war. Auswärtige Gewalt erzwang die Abdankung Augusts von (737) und Poniatowskis (1795), Karls IV. von Spanien (1808), Napoleons I. (1814 und 1815). Am häufigsten haben 206 t eine A. gewaltsam herbeigeführt. Die neueste Zeit ist reich an solchen, noch reicher freilich an vertriebenen Fursten, welche ihre Rechte nicht förmlich aufgaben. anche abdizierten auch zu Gunsten eines Gliedes ihrer Familie (so Karl X. von n 1830, Ludwig Philipp 1848, Isabella II. von Spanien 1870), ohne daß diese Bedingung erfüllt ward. Die A. des Kaisers Rontrerenn von Ssterreich (1848) war ein Werk der ontrerevolution, welche die von ihm beschworene Verfassung nicht anders rückgängig zu machen wußte. Abdominal (vom lat. abdomen, der Unterleib), in der mediz. Sprache alles, was den Unterleib betrifft. Daher Abdominaleingeweide, die im Unterleibe gelegenen Verdauungs⸗, Harn-und Geschlechtsorgane; Abdominalkrankheiten, die Krankheiten der Unterleibsorgane; Abdominalplethöra, anhaltender Blutzudrang zu den Unterlei Sorganen, führt zu Verdauungsstörungen, Gemütsverstimmung und bildet eine häufige Quelle „Abdruck. Unter A. versteht man die Vervielfandes d eines — oder bildlichen Gegentandes durch mechan. Mittel, insbesondere durch die en Le Alle gewöhnlichen Abdrücke, die der Lettern bei der Buchdruckerkunst, der Holzstöcke zu Holzschnitten, der Platten für Kupferstiche, der Lithographien, Autographien u. s. w. finden in der eise statt, daß die erhaben oder vertieft gestellten gegossenen, geschnittenen, radierten u. s. w. Zeichen mit einer Frbe überzogen und sodann auf Papier oder irgend einen andern Stoff, welchem man sie mitteilen will, durch Reiben oder Pressen übertragen werden. Au bei der gewöhnlichen Kreideeichnung der Lithogra 1 findet dasselbe Verfahren tatt. Der A. einer . tte, eines Steins u. s. w. ällt um so besser aus, je genauer alle Bedingungen der künstlerischen und mechan. Erfordernisse dabei Leitern werden. Nicht allein von der Schärfe der ettern, der Energie des Stichels und der Kreide u. s. w. hängt die Güte und Schärfe eines A. ab sondern auch von der Beschaffenheit des Stoffs, auf welchen er übertragen wird, von der angewendeten arbe und namentlich von der Geschicklichkeit des ruckers. Alle diese Punkte wollen namentlich beachtet sein bei der Herstellung von Abdrücken der Kupferstechkunst. Man unterscheidet viererlei Arten von Kupferstichabdrücken. Die kostbarsten sind die ersten Abdrücke ohne alle Unterschrift, épreuves d'artiste genannt; die —m die Abdrücke avant la lettre («vor der Schrifto), mit dem Namen des Künstlers, aber ohne volle Unterschrift; die dritten mit bloß eingerissener Unterschrift heißen avec lettre grise oder avant la lettre finie; die vierten sind die gewöhnlichen im Handel vorkommenden Abdrücke mit voller Unterschrift. Bei besonders wertvollen Platten findet eine Numerierung der Abdrücke statt; auch wird nach einer bestimmten Anzahl von Abdrücken die Platte vernichtet, um weitere Abdrücke unmöglich 21 —1u on Sammlern sehr gesucht sind die Abdrücke vor völliger Hetigstellung der Platte, welche der Künstler zur Beurteilung seiner Arbeit macht. Sie werden gewöhnlich nach den fehlenden Teilen bezeichnet. Von manchen Stichen gibt es Serien in allen Stadien der Vollendung (états), deren einzelne Stücke mit außerordentlichen Preisen bezahlt werden. Bei dem Buchdruck versteht man unter A. im allgemeinen die Darstellung eines jeden Druckwerks, speziell aber auch die Kopie eines solchen, sodaß z. B. eine neue Auflage oft den useh Unveränderter Abdruck, erhält. — Außerdem bezeichnet man als A. auch das Abformen irgend eines Körpers, eiche Mass in halberhabener Arbeit, zuerst in eine weiche Masse, welche danach erhärtet und die Mutterform bildet, in die sodann die eigentliche Formmasse eingedrückt oder eingegossen wird, um ihre Gestalt zu empfangen. Man macht Abdrücke in Wachs, Thon, Gips, Schwefel, Metall u. s. w., und elleure, Nudt es die Künste und Gewerbe der Modelleure, Bildstecher, Wachsbossierer, Töpfer, Stempel⸗ und Steinschneider, so- wie die Porzellan⸗ und Steingutfabriken, welche dergleichen Abdrücke bedürfen. — In der Geologie versteht man unter A. die im Gestein erhaltenen äußern Formen von on Mu Körpern, z. B. von Pflanzenblättern oder von Muschelschalen. Die Abdrücke, welche zuweilen iunterscheden f Versteinerungen genannt werden, unterscheiden 55 von den eigentlichen Versteinerungen dadurch, daß bei letztern auch die innere Textur des organischen Körpers noch erkennbar, aber in Mineralsubstanz umgewandelt und dadurch erhalten ist, während endlich die Steinkerne bloße Ausgüsse des innern Hohlraums, z. B. einer Schnecke oder Muschel, darstellen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 26Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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