Accommodation heißt im allgemeinen die Anbequemung an die Meinungen und Wünsche anderer, mit denen man selbst sich nicht einverstanden weiß. In der theol. Sprache wird darunter insbesondere die Anbequemung der göttlichen Offenbarung an die menschliche Schwachheit verstanden. Indem man nämlich in den biblischen Schriften, insbesondere des Alten Testaments vieles fand, in welchem man nur eine sinnliche Vorstellung der geistigen Wahrheit sehen konnte, daneben aber doch die göttliche Offenbarung als eine unmittelbar göttman mur daduech Belehrung auffaßte, glaubte man nur dadurch beides miteinander versöhnen zu können, daß man annahm, Gott habe nach Art eines weisen sänaliche seine Menschen ei nach der geistigen Empfänglichkeit der Menschen eingerichtet, dieselben also nur schrittweise von sinnlichern Vorstellungen zu geistigern geführt und nicht bloß in der Form der mitgeteilten Lehren, sondern auch in dem Inhalte derselben sich nach der jeweiligen menschsichen Fassungskraft gerichtet, viele Irrtümer also teils unberichtigt gelassen, teils . einbar geradezu gebilligt und in seinen Unterricht mit aufgenommen. Schon manche Kirchenlehrer des christl Altertums haben sich durch diese Annahme über den Widerspruch hinwegzuhelfen gesucht, in welchen sich ihre geistigern religiösen Vorstellungen mit ihrem gleichwohl festgehaltenen Offenbarungsbegriffe verwickelten, und im vorigen Jahrhundert fand dieselbe ziemlich allgemeinen Beifall. Hierbei kam es aber schließlich auf die subjektive Meinung jedes Einzelnen hinaus, welchen Teil der biblischen Vorstellungen er als bleibende Wahrheit festhalten, welchen er als bloße A. beiseite stellen wollte; überdies war das Recht, an den menschenähnlichen Vorstellungen in der Bibel Kritik zu üben, durch eine nicht minder aubarung selbitz Vorstellung von der befondere Offenbarung selbst zu teuer erkauft. Ein esonderes Interesse gewann der Begriff der A. zu Ende des vorigen Jahrhunderts dadurch, daß man ihn speziell auf Jesus anwenden zu müssen glaubte, um ihm gewisse jüd. Zeitvorstellungen, wie die vom Teufel und seinen Dämonen, von Besessenen, aber auch von den Engeln, dem Weltgerichte, dem irdi-MRei Messiasreiche u. s. w., nicht als seine eigene einung zuschreiben zu müssen. Indessen erhoben sich auch hier gegen diese Auskunft nicht bloß die gewichtigsten moralischen Bedenken, sondern auch anderweite geschichtliche und philos. S wierigkeiten. Sie beruhte auf der dogmatischen Voraussetzung einer unbedingten Unfehlbärkeit Jesu, um derentwillen man die geschichtliche und volkstümliche Bedingtheit seines Bewußtseins leugnen zu müssen glaubte. Allerdings hat die neuere Forschung vieles, was der ältere Rationalismus unter dem Titel von A. an jüd. Zeit⸗ und Volksvorstellungen beiseite warf, in seiner tiefern Bedeutung für das christl. Bewußtsein würdigen gelehrt, anderes dagegen, auch in dem persönlichen Vortrage Jesu, auf die symbolische und bilderreiche Darstellungsweise des Morgenlandes, die nicht ohne weiteres zum Dogma gestempelt werden dürfe, zurückgeführt. Dennoch wird eine wirklich geschichtliche Betrachtung des Lebens Jesu sich je länger je weniger der Anerkennung entziehen Wunen⸗ daß, un-Uchen E der religibsen Bedeutung seines persönlichen Bortehlungssorme sein Denken sich doch in den Vorstellungsformen seiner Zeit und seines Volks bewegt habe.