FeedCochenille, Kutzenellen
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Cochenille, Kutzenellen, Eine köstliche rothe Purpur-Farbe, sind kleine aufgedorrete oder getrucknete Mücken, in der Grösse, wie eine Bett-Wantzen, welche, wenn sie zerknirschet werden, eine schöne rothe Farbe oder Safft für die Färber von sich geben. Man samlet solche häufig in West-Jndien, da sie sich auf etlichen Bäumen, welche den Feigenbäumen gleichen, aufhalten, unter welche die Jndianer ein Tuch ausbreiten, und hernach diese Thierlein herunter schütteln, worauf sie bald sterben, und dieses ist die so theure Cochenille. Man besitzt aber in unserm Deutschland eben dasselbe, und kan sich an seinem Polygono rühmen, an dessen Wurtzeln um Johannis rothe Körnlein gefunden werden, welche einige Johannis-Blut nennen, und viele abergläubische Ceremonien damit treiben; solche rothe Körnlein sind nichts anders, als Ovula oder Eyer kleiner Würmer, welche bey warmen Sonnenschein ausgebrütet, und endlich lebendige Würmlein werden, die einen Blut- oder Purpurfarbenen Safft bey sich führen, mit welchem man Seide und Wolle färben kan. Die Türcken und Armenier färben damit Tücher, Seide und Leder, welches sie Saffian nennen, wie auch ihrer Pferde Mähnen und Schweiffe.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 375–376Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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