FeedAndacht
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Andacht heißt in der religiösen Sprache diejenige Stimmung des Gemüts, in welcher der Mensch ganz von dem Gedanken an Gott und sein Verhältnis zum menschlichen Ich erfüllt ist. A. ist daher gar nichts anderes als der Akt der religiösen Erhebung selbst und der durch sie erregte Gemütsustand. Ihre psychol. Form kann eine sehr verschiedene 410 je nach der Erregbarkeit des religiösen Gefühlslebens und je nach der Beschaffenheit des religiösen Vorstellungskreises, und eben darum sind die Außerungen der A. und die Mittel, eine andächtige Gemütsstimmung zu erzeugen (Andachtsübungen)j, sehr verschieden. Andachtsübungen sind in dem oben bestimmten Sinne Gebet, Gesang, öffentliche Gottesverehrungüberhaupt, Andachtsbücher aber solche Schriften, welche den Zweck hartn und geeignet sind, A. zu erwecken. Als beharrlicher Zustand des Gemütslebens heißt die A. Andächtigkeit. Zur sittlichen Charakterbildung ist die lebendige Wechselwirkung der religiösen Sammlung des Gemüts mit der sittlichen Arbeit in der Welt e Pflege de⸗ daher eine einseitige und ausschließliche Pflege des religiösen Gefühlslebens notwendig krankhaft wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 617Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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